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  1. Colin Wood
    ·
    42 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Sehr gut zu lesen, aber nur bedingt übertragbar, 22. Mai 2007
    Von 
    Colin Wood – Alle meine Rezensionen ansehen
    (VINE®-PRODUKTTESTER)
      

    Rezension bezieht sich auf: Reifeprüfung: Die Frau von 50 Jahren (Gebundene Ausgabe)
    Petra Gerster nimmt ihren fünfzigsten Geburtstag zum Anlass, über ihr Leben im Besonderen und Frauenleben im Allgemeinen zu reflektieren.

    Der fünfzigste Geburtstag stellt im Leben vieler Frauen eine Zäsur dar, es gibt ein Davor und Danach. Mehr als die Hälfte des Lebens ist gelebt, frau muss sich also damit auseinandersetzen, dass es nun mit ihr nur noch bergab gehen kann. Berufliche Erfolge, die bis hierher nicht verbucht werden konnten, werden sich nun nicht mehr einstellen. Die Kinderfrage ist entschieden und nicht mehr revidierbar. Das Klimakterium beendet die Attraktivität der Frau für den Mann. Wenn sie jetzt allein ist, wird sie es mit großer Wahrscheinlichkeit bleiben. Sie wird unsichtbar. Facelifting kann zum dominanten Thema werden.

    Petra Gerster gliedert ihr Buch in zwei Teile. Der erste Teil ist autobiografisch, beginnend mit den Lebensgestaltungen ihrer Mutter und Großmutter, die beide in Kriegszeiten jung waren und eine Familie zu versorgen hatten, die Flucht und Stunde Null erlebten, Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder. In diese Generation gehört Petra Gerster. Sie beschreibt ihre Kindheit und Jugend und was damals wichtig war (Barbie-Puppen, aber die echten, Sammelbilder mit Szenen aus den Winnetou-Filmen, beginnender Schlankheitswahn…..). Das ist, wie der ganze erste Teil, flott geschrieben und entlockt beim Lesen so manches ach ja! Ebenso die Beschreibung ihrer Studentenzeit mit WG-Leben, Feminismus (der viel erreicht hat, aber manchmal auch zum Selbstzweck wurde) und der Politisierung der Jugend, wie es sie seither nicht wieder gegeben hat, lesen sich unterhaltsam und spannend, wie auch die Kapitel über Partnerfindung (diese Story würde auch ein gutes Drehbuch abgeben), Zeiten der schweren Krankheit und Familiengründung.

    Der zweite Teil des Buches befasst sich mehr mit der Wirkung, den der fünfzigste Geburtstag hat. Hier führt sie sehr viele Fallbeispiele von Freundinnen und Kolleginnen an, teilweise höchst unterschiedlich in ihrer Art. Gemeinsam haben allerdings alle, dass es sich ausschließlich um Akademikerinnen, vielfach Fernsehleute, handelt. Das mag damit zusammenhängen, dass Frau Gerster von anderen Menschen nicht oder kaum umgeben ist. Es führt aber auch zu einer gewissen Einengung der Sichtweise, da sich viele Fragen anders sozialisierten Frauen gar nicht stellen und auch nicht so sehr als Problem gewertet würden. So nimmt z. B. das Kapitel über Facelifting (Ein Kampf bis aufs Messer) sehr viel Raum ein, das Für und Wider wird abgewogen, Ärzte und Freundinnen befragt, und es kommen ganz unterschiedliche Meinungen und Motive zutage. Dieses Kapitel ist mir zu lang, weil sich das Thema für den weitaus größeren Teil der Bevölkerung schon aus finanziellen Erwägungen eben nicht stellt. Die haben andere Sorgen.

    In diesem Zusammenhang geht die Autorin detailliert auf die Frage (und Sorge) ein, wann frau für das Fernsehen zu alt ist und sinniert über Zielgruppen und Demoskopie nach und wirft die Frage auf, ob ältere Zuschauer wohl immer so glücklich sind, wenn sie fast nur (ganz) junge Gesichter zu sehen bekommen. An dieser Stelle hätte ich mir eine Erweiterung des Themas gewünscht, denn Alter ist durchaus nicht nur im Fernsehen ein Aspekt, der zur Sorge Anlass gibt. Viele Menschen verlieren heute unverschuldet ihren Arbeitsplatz und finden keinen neuen mehr, weil sie zu alt sind, aber noch Jahre vom Rentenbezugsalter entfernt. Dieser Jugendlichkeitswahn gilt ganz allgemein und ist nicht auf Fernsehleute beschränkt.

