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Rückkehr nach Reims (edition suhrkamp)

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Arbeitslosigkeit

Als sein Vater stirbt, reist Didier Eribon zum ersten Mal nach Jahrzehnten in seine Heimatstadt. Gemeinsam mit seiner Mutter sieht er sich Fotos an – das ist die Ausgangskonstellation dieses Buchs, das autobiografisches Schreiben mit soziologischer Reflexion verknüpft. Eribon realisiert, wie sehr er unter der Homophobie seines Herkunftsmilieus litt und dass es der Habitus einer armen Arbeiterfamilie war, der es ihm schwer machte, in der Pariser Gesellschaft Fuß zu fassen. Darüber hinaus liefert er eine Analyse des sozialen und intellektuellen Lebens seit den fünfziger Jahren und fragt, warum ein Teil der Arbeiterschaft zum Front National übergelaufen ist. Das Buch sorgt seit seinem Erscheinen international für Aufsehen. So widmete Édouard Louis dem Autor seinen Bestseller »Das Ende von Eddy«.


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Rückkehr nach Reims (edition suhrkamp)

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Autor: Martin Osman Hamann »

Martin Osman Hamann bloggt hier schon seit 2009 und es ist immer noch so aufregend wie am Ersten Tag. Was wahrscheinlich daher rührt weil er bisher nur 1 Artikel oder so veröffentlicht hat :)

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  1. 54 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Soziologische Autobiografie über den Fluch der Klassenzugehörigkeit, die soziale Scham und den Ausbruch aus dem sozialen Habitus, 13. Mai 2016
    Von 
    Stefan Proust – Alle meine Rezensionen ansehen
    (TOP 1000 REZENSENT)
      

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Rückkehr nach Reims (edition suhrkamp) (Taschenbuch)

    Der französische Philosoph und Soziologe Didier Eribon nahm 2009 den Tod seines Vaters zum Anlass über seine Kindheit und Jugend ein Buch zu schreiben, dass den Werdegang eines Arbeiterkindes zum wichtigsten Intellektuellen Frankreichs der Gegenwart aufzeichnet. Und doch ist das Buch mehr als nur ein Erinnerungsbuch und Memoirenband oder das Porträt eines ehrgeizigen Karriersten. Der französische Schriftsteller Édouard Louis hat in einer Rezension das vorliegende Werk als die wichtigste soziologische Arbeit seit Bourdieus "Die feinen Unterschiede" bezeichnet. Eribon setzt sich mit den historischen und sozialen Bedingungen der eigenen Familiengeschichte auseinander, er vermengt die eigene individuelle Lebensgeschichte mit einer soziologischen Reflexion. Ein solcher Umgang mit der eigenen Vergangenheit setzt einen historisch-politischen Erkenntnisprozess frei, der es gestattet, "die emotionale Aufladung zu neutralisieren, die sicher zu stark wäre, würde man sich der Realität ohne einen solchen Schirm aussetzen." Anstatt nach pyschologischen und psychischen Gründen zu suchen, warum die Beziehung zu seinem Vater von Anfang an auf Distanz, Ablehnung, ja Hass beruhte und die irgendwann zum totalen Kontaktbruch führte (zur Beerdigung seines Vaters ging Eribon erst gar nicht hin) sieht Eribon den Schlüssel zum Verständnis für das was sein Vater war, "was ich ihm vorzuwerfen und wofür ich ihn gehasst hatte" in dem sozialen Millieu, in der "Gewalt der sozialen Welt", die seinen Vater geformt hat: "Der Schlüssel zu seinem Sein: wo und wann er geboren wurde. Ein Segment des sozialen Raums und der historischen Zeit entschied darüber, welchen Platz er in der Welt einnehmen, wie er die Welt entdecken und welchen Weltbezug er aufbauen konnte." Nach langer Abwesenheit kehrt Eribon nach dem Tod seines Vater, der seine letzten Tage in Demenz verbracht hatte, nach Reims zurück und sitzt nach der Beerdigung seines Vaters mit seiner Mutter im Wohnzimmer und schaut sich alte Familienfotografien an und jetzt kommt die beeindruckendste Passage, sowohl unter literarischem als auch soziologischem Gesichtspunkt: Eribon sieht sich auf den Familienfotos wieder als kleinen Jungen, als Jugendlichen neben seinen Brüdern, zu denen er ebenfalls nach seinem Umzug (für Eribon eher eine Emigration und Flucht) nach Paris keinen Kontakt pflegte: "Ich hatte plötzlich wieder – aber war es nicht die ganze Zeit in meinen Kopf und in meinen Leib eingeschrieben gewesen? – dieses Arbeitermilieu vor Augen, dieses Arbeiterelend, das aus den Physiognomien der Häuser im Hintergrund spricht, aus den Inneneinrichtungen, aus den Klamotten, aus den Körpern selbst. Es ist immer wieder bestürzend, wie unmittelbar fotografierte Körper aus der Vergangenheit, viel mehr noch als bewegte oder leibhaftig vor uns stehende, einen sozialen Körper darstellen, den Körper einer Klasse. Und wie sehr die fotografische Erinnerung jeden Einzelnen, indem sie ihn (in diesem Fall mich) an seine Klassenherkunft erinnert, in seiner sozialen Vergangenheit verankert. Das Private und Intime, wie es aus diesen alten Bildern spricht, schreibt uns wieder in unsere ursprüngliche gesellschaftliche Kategorie ein, in Orte der Klassenzugehörigkeit, in eine Topografie, die unsere scheinbar persönlichsten Erfahrungen und Beziehungen innerhalb einer kollektiven Geschichte und Geografie verortet, ganz so, als hinge jede individuelle Genealogie von einer sozialen Archäologie oder Topologie ab, die ein jeder als eine seiner tiefsten Wahrheiten, vielleicht als die bewussteste überhaupt, in sich trägt."

