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  1. Dr. Meinhard Stalder
    ·
    75 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    die Kultur-Klima Wechselwirkung, 8. Februar 2008
    Von 
    Dr. Meinhard Stalder (Unterhaching) – Alle meine Rezensionen ansehen
    (REAL NAME)
      

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Kulturgeschichte des Klimas: Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung (Gebundene Ausgabe)
    Wolfgang Behringer ist Historiker und führt den Leser auf eine Reise durch die Geschichte der Menschheit, von den eiszeitlichen Jägern über die Antike, das Mittelalter bis hin zur Gegenwart. Das Besondere: immer unter dem Aspekt des Klimas.

    Bücher zum Thema Klima stützen sich in der Regel vorwiegend auf naturwissenschaftlich gewonnene Daten, wie z.B:
    – Sedimente
    – Eisbohrkerne
    – Dendrochronologie

    Dahingegen nutzen Geschichtsbücher als Quellen meist nur menschliches Schrifttum, welches im Falle des Klimas erst seit dem Mittelalter in brauchbarem Umfang zur Verfügung steht.
    Behringer kombiniert beide Sorten von "Archiven".

    Im Laufe der Betrachtungen stellt sich immer wieder heraus: Das Klima ist eine einzige Katastrophe! Ob es wärmer, kälter, trockener oder feuchter wird, immer stehen perfekt angepasste menschliche Gesellschaften vor grossen Herausforderungen. Das Austrocknen der Sahara zur Zeit des sehr warmen Atlantikums zum Beispiel führt mit der Konzentration der Menschen im Niltal erst zum Aufstieg Ägyptens, bevor eine weitere Dürre dem alten Reich den Garaus macht. Dann wird es wieder feuchter, so dass Nordafrika zur Kornkammer des römischen Reiches werden kann. Als diese dann trocken fällt, beschleunigt das den Untergang des weströmischen Reiches. Das Wärmemaximum des Hochmittelalters korreliert dann mit der Entstehung der ersten Hochkulturen in Mittel- und Nordeuropa. Mit Beginn der "kleinen Eiszeit" im 14.Jhdt kommt es zu vermehrt zu Missernten, bei denen die Sekundäreffekte (religiöse Verfolgungen, Krieg und Pest) weit gravierender sind als die eigentliche Klimaverschlechterung. Erst als religiöse Schuldzuweisungen von aufgeklärtem Denken abgelöst werden, geht es -trotz anhaltend schlechten Klimas- wieder aufwärts.

    FAZIT: Nie hat es ein echt stabiles Klima gegeben, so dass es gerechtfertigt erscheint, den zum Unwort gewordenen Begriff "Klimawandel" fast inflationär benutzen zu dürfen.

    Im letzten Kapitel geht es dann um das Modethema "anthropogener Klimawandel". Hier liegt m.E. eine kleine Schwachstelle, da manchmal nicht ganz klar wird, ob der Autor die wohlbekannten gängigen Klima-Apokalypsen eher unter der Kategorie "religiöse Schuldzuweisung" oder als Beispiel für "aufgeklärtes Handeln zum Wohle der Menschheit" ansieht.

    Überhaupt erhebt das Buch keinen Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit. So stimmt z.B. weder der physikalische Zusammenhang der Strahlungsbilanz der Erde (S.29), noch der volkswirtschaftliche Zusammenhand zwischen Getreidepreisen und Nachfrage (S.149).
    Im ersten Fall reicht der Energieerhaltungssatz bei weitem nicht zur Lösung der Gleichungen, sondern es muss -mit vielen Annahmen!- modelliert werden (daraus resultiert ja die Kontroverse). Im zweiten Fall (Brotpreis in Silber) ist nicht von Belang, ob die Bevölkerung schneller wächst als die Getreideproduktion, sondern, ob die Silbermenge schneller wächst als die Getreideproduktion. (Und das tat sie seit ca. 1500, als die Kulturen Südamerikas von den Spaniern geplündert wurden).

    Aber darum geht es im Buch auch gar nicht. Es geht um die Kultur als Instrument zur Anpassungsfähigkeit an unsere Umwelt. Klimawandel anthropogen oder nicht: entscheidend ist, was wir daraus machen!

    Das Buch ist gut recherchiert, nett aufgemacht und beleuchtet das Thema von vielen Seiten. Es ist jeden seiner ca. 20 Euro wert!

