Kommentare

3 Kommentare

  1. Karl-Heinz Heidtmann
    ·
    34 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Gut recherchierter Krimi von bedrückender Aktualität, 7. April 2007
    Von 
    Karl-Heinz Heidtmann – Alle meine Rezensionen ansehen

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Fremde Wasser: Denglers dritter Fall (Dengler ermittelt) (Taschenbuch)
    Der dritte Fall Schorlaus / Denglers erhält ungewollte Aktualität:

    Die E.ON ist gerade daran gescheitert, sich den spanischen Energiekonzern Endesa für 42 Milliarden Euro einzuverleiben.

    Die "Heuschrecken" machen sich inzwischen nicht etwa nur über börsennotierte Aktiengesellschaften her, sondern entwickeln auch zunehmendes Interesse für Institutionen der öffentlichen Daseinsvorsorge. Durch die rasante Verschuldung der Gemeinden sehen sich diese gezwungen, ihr "Tafelsilber" zu verscherbeln. Und so wird kurzerhand aus einem öffentlichen Belang ein Investment.

    Anders als die kommunale Daseinsvorsorge haben Investoren nur ein Ziel, nämlich das eingesetzte Kapital kurzfristig zu mehren. Ergebnis für den Bürger: Steigenden Kosten und abnehmende Qualität. Das war vor wenigen Jahren ausgezeichnet zu beobachten beim Kauf von "Thames Water" durch die RWE – von dem sich Schorlau für seinen Krimi hat inspirieren lassen.

    Das zugrunde liegende Erfolgsrezept: Man kauft, spart das Objekt kaputt und verkauft es dann nach einigen Jahren wieder, allerdings als Sanierungsfall, bei dem dann der Staat als Retter auftreten darf – die Kosten werden sozialisiert.

    Längst sind andere Energie- und Getränkekonzerne auf die letzte wichtige Ressource Wasser" aufgesprungen. Systematisch werden Mineralbrunnen weltweit aufgekauft und kommunale Wasserwerke – mit teilweise mafiöser Einflussnahme auf die Kommunalpolitiker – privatisiert. Eine Politikerin deckt diesen Schwindel auf – und wird aus dem Verkehr gezogen. Was zunächst als Herzinfarkt aussieht, erweist sich im Zuge der Ermittlungen als kaltblütiger berechnender Auftragsmord.

    Schorlaus dritter Dengler-Krimi ist – wie der erste – von bedrückender Aktualität und ausgesprochen gut recherchiert. Er steht damit dem derzeitigen Erfolgsautor Frank Schätzing in nichts nach. Im abschließenden Kapitel "Finden und erfinden" stellt Schorlau dem Leser seine Quellen vor, die auch von seiner Internetseite heruntergeladen werden können – ein neuer interessanter Kommunikationskanal für Autor und Leser.

    Fazit: Ein überaus bedrückender aber sehr lesenswerter Polit-Krimi mit einer Toten und viel Realitätsbezug. Nach einem schwächeren zweiten Krimi nun wieder ein Krimi mit dem Zeug zum Bestseller.

    Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 

    War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
    Nein

    Missbrauch melden
    | Kommentar als Link

    Kommentar Kommentar

  2. Liberaler
    ·
    7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    3.0 von 5 Sternen
    Kombination von Fünf-Sterne- und Ein-Sterne-Niveau, 30. November 2014
    Von 
    Liberaler (karlsruhe) – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Fremde Wasser: Denglers dritter Fall (Dengler ermittelt) (Taschenbuch)
    Das ist schade. Da hat einer mal einen wirklich brillanten und exzellent recherchierten Wirtschafts- und Politthriller in der Mache, und dann konterkariert er die Handlung mit einer billigen Räuberpistole auf Serienkriminiveau.
    Schorlaus Roman über den Herzinfarkt der Abgeordneten Schöllkopf, die einem Großindustriellen in die Quere gerät, ist im Ansatz eine brillante Wirtschaftsstudie, die nebst dem exakten CV und der Lebensgeschichte des Konzernvorstands, dem Innenleben eines Konzerns und dessen ökonomischer Entwicklung auch Daten aus dem Innersten der bundesdeutschen Wirtschaftsdemokratrie und dem politisch-industriellen Komplex in einer Klarheit enthält, wie ich sie in einem Krimininalroman noch nicht gelesen habe.
    Leider hat der Ermittler Dengler aber auch ein Privatleben, in dem die noch berufstätige rumänische Diebin Olga, welche von ihrem Angetrauten verfolgt wird, und der befreundete Maler eine Rolle spielen, der für 9 cent pro SMS sich als Kontaktperson für geile Datingportalsopfer zur Verfügung stellt. Es schmerzt wirklich, diesen Unfug zu lesen – angesichts der ansonsten brillanten und clever gestrickten wirtschaftlichen Verschwörungstheorie, die den eigentlichen Handlungsstrang des Romans bildet. Da kommen Ein-Sterne und Fünf-Sterne-Niveau in einem Roman zusammen.
    Was mich an diesem Roman auch etwas stört ist die Verquickung von ernsthafter Recherche und Verschwörungstheorie. Gerade durch die zugrundeliegende Recherche könnte man hier ernsthaft vermuten, in Deutschland herrschten bereits russische Verhältnisse und die demokratischen Institutionen seien per se total korrumpiert. Klar gibt es sicher auch hier wieder ein paar Spinner, denen das einleuchtet, aber Wasser auf deren Mühlen sollte man nicht auch noch gießen.
    Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 

    War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
    Nein

    Missbrauch melden
    | Kommentar als Link

    Kommentar Kommentar

  3. Ralf KvF
    ·
    3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Kampf um die Privatisierung der Wasserrechte, 30. Juli 2010
    Von 
    Ralf KvF (München) – Alle meine Rezensionen ansehen

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Fremde Wasser: Denglers dritter Fall (Dengler ermittelt) (Taschenbuch)
    Wolfgang Schorlau versucht mit seinem Politkrimi einen Eindruck vom Kampf hinter den Kulissen der Macht zu vermitteln, der bedrueckend realistisch erscheint.
    Bevor die Bundestagsabgeordnete Schoellkopf eine entscheidende Rede im deutschen Bundestag zum Thema Gesetzgebund im Bereich der Privatisierung der Wasserversorgung halten kann, bricht sie vor laufender Kamera zusammen und verstirbt an einem vermeintlichen Herzinfarkt. Nur ihre Grossmutter glaubt an einen heimtueckischen Mord und beauftragt den ehemaligen BKA-Zielfahnder und jetzigen Privatdetektiv Dengler mit der Aufklaerung des Falls. Dengler selbst ist nicht davon ueberzeugt, dass es sich hierbei um einen Mord handelt. Erst als er akribisch alle Teile des Puzzles zusammenfuegt wird ihm klar, dass er einem Mordkomplott auf die die Spur gekommen ist, hinter dem einflussreiche Vorstandsmitglieder des Energieversorgers VED stehen. Alles dreht sich um die weltweiten Privatisierungsbemuehungen in der Wasserversorgung und die damit zu erzielenden Gewinne.
    Schorlau ist es erneut gelungen, einen spannenden und realistischen Politkrimi zu schreiben. Er versteht es glaenzend, die aktuelle Handlung mit Sequenzen aus der Vergangenheit zu paaren, ohne das dem Leser dies zunaechst auffaellt. Damit fuehrt er seine Leser zielgerichtet auf die "Loesungsspur" des Falls. Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen bruchlos im Schlussteil des Romans zur aktuellen Handlung. Wie immer gibt es bei Schorlau kein richtiges Happy End und sein Finale ist eher abrupt. Letztendlich obliegt es dem Leser darueber zu urteilen, ob sich das Buch eher im Bereich der Fiktion oder Realitaet bewegt. Passend dazu ist Schorlaus Zitat am Anfang seines Romans: "Hoechste Guete ist wie das Wasser. Des Wassers Guete ist es, allen Wesen zu nuetzen ohne Streit." (Laotse)
    Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 

    War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
    Nein

    Missbrauch melden
    | Kommentar als Link

    Kommentar Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

doFollow