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  1. cl.borries
    ·
    16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Ein Kriminalroman der literarischen Spitzenklasse!, 18. Oktober 2009
    Von 
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    Rezension bezieht sich auf: Die Vereinigung jiddischer Polizisten: Kriminalroman (Taschenbuch)
    In Alaska wird die Stadt Sitka als die Hauptstadt der Juden ausgegeben. Auch so könnte man sich also die Gründung eines Judenstaates vorstellen: nach dem Holocaust und dem Zusammenbruch des Staates Israel 1948 gründen die Juden in Alaska vorübergehend einen neuen Staat. Inzwischen droht auch hier die erneute Ausweisung.
    Verrückt mutet das Szenario an und ist doch durchaus vorstellbar: überall in der Welt könnte ein Judenstaat entstehen. Und immer wieder würde das Dasein der Menschen eines Tages durch Vertreibung enden. Visionäre Ausblicke!

    Mit erheblichem Aufruhr beginnt der Roman von Michael Chabon, der in diesem fiktiven Staat spielt: in einem Hotel in der Stadt wird ein ehemaliges Schach-Wunderkind ermodert aufgefunden! Und Kriminalkommissar Meyer Landsman rätselt, wer der Mörder sein könnte!

    Meyer Landsman und sein Kollege geraten bei der Suche nach dem Mörder an den Vater des Opfers: es ist der angesehene Rabbi Heskel Shpilman, ein feister Koloss von einem Mann.
    Die Todesnachricht überrascht ihn nicht. Er hat den Sohn schon vor Jahren für tot erklärt und das Kaddisch über ihn gesprochen, weil er auf die schiefe Bahn geraten war.
    Landsman bleibt beharrlich auf seinem Kurs. Ihm scheinen die äußeren Bedingungen für den Mord rätselhaft. So habe der Sohn als kleiner Junge gewisse Anzeichen von sich gegeben, dass er der ersehnte Tzaddik ha-Dor, Gerechter seiner Generation, eine Art Messias, sein könne.

    Bei der nachfolgenden Suche nach dem Mörder von Mendel Shpilman verstrickt sich Landsman in weit reichende Schwierigkeiten. Eine ausgedehnte Intrige und Vertuschung bei der Aufklärung des Mordes von ganz oben wird ihm zum Verhängnis. Er wird vom Dienst suspendiert, lässt aber nicht locker. Seine Frau Bina schützt ihn. In einer sehr anrührenden Szene begegnet Landsman seiner Ex Frau Bina, die neuerdings seine Vorgesetzte in der Mordkommission ist. Immer noch spürt man die Zärtlichkeit, die sie einst verbunden hat. Verhalten und scheu bleiben sie sich ferne, und nur die Sehnsucht nach ihr ist immer noch spürbar,—und bleibt es bis zuletzt!

    Auf abenteuerlichen Wegen gelangt Landsman in eine abgelegene Gegend, erlebt spannende Suchoptionen, erfährt vom Tod seiner Schwester und deckt ein weit verzweigtes Netz von spinnerten und abwegigen jüdischen Religionsfanatikern mit politischen Absichten auf. Ein Abenteuer löst das andere ab und bietet Spannung pur.

    Landsman kommt seinem Wunsch, die Aufklärung des Mordes an Mendel Shpilman voran zu treiben, immer näher.
    Das Buch ist voller hintergründiger Einzelheiten und Anspielungen auf die jüdische Religion, Geschichte und Tradition. Abenteuerliche Winkelzüge und kaum vorstellbare Verwicklungen führen den Leser an der Nase herum.
    Scharfzüngig und geistreich reiht sich eine Spitze an die andere. Szenen voller Tiefenschärfe und geheimnisvoller Rituale verlangen dem Leser einige Kenntnis über jüdisches Brauchtum ab.
    Die eigentliche Kriminalgeschichte ist eingebettet in die fiktive Geschichte dieses imaginierten jüdischen Staates in Alaska. Befreiungs- und Erlösertheorien wechseln ab mit kriminellen und politischen Machenschaften, und das Ende ist gut.

    Michael Chabon, der Pulitzerpreisträger, sprüht über vor Ideen, wenn es darum geht, eine Fantasiegeschichte zu erfinden.
    Seine Prosa, durchmischt mit vielen jiddischen Ausdrücken, die nicht jeder immer gleich übersetzen kann,–aber dazu gibt es ein Anmerkungsverzeichnis, — ist temporeich und witzig. Man sollte auf der Hut sein, zu glauben, dass man die Geschichte gleich versteht. Der Autor verlangt uns Wissen um die jüdische Geschichte, Witz und Humor ab, um die vielen skurrilen Einzelheiten zu begreifen. Hat man sich aber einmal eingelesen, kann man von dem Text nicht mehr lassen!
    Eine Leistung ist die Übersetzung von Andrea Fischer, die sich wieder einmal als ein hervorragendes Sprachgenie erweist.

