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  1. Edwin Baumgartner
    ·
    23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    3.0 von 5 Sternen
    Routinierte Spannung, 2. November 2016
    Von 
    Edwin Baumgartner (wien) – Alle meine Rezensionen ansehen
    (REAL NAME)
      

    Rezension bezieht sich auf: Konklave: Roman (Gebundene Ausgabe)
    Robert Harris ist ein begnadeter Spannungsschreiber. Ob überlebendes Nazi-Reich, ob Pompeji, ob Caesar und Cicero – er weiß, wie er den Leser bei der Stange hält auch mit Themen, die diesen vielleicht von vorneherein gar nicht so besonders interessieren.
    "Konklave" ist Harris‘ jüngster auf Deutsch erschienener Streich. Die Spannungsmaschinerie funktioniert glänzend. Aber der Leser merkt auch die Routine. In "Konklave" geht es um nichts Anderes als eben die Papstwahl. Harris versteht es, einzelne Porträts zu zeichnen und den Leser für die Interaktionen seiner Figuren zu interessieren. Doch er verengt den Blick auch auf die Wahlvorgänge. Spannende Fragen bleiben unbeantwortet: Der verstorbene Papst zweifelte an der Institution Kirche – weshalb? War er tatsächlich paranoid?
    Die Macht- und Intrigenspiele sind dann erstaunlich harmlos. Mag sein, dass Harris genau das zeigen will: Welche Lappalien in dieser Institution plötzlich Gewicht bekommen können. Das ändert aber nichts daran, dass Lappalien dennoch Lappalien bleiben. Hat der Autor selbst gespürt, wie dünn seine Suppe diesmal ist, und deshalb schnell zwei Knalleffekte angehängt? Die freilich auch genau das bleiben: Knalleffekte nämlich, bei denen einem erst bewusst wird, wie sehr dieses Buch spätestens im letzten Drittel schwächelt.
    Dennoch: Man kann ein Wochenende gut durchschmökern mit diesem Buch.
    Katholiken können den Roman übrigens herzinfarktfrei lesen, Harris stichelt bisweilen, aber der Versuch einer Demontage unterbleibt. Fast scheint es, als sei dieses Buch sogar mit einer leisen Bewunderung für den Katholizismus geschrieben.
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  2. S. R.
    ·
    8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    kein Cicero, aber trotzdem unterhaltsam, 23. November 2016
    Von 
    S. R. – Alle meine Rezensionen ansehen
    (VINE®-PRODUKTTESTER)
      

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Konklave: Roman (Gebundene Ausgabe)
    Der britische Journalist, Sachbuchautor und Schriftsteller Robert Harris zählt für mich seit seiner Cicero-Trilogie (Imperium, Titan, Dictator) zu den Autoren, von den ich grundsätzlich alles verschlinge. Zuletzt hatte mich das Werk "Intrige" absolut begeistert, wo es um die sogenannte Dreyfus-Affäre ging. Spannende Auslegungen tatsächlicher Geschehnisse vor authentisch historischer Kulisse. Das ist die Stärke von Robert Harris.

    Leider überzeugen seine fiktiven Geschichten mit historischen Charakteren nicht immer. Man denke etwa an das erzählschwache Buch "Aurora" oder die dümmliche Geschichte "Enigma". Und so war ich bei "Konklave" etwas besorgt. Steht doch ein ausgedacht hoher Würdenträger der Kirche im Mittelpunkt der Geschichte. "Jacopo Lomeli aus der Diözese Genua war bis in die höchsten Ränge der römisch-katholischen Kirche aufgestiegen aufgrund genau der Eigenschaften, die er an jenem Tag offenbarte: Gleichmut, Feierlichkeit,Zurückhaltung, Würde, Zuverlässigkeit." (S.116)

    Und die eigentliche Geschichte über die Wahl eines neuen Papstes ist auch für Nicht-Gläubige mit eingeschränkten Kenntnissen der römisch-katholischen Kirche spannend und interessant. Ein einnehmend nachvollziehbares Konstrukt menschlicher Höhen und Tiefen. Intrigen, Ränkespiele, ein Festival der Eitelkeiten. Sämtliche Vorurteile gegen die alt-ehrwürdige Institution stringent verwebt. Man fühlt sich an "Menschliches, Allzumenschliches" erinnert. Und genau das macht "Konklave" zu einer guten Unterhaltung.

