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  1. Marc S. Huf
    ·
    6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Erschütternde Reportagen, 29. Januar 2015
    Von 
    Marc S. Huf – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Wo Frauen nichts wert sind: Vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen (Gebundene Ausgabe)
    Frauen sind in Ländern, wo sie "nichts wert" sind, von Bildung, Macht und Geld ausgeschlossen. Empört über dieses Unrecht, fragt man sich zunächst, wie und wo das noch im 21. Jahrhundert geschehen kann. Die Gewalt gegen Frauen, so die Autorin Maria von Welser, die darüber aus den Ländern Afghanistan, Indien, Irak und Kongo berichtet, dient u.a. deren Einschüchterung und Verunsicherung.

    Man erfährt aber auch ein plausibles Argument, weshalb die Mädchen von den Schulen ferngehalten werden. Die Antwort lautet: Wenn sie lernen, können sie später Geld verdienen und weglaufen. Davor fürchten sich offenkundig die Männer. Deshalb ist Bildung für Mädchen einfach verboten. Die Frau ist somit für immer "Untertanin" des Mannes. In Afghanistan muss die Frau dem Mann regelmässig " zur Verfügung" stehen, sonst wird sie geschlagen und vergewaltigt. Die Autorin bringt es auf den Punkt: "Der Mann ist ein fundamentales Wesen."
    Frauen werden wegen Ehebruch "in Allahs Namen" ermordet, z.B. gesteinigt oder, wie berichtet wird, von einer jubelden Männerhorde erschossen. Aus uneingestandener Angst und manchmal tödlicher Eifersucht werden Frauen von stolzen, (gesetzes-) t r e u e n Männern mit der Todesstrafe bedroht, also wiederum eingeschüchtert.

    Auch im demokratischen Indien sind Frauen und Männer ungleich. Weibliche Föten werden dort bekanntlich in überaus großer Zahl abgetrieben. Im Kongo werden Frauen oft geringschätzig wie Sklavinnen behandelt und darüber hinaus sadistisch bestraft, d.h. mit Waffen am Unterleib verletzt. Diese verschiedenen Formen systematischer Entwertung des weiblichen Geschlechts schildert die bekannte Journalistin ebenso sachlich wie eindrücklich, meistens in kurzen Sätzen, die an die Nieren gehen.

    Und plötzlich ist der Leser nicht nur verwundert, zu erfahren, dass Frauen immer nur an zweiter Stelle hinter dem Mann stehen dürfen, sondern wütend und verstört angesichts der alltäglichen Grausamkeiten. Die Reportagen sind vor allem deshalb so erschütternd, weil klar wird, dass Frauen in diesen Ländern schlechter als Sklaven behandelt werden: unmenschlich und vollkommen entwertet.

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  2. Adrian M.
    ·
    14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Unfassbar – aber leider wahr, 3. November 2014
    Von 
    Adrian M. – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Wo Frauen nichts wert sind: Vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen (Gebundene Ausgabe)
    Ich gehöre nicht zu denen, die alle Unterschiede zwischen Männern und Frauen leugnen oder gar beseitigen wollen. Im Gegenteil. Das gehört ebenso zur Kultur wie eine möglichst abwechslungsreiche Musik- oder Literaturlandschaft, raffinierte Speisen oder unterschiedliche Baustile und die unendliche Vielfalt in der bildenden Kunst – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Kultur ist Vielfalt und Vielfalt macht Spass.

    Aber das heißt natürlich nicht, dass es hinsichtlich der menschlichen Würde, der Chancen im Leben, der gegenseitigen Achtung und Toleranz oder der Gleichheit vor dem Gesetz Unterschiede geben darf – um auch hier nur einige wichtige Stichworte zu nennen.