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  2. cl.borries
    ·
    17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Ein Kriminalroman der literarischen Spitzenklasse, 30. April 2008
    Von 
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    Rezension bezieht sich auf: Die Vereinigung jiddischer Polizisten: Roman (Gebundene Ausgabe)
    Michael Chabon Die Vereinigung jiddischer Polizisten
    Kiepenheur&Witsch ISBN 3462039725

    In Alaska wird die Stadt Sitka als die Hauptstadt der Juden ausgegeben. Auch so könnte man sich also die Gründung eines Judenstaates vorstellen: nach dem Holocaust und dem Zusammenbruch des Staates Israel 1948 gründen die Juden in Alaska vorübergehend einen neuen Staat. Inzwischen droht auch hier die erneute Ausweisung.
    Verrückt mutet das Szenario an und ist doch durchaus vorstellbar: überall in der Welt könnte ein Judenstaat entstehen. Und immer wieder würde das Dasein der Menschen eines Tages durch Vertreibung enden. Visionäre Ausblicke!

    Mit erheblichem Aufruhr beginnt der Roman von Michael Chabon, der in diesem fiktiven Staat spielt: in einem Hotel in der Stadt wird ein ehemaliges Schach-Wunderkind ermodert aufgefunden! Und Kriminalkommissar Meyer Landsman rätselt, wer der Mörder sein könnte!

    Meyer Landsman und sein Kollege geraten bei der Suche nach dem Mörder an den Vater des Opfers: es ist der angesehene Rabbi Heskel Shpilman, ein feister Koloss von einem Mann.
    Die Todesnachricht überrascht ihn nicht. Er hat den Sohn schon vor Jahren für tot erklärt und das Kaddisch über ihn gesprochen, weil er auf die schiefe Bahn geraten war.
    Landsman bleibt beharrlich auf seinem Kurs. Ihm scheinen die äußeren Bedingungen für den Mord rätselhaft. So habe der Sohn als kleiner Junge gewisse Anzeichen von sich gegeben, dass er der ersehnte Tzaddik ha-Dor, Gerechter seiner Generation, eine Art Messias, sein könne.

    Bei der nachfolgenden Suche nach dem Mörder von Mendel Shpilman verstrickt sich Landsman in weit reichende Schwierigkeiten. Eine ausgedehnte Intrige und Vertuschung bei der Aufklärung des Mordes von ganz oben wird ihm zum Verhängnis. Er wird vom Dienst suspendiert, lässt aber nicht locker. Seine Frau Bina schützt ihn. In einer sehr anrührenden Szene begegnet Landsman seiner Ex Frau Bina, die neuerdings seine Vorgesetzte in der Mordkommission ist. Immer noch spürt man die Zärtlichkeit, die sie einst verbunden hat. Verhalten und scheu bleiben sie sich ferne, und nur die Sehnsucht nach ihr ist immer noch spürbar,—und bleibt es bis zuletzt!

    Auf abenteuerlichen Wegen gelangt Landsman in eine abgelegene Gegend, erlebt spannende Suchoptionen, erfährt vom Tod seiner Schwester und deckt ein weit verzweigtes Netz von spinnerten und abwegigen jüdischen Religionsfanatikern mit politischen Absichten auf. Ein Abenteuer löst das andere ab und bietet Spannung pur.
    Landsman kommt seinem Wunsch, die Aufklärung des Mordes an Mendel Shpilman voran zu treiben, immer näher.
    Das Buch ist voller hintergründiger Einzelheiten und Anspielungen auf die jüdische Religion, Geschichte und Tradition. Abenteuerliche Winkelzüge und kaum vorstellbare Verwicklungen führen den Leser an der Nase herum.
    Scharfzüngig und geistreich reiht sich eine Spitze an die andere. Szenen voller Tiefenschärfe und geheimnisvoller Rituale verlangen dem Leser einige Kenntnis über jüdisches Brauchtum ab.
    Die eigentliche Kriminalgeschichte ist eingebettet in die fiktive Geschichte dieses imaginierten jüdischen Staates in Alaska. Befreiungs- und Erlösertheorien wechseln ab mit kriminellen und politischen Machenschaften, und das Ende ist gut.

    Michael Chabon, der Pulitzerpreisträger, sprüht über vor Ideen, wenn es darum geht, eine Fantasiegeschichte zu erfinden.
    Seine Prosa, durchmischt mit vielen jiddischen Ausdrücken, die nicht jeder immer gleich übersetzen kann,–aber dazu gibt es ein Anmerkungsverzeichnis, — ist temporeich und witzig. Man sollte auf der Hut sein, zu glauben, dass man die Geschichte gleich versteht. Der Autor verlangt uns Wissen um die jüdische Geschichte, Witz und Humor ab, um die vielen skurrilen Einzelheiten zu begreifen. Hat man sich aber einmal eingelesen, kann man von dem Text nicht mehr lassen!
    Eine Leistung ist die Übersetzung von Andrea Fischer, die sich wieder einmal als hervorragendes Sprachgenie erweist.

