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  1. Gunter Frank
    ·
    97 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    … den Zorn in die richtige Richtung lenken, 19. November 2014
    Von 
    Gunter Frank (Heidelberg) – Alle meine Rezensionen ansehen
    (REAL NAME)
      

    Rezension bezieht sich auf: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert (Gebundene Ausgabe)
    Peter Goetsche ist einer der wichtigsten Kronzeugen, wenn es darum geht unglaubliche Zustände in der Medizin aufzudecken und nachprüfbar zu beschrieben. Ich beziehe mich in meinen Publikationen seit Jahren auf ihn und dieses Buch sollte Pflichtlektüre vor jeder Facharztprüfung sein.
    Wichtig ist es jedoch bei aller Empörung eines zu bedenken: die Pharmaindustrie versucht das zu machen, wozu ein Unternehmen nun mal da ist, maximalen Gewinn. Vielleicht sind es unsere eigenen Rentenfonds, die in Pharmaunternehmen investiert haben und Pharmamanagern Druck machen, für eine maximale Rendite ständige ethische Grenzen zu brechen. Doch es sind in der Medizin Personen vorgesehen, die von Steuergeldern dafür bezahlt werden, dass dabei das Patientenwohl nicht unter die Räder kommt: es sind die Universitätsprofessoren, die die entsprechende Forschung und die Behandlungsleitlinien zu verantworten haben. Hier entscheidet sich, ob schlechte oder gute Medizin betrieben wird. Und genau da muss man fassungslos feststellen, dass sich gerade auch deutsche Professoren schamlos zusätzlich bezahlen und vor den Pharmakarren spannen lassen. Die deutsche Hochschulmedizin geht sehenden Auges dabei über Leichen. Der Hinweis, dass man nur noch mit Industriegeldern Forschung betreiben kann, entschuldigt in keiner Weise das Ausmaß an Manipulationen, die zu den heute üblichen und gefährlichen Übertherapien und Fehlbehandlungen führen, beispielsweise in der Diabetes-, Hochdruckbehandlung oder auch bei Chemotherapien. Die Öffentlichkeit, besonders die Medien, sollte endlich verstehen, dass die Pharmaindustrie nach den Rahmenbedingungen agiert, die sie nun mal vorfindet, wie beispielsweise die Käuflichkeit der Forschung. Hier an die Moral zu appellieren ist naiv. Die eigentlich Verantwortlichen sitzen in den Hochschulen und gehen weiter ungeschoren und unkontrolliert ihrer manipulativen Auftragsforschung nach.
    Dr. med. Gunter Frank
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  2. Katrin Herz
    ·
    65 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Profitgier und Betrug in der Pharmabranche – ein Buch, das polarisiert, 18. November 2014
    Von 
    Katrin Herz (Berlin) – Alle meine Rezensionen ansehen
    (TOP 500 REZENSENT)
      

    Rezension bezieht sich auf: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert (Gebundene Ausgabe)

    Der Autor Peter c. Gotzsche beleuchtet hier ein Gesundheitsthema mit erschreckenden Hintergründen. Dabei bringt er vor allem ein Hauptproblem sehr deutlich auf den Punkt, nämlich dass Pharmakonzerne vor allem eins sind: profitorientierte Unternehmen. Und wie immer, wenn Gesundheit und Gewinninteressen miteinander verflochten sind, führt das zwangsläufig zu Interessenkonflikten. Anhand vieler Beispiele zeigt der Autor, wie Pharmakonzerne operieren, um Medikamente auf den Markt und an die Patientinnen und Ärztinnen zu bringen. Er beweist, dass dabei nicht selten mehr als dubiose Machenschaften im Spiel sind. Dies birgt Gefahren nicht nur für das Gesundheitssystem, sondern für die Menschen, die das Gesundheitssystem brauchen.