    Zugleich ist das Buch durchaus politisch. "Lomeli versuchte die Protestgesänge zu verstehen. Es war unmöglich. Unterstützer der Schwulenehe oder Gegner von eingetragenen Partnerschaften, Scheidungsbefürworter oder Familien für die Unauflöslichkeit der Ehe, Frauen, die die Priesterweihe für Frauen forderten, oder Frauen, die das Recht auf Abtreibung und Verhütung forderten, Muslime oder Islamgegner, Eiwanderer oder Einwanderungsgegner … Alles vermischte sich zu einer einzigen ununterscheidbaren Kakophonie des Zorns. [..] Wir sind eine Arche, dachte er, eine Arche inmitten einer ansteigenden Flut aus Zwietracht" (S.51) Ein schonungsloser Blick auf die Entwicklungen unserer Gesellschaft. Es sind diese Einstreuungen, welche "Konklave" zu einem echten Kind unserer Zeit machen.

    Manche Menschen mögen dem Autor durch seine Beschreibungen der Kirche und der Kurie aufhetzerische Relativierung unterstellen. Und sicher ist die vorurteilsbeladene Geschichte um einen nigerianischen Kardinal etwas platt und zu durchsichtig. Jeder Teil für sich genommen wirkt etwas trivial. Vielleicht wie bei keinem anderen Buch des Autors muss man "Konklave" daher als Einheit betrachten. Inkonsistenzen und Widersprüche lösen sich dann in einer sehr gut konzipierten Spannungskurve auf. Ein wirklich leselustiges Werk mit einem nicht neuen aber doch sehr überzeugenden Ende. Lesenswert.

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  3. j.h.
    ·
    13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    CONCLAVE – Robert Harris faszinierender Blick hinter die Kulissen einer fiktiven Papstwahl, 3. November 2016
    Von 
    j.h. (Berlin) – Alle meine Rezensionen ansehen
    (VINE®-PRODUKTTESTER)
      
    (TOP 500 REZENSENT)
      

    Rezension bezieht sich auf: Konklave: Roman (Gebundene Ausgabe)
    Rom um 2020. Der Papst ist plötzlich und unerwartet gestorben. Drei Wochen nach der feierlichen Beisetzung wird der italienische Kardinal Lomeli das Konklave leiten, das den neuen Heiligen Vater bestimmen soll. Es wird ein sehr schwieriges Konklave werden, denn der von dem verstorbenen Papst eingeschlagene Kurs einer behutsamen Liberalisierung fand nicht nur Beifall. Aus den konkurrierenden Gruppen von Traditionalisten und Modernisten, Europäern, Schwarzafrikanern oder Südamerikanern gehen Favoriten mit ungleichen Wahlchancen hervor. Als die Pforten der Sixtinischen Kapelle hinter den 117 wahlberechtigten Teilnehmern geschlossen werden, ist unerwartet der allen unbekannte Bischof von Bagdad aufgetaucht, den der Papst ein Jahr vor seinem Tod rätselhafterweise im Geheimen ("in pectore") zum Kardinal ernannt hatte. Wird der auf den Philippinen geborene Kirchenmann mit zahlreichen Einsätzen in sozialen Brennpunkt-Gebieten nach einer nahezu konspirativen Anreise aus dem Irak zum neuen Hoffnungsträger in Zeiten von Krieg und Terror? Von persönlichem Ehrgeiz getrieben, spinnen einige Kardinäle in eher unchristlicher Weise Intrigen, die dem irdischen Wahlkampf in Nichts nachstehen …

    Robert Harris (*1957) hatte bei den Recherchen zu seinem ebenso spannenden wie unbekannte Hintergründe ausleuchtenden Roman die Gelegenheit, mit einem an einem Konklave beteiligten Kardinal zu sprechen und die für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Schauplätze im Vatikan zu besuchen. "Konklave. Das lateinische Wort für ‚verschlossener Raum‘. Seit dem 13. Jahrhundert war das die Methode, wie die Kirche sicherstellte, dass ihre Kardinäle zu einer Entscheidung fanden. Außer zum Essen und zum Schlafen durften sie die Kapelle nicht verlassen – bis sie einen Papst gewählt hatten." (S. 150) Der Leser erlebt das dramatische Geschehen um die immer neuen Wahlgänge über mehrere Tage, bei denen sich durch die Wirkungen der Intrigen die Stimmverhältnisse in relevantem Maße ändern, aus der Sicht des Kardinals Jacopo Lomeli, den mit Blick auf die Ereignisse außerhalb des Vatikans eine Glaubenskrise quält. Immer wieder ist zu merken, dass die unruhige Welt hinter den Mauern des Vatikans nicht ignoriert werden kann. CONCLAVE fasziniert den Leser bis zur letzten Seite – wobei das unerwartete Ende merkwürdig konstruiert wirkt.

    Der HEYNE-Verlag veröffentlichte das im englischen Original erst im September 2016 erschienene Buch in ausgezeichneter Übersetzung von Wolfgang Müller erfreulich schnell. Für anspruchsvollere Leser sehr empfehlenswert!

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