Kommentare

1 Kommentar

  1. Christoph Erlemeier
    ·
    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Gutes Buch zur Differenzialdiagnose in einem nicht ganz einfachen Fachgebiet, 27. August 2016
    Von 
    Christoph Erlemeier – Alle meine Rezensionen ansehen
    (TOP 1000 REZENSENT)
      

    Rezension bezieht sich auf: Differenzialdiagnose rheumatischer Erkrankungen (Kindle Edition)

    Angesichts der großen Patientenanzahl mit rheumatischen Erkrankungen sollten Bücher zur Diagnostik grundsätzlich auch bei jedem Allgemeinmediziner im Regal stehen. Die Anzahl der möglichen Differenzialdiagnosen ist enorm hoch und vielfältig, so dass Ärzte vielfach über Fallstricke stolpern oder Fachärzte anderer Fakultas diese falsch zugunsten von Erkrankungen ihres Fachgebiets diagnostizieren, mit der Konsequenz einer jahrelangen Odyssee für den betroffenen Patienten. Dieses Buch, welches in Kooperation mit den Schweizer Experten entstand, soll hier eine Lücke schließen. Das Buch erschien im Jahr 2009 als 4. Auflage und ist damit noch recht aktuell. In den letzten Jahren vor dem Erscheinen dieses Buchs sind zahlreiche neue Erkenntnisse zur Thematik gewonnen worden oder sind optimiert worden. Viele neue Erkenntnisse konnten aufgrund des Fortschritts bei den bildgebenden Verfahren gemacht werden.

    Die Autoren dieses Buchs folgen dem Konzept, zunächst die klinischen Grundlagen (Anamnese, Untersuchungsbefund, Labor, Bildgebung und weitere diagnostische Untersuchungen) darzulegen. Danach folgt die Darstellung und Beschreibung aller wichtigen Differenzialdiagnosen gegliedert nach Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen einschließlich Brachialgien und Ischialgien, Weichteilrheumatismus, rheumatische Manifestationen bei verschiedenen nicht rheumatischen Erkrankungen und lokalisierten Schmerzzuständen. Auch psychische Ursachen für das Schmerzempfinden werden dargestellt.

    Zum Querlesen ist das Buch aufgrund seines hohen Textanteils nicht geeignet, aber es bietet in Gestalt von Übersichten und hilfreichen Tabellen dennoch eine schnelle Orientierung. Ebenso werden wie im Buch "Interdisziplinäre klinische Rheumatologie" auch nützliche Tabellen aufgezeigt, die Sie in der preisgünstigen Literatur zum Thema nur selten oder gar nicht finden werden. Kernaussagen werden meist in einem blauen Kasten und dem Vermerk "Wichtig" hervorgehoben. Das Gleiche gilt auch für Praxistipps zur Differenzialdiagnose und für Warnungen vor manch böser Falschdiagnose.

    Bedauernswert finde ich die Tatsache, dass sie Autoren im Bereich der Labordiagnostik auf die Darstellung typischer Serumseiweißelektrophoresdiagramme verzichten. Der Mensch ist immerhin ein visuell orientiertes Lebewesen und mit diesen Darstellungen fallen meines Erachtens Ungereimtheiten schneller ins Auge. Leider werden diese Diagramme, die von den Labors versendet werden, oftmals entsorgt und werden selbst in den Labors auch nur eine begrenzte Zeit verwahrt. Allerdings gibt es in diesem Buch zumindest sehr aussagekräftige Tabellen, in denen bezüglich der ersten Diagnosen verschiedene rheumatische Erkrankungen nach ihrem Bild in der Elektrophorese, der BSG und dem C-reaktiven Protein unterschieden werden. Eine hohe Bedeutung haben die immunologischen und immungenetischen Untersuchungen. Vor allem sind es Rheumafaktoren oder die antinukleären Faktoren, die bei einem Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung zu Rate gezogen werden.

    In der Praxis sind vor allem auch Hinweise zu beachten, dass ANA oder RF negative Patienten ebenso an rheumatischen Erkrankungen, wie der R.A. oder Bechterew leiden können. Dazu ist bei verdacht auf S.A. entsprechend noch ein HLA – B27 Test durchzuführen, wobei auch ein negativer Test allein nicht aussagekräftig genug ist, um zu behaupten, dass der Patient eben nicht an dieser Erkrankung leidet. Ebenso sagt auch nicht das Vorhandensein von Anti – CCP – Antikörpern etwas darüber aus, ob jemand an einer rheumatoiden Arthritis erkrankt ist. Gesunde, die diese Antikörper aufweisen, haben allerdings ein erhöhtes Risiko an einer RA zu erkranken. Leider erscheint es mir so, dass die mir bekannte Mehrheit der Ärzte das nicht weiß.

    Manchmal ist der oberflächliche Umgang mit diesen Daten ebenso wie der inflationäre Gebrauch von Worten wie Arthrose oder Osteochondrose in Arztbriefen auch gefährlich, wenn eine zielgerichtete Prognose und therapieorientierte Diagnose gestellt werden soll. Wenn die Teste negativ ausfallen und dennoch ein Verdacht z.B. auf eine Bechterew besteht, so sind entsprechend auch die kreuzreagierenden HLA – Subgruppen zu untersuchen. Das gilt natürlich entsprechend auch für eine zielorientierte Diagnostik der anderen rheumatischen Erkrankungen. In diesem Zusammenhang fehlt es mir in diesem Buch deutlich an Übersichtlichkeit. Andererseits wartet dieses Buch aber auch wieder mit schönen Tabellen zur Frühdiagnostik nach Mau auf (Vgl. S. 230, Tabelle 7.25). Auch empirische Erkenntnisse werden zu allen Erkrankungen dargestellt.

    Im Kontext zu Tumorerkrankungen fehlen mir Hinweise auf wichtige genetische Untersuchungen (Deletionen, Translokationen), die…

    Weitere Informationen

    Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 

    War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
    Nein

    Missbrauch melden
    | Kommentar als Link

    Kommentar Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

doFollow