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  2. M. Wolf
    ·
    57 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Nie war das Reden über das Wetter spannender, 15. Februar 2008
    Von 
    M. Wolf (Stechlin) – Alle meine Rezensionen ansehen
    (REAL NAME)
      

    Rezension bezieht sich auf: Kulturgeschichte des Klimas: Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung (Gebundene Ausgabe)
    Empfohlen wurde mir das Buch unter der Prämisse, dass ‚endlich mal jemand die Lüge vom Menschen gemachten Klimawandel widerlegt‘.
    Aber das ist nicht das Thema des Buches.
    Der Saarbrücker Historiker Behringer weist spannend wie ein Krimi nach, dass es das ’natürliche Gleichgewicht‘ der Erde nie gab, dass es immer Klimaschwankungen gegeben hat und dass auf globale Katastrophen wie das Aussterben der Saurier eine neue Blüte des Lebens folgte.

    Eine Hommage an das Leben!

    Auch die Kulturgeschichte wird unter klimatischen Gesichtspunkten betrachtet. Große Reiche entstehen und gehen unter in Zeiten des Klimawechsels.
    Dass die heutige Klimaerwärmung menschengemacht sein könnte, streitet B. nicht ab.
    Dass verantwortlicher Umgang mit Ressourcen geübt werden muss, streitet er nicht ab.
    Dass der Klimawandel eine Katastrophe sei, das streitet er ab.

    Köstlich sind seine Vergleiche mit den Panikmachereien der 60-ger Jahre, als man noch von einer globalen Eiszeit ausging. Man wollte doch tatsächlich die arktischen Gebiete mit schwarzen Folien abdecken und mehr CO² in die Luft blasen, um die Kälte zu stoppen.
    30 Jahre später werden ähnlich absurde Maßnahmen vorgeschlagen ‚ nur in umgekehrter Richtung!

    Was habe ich gelernt?
    U.a. dass die jüngste Eiszeit eigentlich ganz gemütlich war, kalt aber mit stabilen Hochdrucklagen, wenig Stürmen und selten extremen Temperaturen.
    Dass jede Warmzeit (in der Antike und im hohen Mittelalter) zur kulturellen Blüte führte, auch wenn manche Gebiete (die Sahara) unbewohnbar wurden.
    Dass die kleine Eiszeit in der Neuzeit schreckliche Folgen hatte (Hungersnöte, Pest und Krieg, siehe Lieder von Paul Gerhard), aber die Menschen auch zu großartigen Innovationen bewegt hat.
    Dass alle jammern, wie viele Arten der Klimawandel koste (die schönen Eisbären, die aber auch keiner im Garten will!), aber niemand von einer neuen Artenvielfalt redet, die dorthin zurückkehrt, wo sie vor 1000 Jahren schon mal war.
    Grönland war ein grünes Land und in Dänemark hat man guten Wein produziert.
    Der Klimawandel ist eine Frage des Blickwinkels, Artenschutz ist nicht selten purer Konservativismus: Alles soll bleiben wie es ist.
    War es aber nie.
    B. bleibt immer wissenschaftlich misstrauisch seinen eigenen Analysen gegenüber, getreu dem Motto: Meine Aussagen gelten nur, bis das Gegenteil erwiesen wurde, und daran arbeite ich hart.

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  3. Dr. Johann Hartl
    ·
    4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Hochinteressant, sehr kenntnisreich und objektiv geschrieben, 20. Januar 2014
    Von 
    Dr. Johann Hartl – Alle meine Rezensionen ansehen
    (REAL NAME)
      

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Kulturgeschichte des Klimas: Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung (Taschenbuch)
    Das Buch nimmt explizit keine Stellung in der Kontroverse zwischen "Klimaschwindlern" und "Klimaleugnern". Es berichtet über den Klimawandel im Lauf der Jahrmillionen und der Jahrtausende anhand naturwissenschaftlicher Untersuchungen. Der Klimawandel in historischen Zeiten über verschiedene Klimaoptima (in der Regel Warmzeiten) und Klimapessima (in der Regel Kaltzeiten) wird auch anhand der Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Kultur und die politische Geschichte beleuchtet. Interessant sind die wechselnden Voraussagen im 20. Jahrhundert, die von einer bevorstehenden Warmzeit über eine bevorstehende Eiszeit wieder zu einer bevorstehenden Warmzeit schwenkten. Obwohl ich schon einiges über Klimawandel gelesen hatte, habe ich bei der Lektüre dieses Buches viel Neues erfahren.
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