    Ich denke schon, dass hier ein Ethikproblem von sehr großem Ausmaß ans Tageslicht kommt. Das Vertrauen in die Pharmaindustrie ist bei vielen Menschen sowieso nicht besonders groß, so denke ich. Wenn die Medien die weitere „Entlarvung“ von Herrn Gotzsche auf breiter Linie thematisieren sollte – nämlich dass es an vielen Stellen eine unheilvolle Verbindung von Medizinern und Gesundheitsindustrie gibt –, dann könnte das handfeste Skandale heraufbeschwören. Vielleicht wäre das heilsam für das fehlerhafte System, das nicht nur Vertrauen, sondern auch Menschenleben kostet? …
    Das Buch ist eindeutig nicht frei von überspitzten Formulierungen, es hat eine eindeutige Aussage und wird dadurch selbstverständlich polarisieren. Auch erkennt er die offensichtlichen Errungenschaften verschiedenster Medikamente an, die beispielsweise bei der Behandlung von Diabetes, Herz- oder Krebs- oder Infektionskrankheiten Wunderbares leisten. Das hält ihn aber nicht davon ab, die für ihn offensichtlichen Skandale aufzudecken, bei denen Wirkstoffe Menschen schaden und trotzdem unter Vorspiegelung falscher Tatsachen weiter hergestellt und vertrieben werden. Ganz offensichtlich möchte der Autor aufrütteln und mit deutlichen Worten provozieren. Gleichzeitig bietet er aber auch Lösungsvorschläge an, mit denen die Probleme beseitigt werden könnten. Hierbei geht es nicht um Polemik ohne realen Bezug. Der Autor hat Reputation und legt Beweise für seine Behauptungen und Schlussfolgerungen vor. Umso mehr darf man gespannt sein, wie die Öffentlichkeit und die Pharmabranche auf diese ganz aktuellen Anschuldigungen reagieren werden. Ich bin jedenfalls gespannt, ob dieses Thema öffentlich aufgegriffen wird.
    Von besonderem Interesse fand ich die Kapitel zum Thema Pharmakologie und psychischen Erkrankungen. Der Autor zeigt hier sehr gut, dass Medikamente eben nicht immer das Mittel der Wahl zur Lösung mentaler Probleme sind. Mag in manchen Fällen der Einsatz von Medikamenten tatsächlich Erleichterung bringen, so ist der Schaden, der durch solche Mittel entsteht, an anderer Stelle oft immens. Ich kann hier auch für die Altenpflege sprechen. Dort setzt sich in den letzten Jahren glücklicherweise immer stärker folgende Einsicht (wieder) durch: Die menschliche Begleitung und Nähe sowie Beschäftigung von (auch demenziell erkrankten) Menschen ist heilsamer, als Menschen mit Beruhigungsmitteln „stillzulegen“. Vielleicht sollten wir uns eben in dieser wissenschaftsgläubigen Zeit auch wieder auf unsere menschlichen Stärken besinnen. Auch denke ich – und schließe mich dem Autor ausdrücklich an – dass vor allem Bewegung/Sport ein wahres Wundermittel sein kann, wenn man es regelmäßig praktiziert. Sowohl prophylaktisch als auch im Falle von Krankheiten kann eine moderate Form, sich zu bewegen und in die Natur zu gehen sicher Berge versetzen …
    „Wie sehr ist das Gesundheitswesen tatsächlich korrumpiert?“, fragt man sich am Ende der Lektüre. Wahrscheinlich kann das keiner sagen. Trotzdem lohnt es sich, gerade solche Bücher zu lesen, um ein Gesamtbild der Lage zu bekommen. Wem Gesundheit wichtig ist, der sollte auch gesunde Skepsis pflegen. Auch das gehört zum mündigen Patienten. Dieses Buch jedenfalls halte ich für einen guten Beitrag, nicht gleich zu Medikamenten zu greifen. Vorsorge – so denke ich – ist noch immer die beste Medizin. Dazu gehören: Gesundheitswissen, Sport, gesunde Ernährung und ein funktionierendes Sozialleben. Auch ein/e wirklich guter Arzt/Ärztin des Vertrauens dürfen meiner Meinung nach nicht fehlen. Dieses Buch zeigt: Auf Pillen und vor allem deren Hersteller jedenfalls sollte man sich genauso wenig blindlings verlassen, wie auf Ärzte die vorschnell den Rezeptblock in der Hand halten.