    Deshalb ist es so unfassbar, wie auch heute noch in vielen Teilen der Welt die Würde, die Gleichberechtigung, der Bildungsanspruch oder die körperliche Unverletzbarkeit der Hälfte der Menschen (hier der Frauen) von der anderen Hälfte (also der Männer) mit Füßen getreten wird. Man liest das Buch von Marie von Welser und ist erschüttert, entsetzt und von stiller Wut darüber gepackt, dass auch in der Welt von heute immer noch Millionen Frauen wie Sklaven gehalten, verprügelt, vergewaltigt oder verstümmelt werden (z.B. durch grausame Beschneidungsrituale) und gesellschaftlich toleriert oder gar oder religiös gerechtfertigt wird. Dazu kommt die Anmaßung der Männer (ob Ehemänner, Gottesmänner oder Glaubenskrieger), darüber zu entscheiden, wie viel Bildung für Frauen gut ist – nämlich möglichst wenig). Wir begreifen: Terror wird nicht nur mit Hilfe von Gewehren, Macheten, Granaten und Bomben ausgeübt. Er findet tagtäglich in den Familien statt.

    Auch wer glaubt, über die oft unsäglichen Bedingungen einigermaßen gut informiert zu sein, unter denen Millionen Frauen in Indien, Afghanistan und vielen anderen Ländern Asiens oder Afrikas leben müssen, wird überrascht sein, wie viele offene oder verborgene Unterdrückungsmechanismen es gibt, von denen wir bisher nichts wussten oder zumindest die Dimensionen nicht ahnten. Ein sehr wichtiges und sehr lesenswertes und zugleich sehr gut lesbares Buch – allerdings kein heiteres.

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  3. Happyx
    ·
    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Eine Lupe auf den größten blinden Fleck unserer Gesellschaft, 4. April 2015
    Von 
    Happyx (Sei Du selbst, alle anderen sind schon vergeben. (Oscar Wilde)) – Alle meine Rezensionen ansehen
    (TOP 500 REZENSENT)
      

    Rezension bezieht sich auf: Wo Frauen nichts wert sind: Vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen (Gebundene Ausgabe)
    Dieses Buch gehört für mich zu einem grundlegenden Bestandteil jeglicher Erziehung: alle Schulen, alle Politiker und alle Journalisten müssten es in ihren Regalen stehen haben. Und: sie müssten es tatsächlich lesen und erkennen, warum und weshalb Frauen erniedrigt, ausgegrenzt und herabgewürdigt werden.

    Maria von Weser berichtet aus 3 Ländern, die besonders frauenverachtend sind: Afghanistan, Indien und Kongo. Wenn man sonstigen kritischen Stimmen nicht glaubt, hier wird Leben und Leiden, aber auch Aufbegehren von Frauen anhand von Einzelschicksalen deutlich – und zwar markerschütternd, himmelschreiend.

    Maria von Welser sagt über Afghanistan: "86 Prozent aller Frauen in Afghanistan haben Angst vor dem Abzug der Truppen, haben eben Angst, dass sie zurückfallen in die Zeiten der Taliban, als sie das Haus nicht verlassen durften, als sie ihre Mädchen nicht in die Schulen schicken durften, als Mädchen von den Vätern verkauft wurden, als sie geschlagen wurden, missbraucht wurden, vergewaltigt wurden."

    In Afghanistan – und im Islam generell – sind Frauen Besitztümer des Mannes. Sie gehören dem Vater, dem Ehemann oder Bruder. Hier gilt das Gesetz: "Der Mann ist ein fundamentales Wesen. Die Frau ist ihm untergeordnet." Frauenrechte: völlig unbekannt.

    Jeder, der den Koran und das Leben bzw. die Anweisungen von Mohammed gelesen hat, muss erkennen, woher der im Islam geschürte Femizid kommt: aus den Quellen dieser vermeintlich so friedliebenden Religion, dessen Gründer ein 9-jähriges Mädchen geschwängert hat und dem Jungfrauen- und Todeskult bzw. satanischen Praktiken das Wort redet, gehorsam befolgt von besinnungslos treuen Mitgliedern dieser Verächter jeglicher Anerkennung von Frauen – auch heute noch, und mitten unter uns.

    Ich frage mich immer wieder, wie lange sich unsere Gesellschaft den größten blinden Fleck noch leisten möchte: Toleranz gegen intolerante patriarchalische Strukturen auch in unseren Städten, die im Namen ihrer Religion jene Aspekte leben dürfen, die wir als westliche Gesellschaft zutiefst verachten.

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