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  1. Spassprediger.de
    ·
    3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    3.0 von 5 Sternen
    Weniger Mut zur Lücke wäre schön gewesen (und wirklich mutig), 3. August 2014
    Von 
    Spassprediger.de (Germany) – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Die verbotene Reise: Die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht – Ein SPIEGEL-Buch (Gebundene Ausgabe)

    Die Geschichte der Reise, die Jens und Marie (ihre Nachnamen erfahren wir nicht) unternehmen, bietet ausreichend Stoff für einen Abenteuerfilm. Umso bedauerlicher ist es, dass der Tonfall von Peter Wensierskis Rekonstruktion der mehr als 10.000 km langen Reise von Ostberlin nach Peking über die ganzen 256 Seiten des Buches sehr nüchtern bleibt.

    Als Marie und Jens sich im Ost-Berlin der ausgehenden 1980er Jahre kennen lernen, sind sich die beiden Freigeister auf Anhieb sympathisch. Es dauert nicht lang, bis der Biologiestudent und die angehende Bühnenbildnerin zusammenziehen. Den passionierten Vogelkundler und seine Freundin verbindet der Drang, die weite Welt zu sehen; und tatsächlich ist es Jens verschiedentlich gelungen, die Ostgrenze der DDR weiter hinter sich zu lassen, als ihm das der Staatsapparat wohl je gestattet hätte. Dem jungen Mann fällt es offenbar nicht schwer, Kontakte zu knüpfen, und mit List und Einfallsreichtum ist es Jens in der Vergangenheit gelungen, unter Angabe von sehr offiziös wirkenden Gründen auf eigene Faust den Kaukasus zu bereisen. Berge besteigen, das Verhalten von Vögeln beobachten, seinem Forscherdrang und seiner Wanderlust frei von Reglements und Repressalien nachgehen – mehr will der junge Mann nicht, und in dem Versuch, sich auszuleben, scheut er auch vor Schwierigkeiten mit der Staatsmacht nicht zurück.

    Das bleibt nicht ohne Folgen – irgendwann wird Jens zunächst exmatrikuliert, später macht man es ihm außerdem die Vorträge unmöglich, mit denen der junge Mann sich finanziell über Wasser hält. Was nun? Aussichten, später einmal in dem Bereich zu arbeiten, der ihm zusagt, hat Jens nicht mehr, aber die Eltern stehen voll hinter ihrem Sohn und bestärken den, seinen eigenen Weg zu gehen – wo immer der hinführt und ohne Rücksicht auf sie, die Eltern, denen ohnehin nichts mehr passieren könne. Gemeinsam mit Freundin Marie schmieet Jens den abenteuerlichen Plan, über Polen und Rissland in die Mongolei zu reisen. Als der Plan glückt, fassen die beiden ein noch ferneres Ziel ins Auge: Einmal auf der Chinesischen Mauer stehen – das wär’s. Von einer Flucht in den Westen ist zunächst nicht die Rede, aber vor allem Jens möchte den Geschmack der grenzenlosen Freiheit nicht mehr missen …

    Ich liebe Reisebeschreibungen. Durch einen Artikel im "SPIEGEL" auf das Buch aufmerksam geworden, habe ich mir "Die verbotene Reise" kurz nach Erscheinen zugelegt. Inzwischen habe ich das rund 250 Seiten starke Buch zu Ende gelesen und kann ein Resümee ziehen. Das fällt bei mir zwiespältig aus: Ich habe das Buch mit Interesse gelesen, hatte mir tatsächlich aber etwas mehr davon erhofft.

    Dass ich das fest gebundene Buch heute nachmittag mit einem Gefühl leiser Enttäuschung zugeschlagen habe, ist in erster Linie der Art der Schilderung geschuldet: Der um Objektivität bemühte Tonfall von Wensierskis Buch mag journalistisch ohne Tadel sein, aber für meine Begriffe ist ihm die anhand von Interviews mit den Protagonisten rekonstruierte Reisebeschreibung allzu sachlich geraten. Für meinen Geschmack liest sich die Beschreibung dessen, was für die beiden jungen DDR-Bürger fraglos die Reise ihres Lebens war, durch die Bank viel zu distanziert. Ich kann den teils geradezu spröden Tonfall umso weniger nachvollziehen, als der Autor im Epilog darauf hinweist, dass er für das, was im Buch wie eine zusammenhängende Reise wirkt, die Erlebnisse verschiedener von den beiden Studenten zwischen den Jahren 1985 und 1987 unternommenen Reisen erzählerisch zu einem einzigen Trip verdichtet habe. Wenn soviel dichterische Freiheit sein darf (und ich finde, sie darf) – warum hat Wensierski sich nicht noch etwas mehr davon eingeräumt?