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  3. Winfried Stanzick
    ·
    5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Ein wunderbarer Kriminalroman, der vielleicht nicht ganz zufällig 60 Jahre nach der Gründung des Staates Israel erscheint, 8. Mai 2009
    Von 
    Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Die Vereinigung jiddischer Polizisten: Roman (Gebundene Ausgabe)
    Im Jahr 1940 ventilierte der amerikanische Innenminister Harold Ickes aus der Regierung des Präsidenten Roosevelt den Plan, jüdische Flüchtlinge aus Europa für einen bestimmten Zeitraum auf dem damaligen Territorium von Alaska anzusiedeln, um sie nach dem Krieg wieder zurückkehren zu lassen. Es gab einen entsprechenden Antrag im amerikanischen Kongress, der allerdings keine Mehrheit fand und so geriet dieser Vorschlag in die Akten und später in Vergessenheit.

    Der amerikanische Autor Michael Chabon, 45 Jahr alt und Pulitzer-Preisträger geht nun in seinem neuen Roman "Die Vereinigung jiddischer Polizisten" der immer wieder die Literatur faszinierenden Frage nach, was wäre gewesen, wenn dieser Vorschlag eine Mehrheit gefunden und dann auch Realität geworden wäre. Er verlegt den jüdischen Staat nach Alaska und macht ihn zum Schauspiel eines Kriminalromans. Chabons fabelhafter Trick besteht darin, dass er diese hybride, jüdisch-subpolare Welt bis in das kleinste Detail so ausgestaltet, so überzeugend, dass einem beim Lesen alles völlig realistisch erscheint. Ein Roman ist so entstanden über eine Welt, in der es außer dem Exil keine Option gibt.

    Irgendwann habe er in einer Fußnote davon gelesen, die Idee habe ihn begeistert, erzählt Chabon in einem Interview. Dazu kam, dass ihm etwa zur gleichen Zeit ein Sprachführer aus dem Jahr 1958 in die Hände fiel mit dem Titel "Say it in Yiddish". Er fand das Buch amüsant, es hat ihn nicht mehr losgelassen. Weil es ja implizierte, dass es einen Ort gibt, an dem man es benutzen kann, wenn zum Beispiel das Auto kaputtgeht und man mit einem Mechaniker verhandeln muss. Er schrieb einen Essay über diesen Ort, griff die Ickes’sche Idee dazu auf und irgendwann, so berichtet er, war er bereit für einen Roman.

    Der liegt nun in deutscher Übersetzung vor. Ein wunderbarer Kriminalroman, der vielleicht nicht ganz zufällig 60 Jahre nach der Gründung des Staates Israel erscheint. In dem schon erwähnten fiktiven Staat in Alaska wird eines Tages in einem Hotel in der Stadt ein ehemaliges Wunderkind des Schachs tot aufgefunden. Kriminalkommissar Meyer Landsman geht sofort der Frage nach, wer der Mörder dieses Talents sein könnte. Bald schon stoßen Meyer Landsman und sein Kollege auf den Vater des Toten, den angesehenen Rabbi Heskel Shpilman, ein dicker, beeindruckender Mann. Den allerdings überrascht die Nachricht vom Tod seines Sohnes überhaupt, nicht. Er erzählt den staunenden Polizisten, dass er schon vor Jahren seinen Sohn für tot erklärt, den Kaddisch über ihn gesprochen und dann aus seiner Erinnerung getilgt habe, weil dieser auf die schiefe Bahn geraten sei.

    Die Ermittlungen komplizieren sich. Von oben bekommt Meyer Landsman Schwierigkeiten, er wird suspendiert. Das hindert ihn aber nicht, seine abenteuerlichen Ermittlungen fortzusetzen. Dabei führt Chabon den gespannten und zunehmend begeisterten Leser von einer Überraschung zur nächsten. Da begegnen wir jüdischen Religionsfanatikern mit politischen Absichten und noch vielen anderen seltsamen Figuren. Das ganze Buch ist voll von hintergründigen Einzelheiten und vielen Anspielungen auf die jüdische Religion, ihre Geschichte und ihre Traditionen.
    Dabei ist die eigentliche Kriminalgeschichte, wie schon am Anfang gesagt, eingebettet in die fiktive Geschichte eines imaginierten jüdischen Staates in Alaska. Verschiedene Befreiungs- und Erlösungstheorien wechseln sich ab mit kriminellen und politischen Machenschaften.

    Die Lektüre dieses oft skurrilen Romans macht enorm viel Spaß, auch wenn man sagen muss, dass es schon einige Zeit braucht, um in die Geschichte hineinzukommen.

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