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  1. Jules Barrois
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    10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Beim Essen redt ma net., 27. September 2016
    Von 
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    Rezension bezieht sich auf: Suchbild mit Katze: Roman (Gebundene Ausgabe)
    „Woher kommen wir, wohin gehen wir, was wird aus uns werden? Wer sind wir, wer waren wir, wer werden wir sein? Unglaublich, was damals alles noch Zukunft war. Und dann ist es passiert und das heißt ja, vorbeigegangen, und schon war es Vergangenheit.“ (Seite 162)
    Peter Henisch geht diesen Fragen in seinem neuen Roman nach, in einer Art Autobiographie der anderen Art.
    Als Standpunkt wählt er den Blick aus den Fenstern. „All die Fenster, aus denen ich schon geschaut habe. Nicht ganz wenige im Laufe eines Lebens.“ (Seite 10). An seiner Seite immer wieder eine Katze, eine von vielen, die ihn in seinem Leben begleitet haben.
    Und so blickt er auf die Gasse, auf sein Viertel, auf Wien, auf Österreich, auf die Welt, auf sein Leben. Auf seine Mutter, auf seinen Vater, den Fotographen, auf Großeltern, auf Onkel Willi, auf Friedi, seine heimliche Liebe, auf die Besatzung durch die Russen, auf den Staatsvertrag, „Österreich ist frei.“ (Seite 162), auf die Weltgeschichte. „Und schaute hinaus in die Welt. Eine Welt, von der ich mir erst nach und nach eine Vorstellung zu machen begann.“ (Seite 95)
    Er schreibt aus unterschiedlichen Perspektiven: aus dem Blick des Kindes, aus der Sicht des Erwachsenen auf die Eindrücke des Kindes, aus den Eindrücken und Überlegungen des Erwachsenen, als Dichter, als Interviewter im Gespräch mit einer Journalistin. Er folgt keiner chronologischen Reihenfolge. Im Zentrum steht die Zeit der späten 40er Jahre und der 50er Jahre. Ganz leicht und locker springt er hin und her, kehrt zurück, folgt einem Nebengleis, streut Bemerkungen ein, kommt wieder in die aktuelle Gegenwart und greift daraus wieder ein Thema aus seiner Kindheit auf. Und das ganze überhaupt nicht verwirrend.
    Das ist der erste entscheidende Punkt für mich in diesem Buch: Der Leser weiß immer ganz genau, wo und in welcher Zeit er sich befindet.
    Der zweite entscheidende Punkt für mich ist die Denk- und Erlebniswelt des kleinen Knaben. Ich selbst bin gerade ein Jahr jünger als der Autor, in ganz anderen Verhältnissen aufgewachsen als er, aber ich entdecke Erlebnisse, Vorstellungen, Überlegungen des Kindes, an die ich mich auch bei mir erinnere. Und diese kindliche Zeiterfahrung und Zeiterleben haben nicht nur die Entwicklung des Autors nachhaltig beeinflusst, sondern die von all denen, die in dieser Zeit groß geworden sind.
    Peter Henisch spricht ein kollektives Gedächtnis an. Und das tut er mit einer ganz wunderbaren Erzählkraft: in schöner, unaufdringlicher, fließender Sprache, spannend, manchmal ironisch, manchmal tiefgründig, sehr facettenreich und vor allem sehr eingängig. Er zieht den Leser in einen Bann, der bis zur letzten Seite anhält.
    Gönnen Sie sich unbedingt dieses Lesevergnügen.
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