    Hatte sich Eribon bisher in seinen Schriften in Anlehnung an Bourdieus Habitus-Begriff in erster Linie und vorgergründigen Weise mit dem sexuellen Habitus und der sexuellen Subjektivierung befasst, und dabei den sozialen Habitus und die soziale Subjektivierung eher vernachlässigt, so führt ihn die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse, der Arbeiterklasse, sich die Frage zu stellen ob nicht nur wegen seiner Homosexualität und der "eingefleischten Homophobie" seines Vaters und des Milieus, in dem Eribon aufgewachsen ist, der totale, geistige und räumliche Bruch mit der Familie erfolgte, sondern ob nicht auch die soziale Scham eine Rolle mitspielte, weshalb er mit seinem Milieu als sozialer Klasse gebrochen hatte. Diese zenrale Frage verfolgt Eribon in seiner soziologischen Autobiographie, wie ich sie nennen möchte, auf bemerkenswerte und intellektuell anspruchsvolle Weise. Eribon schildert sein Leben als Kind einer armen Arbeiterfamilie, er geht kurzweilig den Spuren seiner Eltern und Großeltern nach, deren Lebens-, Arbeits- und Bildungswege für ihn exemplarisch für eine ganze…

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  2. 7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Ein aufschlußreiche soziologische Betrachtung Frankreichs vor autobiografischem Hintergrund, 20. Juli 2016
    Von 
    Eva Kroecher – Alle meine Rezensionen ansehen
    (REAL NAME)
      

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Rückkehr nach Reims (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
    Vor dem persönlichen Hintergrund gibt das Buch einen wichtigen Einblick in das stockkonservative bis reaktionäre „France profonde“ (Die Welt vom 3. Juni 2013: „Das spießige Gesicht der Franzosen“ (…)), das provinzielle Frankreich, das einen drastischen Gegensatz zum vom intellektuellen Großbürgertum geprägten Zentrum Paris bildet. Dabei ist dieses Großbürgertum im Grunde nicht weniger konservativ, nur von mehr laissez faire geprägt als die engstirnige Provinz. Daraus erklärt sich auch die zwar vernarbte, aber durchaus spürbare Zerrissenheit des Autors, die er in einen gesellschaftlichen und politischen Bezug setzt. Er geht dabei auf den Satz Sartres „Es kommt nicht darauf an, was man aus uns gemach t hat, sondern darauf, was wir aus dem machen, was man aus uns gemacht hat.“ ein, zitiert ihn zum Abschluß seines Buches und macht ihn sich explizit zueigen. Er hat es geschafft, diesen persönlichen Riß zu schließen, aber das Gefühl des „Einmal Paria, immer Paria“ (Die Welt vom 18. Juni 2016: „Nichts ist so schwierig wie einfache Verhältnisse“ (…)) ist nicht vergessen. Die „Rückkehr nach Reims“ läßt Eribon vielmehr zu der Erkenntnis kommen, daß er dort wieder der Paria wäre, wohnte er dort dauerhaft. Er wäre als der schwule Intellektuelle aus dem Pariser Bürgertum, der er jetzt ist, nur eben Paria von der anderen Seite.
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  3. 5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Eine feinsinnige wie tiefenscharfe Autobiografie Eribons – seines Scheiterns und Werdens, 5. September 2016
    Von 
    sociologist – Alle meine Rezensionen ansehen

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Rückkehr nach Reims (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
    Aus Anlass der Verleihung des Brudner-Prize an der Yale University im Jahre 2008 reflektiert Eribon, wie er wurde, was er ist, wie er seine soziale und sexuelle Identität gefunden hat. Er wollte, schreibt er, „darüber nachdenken, wie man anhand der theoretischen und politischen Kategorien, die einem in der Gesellschaft zur Verfügung stehen, die eigene Vergangenheit konstituiert.“ Das Ergebnis sind feinsinnige Beschreibungen und tiefenscharfe Analysen seiner Arbeiterherkunft, seines Studiums, seiner homosexuellen Selbstentdeckung, seines Scheiterns an der Promotion, seines Bruchs mit der Familie, seines Werdegangs als viel beachteter Journalist, Kritiker und Intellektueller und schlussendlich dann doch die lange erhoffte Ankunft im universitären Feld als Soziologieprofessor. Ungläubig fragt seine Mutter am Ende des Buchs, ob das etwas mit Gesellschaft zu tun habe. Ja, aber auch sehr viel mit Sinn und Finesse für Literatur, muss man nach der Lektüre konstatieren!
    Und parallel zur autobiografischen Reflexion schenkt uns Eribon – mit theoretischen und begrifflichen Anleihen bei Bourdieu, Foucault und Sartre – eine historische wie auch zeitdiagnostische Analyse der rigiden Strukturen der französischen Klassengesellschaft, der Subkultur der schwulen Welt gegenüber den normativen Idealen der (groß-)bürgerlichen Welt und der politischen Veränderungen bis hin zum unaufhaltsamen Aufstieg des Front National.
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