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  1. Johannes
    ·
    42 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Rilke und die Künstlergesellschaft – ein Einblick, 24. Februar 2015
    Von 
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    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Konzert ohne Dichter: Roman (Kindle Edition)
    Wer Literatur über Literatur und Kunst schätzt, wer Rilke schätzt, wen auch Worpswede und seine Dichterkolonie interessiert, der wird mit diesem Buch ein großes Vergnügen haben.
    Im großen Rahmen um die Entstehung des Bildes "Das Konzert" wird die Künstlergesellschaft lustvoll präsentiert, werden Künstler"freundschaften" beleuchtet und nicht zuletzt gibt es noch einen Einblick in die frauenfeindliche Einstellung der Männergesellschaft Künstlerinnen gegenüber – die bis Ingeborg Bachmann unselige Dauerhaftigkeit beweist. Und wie der, es sei betont, von mir sehr geschätzte Rilke hier doch bedenkiche literarische und charakterliche Züge zeigt – ein Lesegenuss.
    Klaus Modicks Sprache passt wunderbar zum Thema, bisweilen fast "rilkehaft". Sehr schön zu lesen, interessant – ich habe das Buch genossen.
    Daher klare Leseempfehlung und 5 Sterne.
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  2. Jutta Ortlepp
    ·
    43 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Worpswede Sommer 2015, 13. Februar 2015
    Von 
    Jutta Ortlepp – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Konzert ohne Dichter: Roman (Gebundene Ausgabe)
    Es wird voll werden in Worpswede im Sommer 2015. Warum? Klaus Modick hat einen großen Roman über die Künstlerkolonie geschrieben. Inspiration hierzu lieferte das Heinrich Vogeler Bild "Das Konzert " und das hängt eben im HeinrichVogelerHaus in Worpswede und jeder Leser, jede Leserin will es nun sehen.
    Wie haben Sie dort gelebt, Modicks Protagonisten?

    Der Autor schildert in stilistisch äußerst gelungenen Rückblenden die Geschichte der Künstlerkolonie aus der Sicht des Malers Heinrich Vogeler. Wir erleben mit ihm den jungen Dichter Rilke – knauserig, wehleidig, egomanisch, manieriert. Er hat gerade seinen Gedichtband “Mir zur Feier” veröffentlicht und – so schreibt Modick – stellte sich selbst “hemmungslos unter Genieverdacht”. – So ein bißchen affektiert waren wohl alle, man gab den Künstler und kostümierte sich geradezu entsprechend.

    Rilke hatte Vogeler zunächst sehr bewundert, ihn aber später nur noch als "Dekorateur" bezeichnet, der Maler entfernte ihn nach weiterer Entfremdung einfach aus dem Bild – nun also ein Konzert ohne Dichter. Die Bildhauerin und Rilke-Ehefrau Clara, Martha Vogeler und das Künstlerpaar Modersohn-Becker erscheinen im Bild und Roman um so deutlicher. Wir erleben Anfang und Ende der Ehen dieser “Gesamt-Familie” und natürlich die Idee und Gründung der Künstlerkolonie selbst. Und was war das für ein Paradies! Man lebte zusammen, man arbeitete zusammen, man war frei von verstaubten Konventionen, die Frauen trugen Reformkleider ganz ohne Mieder und posierten als Maler-Modelle. Doch waren sie nicht selbst Künstlerinnen? Ja doch schon, allerdings wurden die “Malweiber” zur Zeit um 1900 eher belächelt als gefeiert, eher geduldet als anerkannt. “Die Dichter hatten das Sagen, die Maler das Zeigen, und den Frauen blieb das Sein. Insbesondere das Da-Sein, das ständige Bereit-Sein für die Dichter und die Maler”.

    Am Ende jedoch wird auch für Heinrich Vogeler das idyllische Worpswede zum goldenen Käfig, es fehlt an Inspiration, es fehlt an Neuem. Weit, weit will er fliehen, "nur weg von hier, das ist mein Ziel".
    Für mich jedoch ist dieser Roman noch lange nicht zuende, denn er regt an, sich mit dem Werk der Worpsweder zu beschäftigen: Bilder ansehen, Gedichte lesen, recherchieren.

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  3. Sursulapitschi
    ·
    23 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Blick in eine Künstlerseele, 20. Februar 2015
    Von 
    Sursulapitschi – Alle meine Rezensionen ansehen
    (TOP 500 REZENSENT)
      

    Rezension bezieht sich auf: Konzert ohne Dichter: Roman (Kindle Edition)
    Heinrich Vogeler ist ein Maler, begehrt, berühmt, gut im Geschäft und verzweifelt.
    „Es ist acht Jahre her, dass Vogeler Hauptmanns Stück illustriert hat…Damals war Vogeler begeistert, aber die wie durch einen Plüschvorhang gesehene Natur, die mehr künstliche als kunstvolle Poesie und die verworrene Mystik sind ihm inzwischen fremd geworden, sehr fremd, versunken wie die Glocke.“

    Für sein monumentales Bild „Das Konzert“ soll ihm 1905 in Oldenburg die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen werden, ein Bild, das als die Krone seines Schaffens gilt und hinter dem er schon längst nicht mehr steht. Die Veranstaltung wird für ihn zur Farce.

    Auf dem Weg nach Oldenburg denkt er über sein Leben nach.
    Man erfährt in Rückblenden, wie die Worpsweder Künstlerkolonie entstanden ist, lernt viele Künstler näher kennen. Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Paula Becker sind nur einige davon. Viel Raum nimmt Rainer Maria Rilke ein, der anfangs René hieß und Voglers Seelenverwandter war, bis ihm der Ruhm zu Kopf stieg und er anfing, selbstverliebt sein Poetentum zu zelebrieren, wobei in seiner Gedankenwelt kein Platz für Zwischenmenschliches mehr war.
    Vielleicht war er auch schon immer so, nur Vogeler hat sich verändert und sieht diese Freundschaft jetzt anders?
    Vogeler hadert sehr mit dieser Erkenntnis…und hat Rilke aus seinem Bild entfernt. „Das Konzert“ müsste jetzt eigentlich „Konzert ohne Dichter“ heißen. Trotzdem ist er nicht zufrieden mit seinem Werk, das eigentlich für seine vergangene Schaffensperiode steht.
    Aber ist es überhaupt möglich, als etablierter Künstler seinen Stil zu ändern? Kann man das Wagnis eingehen, Gönner, Kunden und Sponsoren zu verprellen, wenn man in der glücklichen Lage ist, von Kunst zu leben? Kann man Künstler und gleichzeitig bodenständig sein?

    In wunderschöner Sprache lässt uns Klaus Modick an Vogelers innerem Zwist teilhaben, lässt uns tief in die Seele eines Ausnahmekünstlers gucken und malt dabei ein Sittengemälde des Jugendstils an der Schwelle zum Impressionismus.
    Vielleicht liegt der Focus ein wenig oft auf Rilke, aber trotzdem ist dieses Buch eindrucksvoll und lesenswert.

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