    Fazit: Selten habe ich ein so aufrüttelndes Buch über einen Teil der Gesundheitsbranche gelesen wie dieses. Was ein Medizinprofessor hier über die…

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  3. Auch nur ein Mensch
    ·
    64 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Fortbildung, Abendessen und Urlaub selber bezahlen. Ist das für uns Ärzte zuviel verlangt? Nein, es fühlt sich sogar gut an!, 9. Juni 2015
    Von 
    Auch nur ein Mensch – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert (Gebundene Ausgabe)
    Warum werden Industrieprodukte im Lauf der Zeit besser? 1) Konkurrenz 2) Verbraucher kann Qualität oft selbst nachprüfen 3) funktionierende industrieunabhängige Verbraucherschutzorganisationen 4) Bedürfnisse lassen sich nicht beliebig steigern 5) Bezahlung meist direkt und nicht durch Versicherungen. (Ihnen fallen sicher noch weitere Gründe ein)
    Warum kommen im Gegensatz dazu seit Jahrzehnten kaum noch wirklich neue oder bessere Medikamente auf den Markt? Warum erreichen trotzdem die ohnehin seit den 50er Jahren sehr profitablen Pharmaunternehmen seit den 80er Jahren abgekoppelt von sämtlichen anderen Branchen Schwindel erregende 20 % Gewinn (2010) mit rasch steigender Tendenz??
    Der frühere dänische Pharmamitarbeiter, Internist und Lehrstuhlinhaber für klinisches Studiendesign Peter C. Gøtzsche beantwortet unerschrocken diese und viele weitere Fragen mit unvergleichlicher Detailkenntnis und Deutlichkeit.

    Ich bin Internist und Hausarzt und habe die schallenden Ohrfeigen für mich und meinen Berufsstand zur Kenntnis genommen. Vielleicht kam die leichte Übelkeit und der Schwindel bei der Lektüre dieses Buches auch davon.
    In den ersten Jahren nach Einstieg in die Praxistätigkeit im Jahr 2000 kamen an manchen Tagen bis zu 6 Pharmareferenten zu mir, um mich mit nutzlosen Informationen über ein angeblich unverzichtbares innovatives Medikament zuzumüllen. Dabei gab es natürlich "nur für mich ein paar mehr Arzneimittelmuster als von der Firma erlaubt" und die Einladung zu luxuriösen Kurzreisen, Abendessen mit "hochwertigen wissenschaftlichen Vorträgen", die in Wirklichkeit reine Werbeveranstaltungen unter Mitwirkung hochbezahlter Pharmahuren, also Chefärzten oder "Forschern", mindestens mit Dr. Dr. oder Prof. Dr. anzureden. Je mehr ich im Lauf der Zeit bemerkte, wie diese Gehirn gewaschenen, meist netten Menschen mich, mein ärztliches Selbstverständnis und – ganz wichtig – mein Verordnungsverhalten korrumpierten, umso mehr ekelte es mich. So habe ich vor 10 Jahren allen Pharmareferenten verboten, mich jemals wieder zu behelligen. Das war ein echter Befreiungsschlag! Trotzdem habe ich wiederholt z.T. sogar wirklich gute von der Industrie gesponserte Fortbildungsveranstaltungen besucht. Dafür entschuldige ich mich und mach es nicht mehr!

    Denn die scheinbar allmächtige Pharmaindustrie braucht unbedingt bestechliche Ärzte, um noch mehr Menschen Geld und Gesundheit zu rauben.
    Je mehr von uns dagegen aufstehen, umso besser wird unsere Medizin und unser Gewissen.

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