    Vom Ansatz zwar interessant ist das Kapitel über Alter in der Literatur und der Hinweis, dass sich damit fast ausschließlich Männer befassen, und hier ein paar Namen und Titel zu erfahren, finde ich sehr gut, aber der Umfang, in dem ganze Passagen aus einzelnen Werken zitiert werden, ist mir zu ausführlich und hat mich in diesem Zusammenhang gelangweilt. Das Thema würde aber durchaus genug Stoff für ein eigenständiges Buch hergeben.

    Bleibt die Frage nach der Zielgruppe für dieses Buch. Im Vorwort sagt Petra Gerster selbst, es sei für Frauen zwischen 40 und 60 und jene, die mit einer solchen leben, geschrieben. Hier wäre zu ergänzen, dass ein gewisses Bildungsniveau vorausgesetzt wird.

    Stilistisch betrachtet ist das Buch sehr lesenswert. Ich würde wieder etwas von Petra Gerster lesen. Wegen der angeführten Kritikpunkte im zweiten Teil bekommt es allerdings von mir nur vier Sterne statt fünf.

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  2. Alter Ego
    ·
    11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Reifeprüfung, 7. Oktober 2007
    Von 
    Alter Ego (Neudorf) – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Reifeprüfung: Die Frau von 50 Jahren (Gebundene Ausgabe)
    Mir hat das Buch gut gefallen, obwohl es sich nicht so recht entscheiden kann, ob es sehr persönlich – autobiographisch- oder sachlich-dokumentarisch sein will. Also ist es von beidem etwas, dabei gut zu lesen. Oft erkennt man sich und seine eigene Kindheit/Jugend wieder, findet Dinge, die man selber schon vergessen hatte, erwähnt. Einiges über den familiären und persönlichen Hintergrund der Autorin zu erfahren, ist ebenfalls lesenswert. Gerade aber in Anbetracht ihres Lebens, der schweren Krankheit, durtch die sie gehen mußte, verstehe ich nicht, warum das Buch dennoch so kopflastig sich überwiegend mit den Äußerlichkeiten des Älterwerdens beschäftigt. Ja, Lifting, Schönheitsoperationen, Erfolg im Beruf usw. sind auch meiner Meinung nach zu viele Zeilen gewidmet. Wo bleibt das eigentlich Wichtige? Wie kann man es ethisch vertreten, über Schönheitsoperationen nachzudenken, wenn andere vor ihrer Krebsoperation stehen? Ich will nicht bestreiten, dass insbesondere in Petra Gersters Kreisen viele Frauen über Aussehen eher nachdenken als in meinen. Aber ist das nicht auch ein gerne aufgenommenes Klischee, dass Männer in einem gewissen Alter nur noch jüngere Frauen attraktiv finden und man beim Fernsehen keine Chance hat, wenn man nicht jung und schön ist? Es gibt dafür auch viele Gegenbeispiele. Allein der angeführte Freund Walter der Autorin kann mich nicht überzeugen, dass Männer allgemein so denken. Eher hat dieser Herr ein ernstes lebenslanges Bindungsproblem. Ich denke, das ständige Argument der Fernsehfrauen, sie seien aufgrund ihres Alters auf der Abschußliste, ist auch eine bequeme Ausrede dafür, dass es eben ab und zu frische Gesichter braucht und man vielleicht nicht mehr so gut rüber kommt. Wie auch übrigens Männer machmal, so der ebenfalls von Gerster zitierte Thomas Gottschalk, der des "Wetten, dass" erkennbar müde geworden ist. Wäre er eine Frau, würde er jetzt bestimmt in die Welt setzen, dass man ihn wegen seines Alters abzusägen versuche …. Es fehlt in dem Buch ,etwas mehr Gewicht zu legen auf die Werte, die mehr zählen als Äußerlichkeiten. Diese werden zwar immer wieder erwähnt und angerissen, aber eben nicht mehr. Insofern hätte ich etwas mehr "Größe" von der Autorin erwartet. Vielleicht war sie aber auch nur gnadenlos ehrlich?
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  3. Hibben1984
    ·
    24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    reizvoller Aufriss, 8. März 2007
    Von 
    Hibben1984 – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Reifeprüfung: Die Frau von 50 Jahren (Gebundene Ausgabe)
    Eigentlich ist das Buch von Petra Gerster für mich schon aus Altersgründen uninteressant. Aber da ich sie als Nachrichtensprecherin gut finde, habe ich es doch gelesen. Es liefert eine reizvolle Perspektive auf die "Frau von 50 Jahren". Manchmal lamentiert sie mir aber doch zu sehr und scheint zu vergessen, dass ihre Probleme oftmals nur Wohlstandsprobleme sind, wodurch sie ein wenig dekadent wirkt. Meine Mutter und manche ihrer Freundinnen können ihr deshalb auch nur bedingt folgen.
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