    Ich gebe zu, dass ich, was beschreibende Literatur angeht, verwöhnt bin. Es kann auch sein, dass es im angelsächsischen Bereich eine längere Tradition gibt, Fakten so aufzubereiten, dass daraus Erzählungen werden, die es mit jedem Roman aufnehmen können – spontan fällt mir Truman Capotes stilbildender Tatsacheroman "Kaltblütig" ein, auch Sebastian Jungers "Der Sturm" habe ich als spannende Lektüre in Erinnerung, die gut recherchierte Fakten mit plausiblen Annahmen geschickt zu einem Ganzen verwebt, das den Leser schnell in seinen Bann zieht und bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt. Auch Paul Theroux‘ Reisebeschreibungen, die, zugegeben, die Messlatte für diese Art von Literatur ziemlich hoch hängen, müssen an dieser Stelle genannt sein.

    Wensierski protokolliert gewissenhaft – zumindest wirken seine Aufzeichnungen so, als sei die Recherche gewissenhaft gewesen -, dabei aber leider reichlich phantasielos. Vieles…

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  2. M. Lehmann-Pape
    ·
    2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Umfassende und interessante Reportage aus anderen Zeiten, 17. März 2014
    Von 
    M. Lehmann-Pape – Alle meine Rezensionen ansehen
    (REAL NAME)
      

    Rezension bezieht sich auf: Die verbotene Reise: Die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht – Ein SPIEGEL-Buch (Gebundene Ausgabe)
    Zurück in das Jahr 2014, in den Osten Deutschlands, genauer zunächst Berlins, führt Peter Wensierski den Leser mit diesen Erinnerungen eines (damaligen) Liebespaares mit einem sehr ausgeprägten und sehr speziellen „Fernweh“.

    Die freie, wilde Natur, ferne Länder, Bergsteigen, das sind die Momente, in denen Jens glücklich ist, die er versucht, im Rahmen der Enge des Systems der DDR zu erlangen und das sind ebenfalls jene Momente, die Marie ebenfalls ins ich trägt und durch ihre Bekanntschaft (und bald Liebe) zu Jens immer stärker ins ich spürt.

    Sehr genau zunächst allerdings lässt Wensierski in seiner sachlichen und flüssigen Sprache zunächst die Welt des Prenzlauer Bergs in Ost Berlin vor den Augen des Lesers wiedererstehen. Die zerfallenen Häuser, die einfache Lebensweise, der schwere Geruch von Kohle in der Luft, die Bedrängung der Unfreiheit (die den Studenten Jens seinen Studienplatz kosten wird), aber auch die „kleinen Fluchten und Freiheiten“ auf den Dächern der Häuser und in der kleinen Gemeinschaft Gleichgesinnter.

    Wäre das, was dann so innerlich fundiert vorbereitet auch durch die Form der Darstellung, als reine „Flucht in den Westen“ von Beginn an angedacht gewesen, dann wäre dieses Vorhaben mit seinen insgesamt zurückgelegten 10806 Kilometern sicherlich die weitest mögliche Fluchtroute gewesen.

    Aber tatsächlich, und das versteht Wensierski gut und plastisch hervorzuheben, es geht um das Fernweh, die Lust an der Freiheit, am Fremden, an der Entdeckung anderer Welten, Landschaften und Lebensweisen,

    Wie nun Jens und Marie mit kreativen Tricks, mit kleinen Schlupflöchern, mit Chuzpe und, vor allem, mit auch dreister Offensive „verbotene Räume“ betreten, durch die damalige Sowjetunion einen Weg hindurch, ja überhaupt hinein finden, mit welchem aufwand (und klopfendem Herzen) dann der Weg über die Grenze nach China gefunden wird, bis beide letztendlich in Peking vis a vis der bundesdeutschen Botschaft stehen (und dann eine Entscheidung zu fällen haben, die den Leser letztlich überraschen wird), das füllt ohne weiteres interessant die Seiten des Buches.

    Gerade die Eindrücke, illustriert von einigen Fotografien, welche Jens damals auf der Reise erstellte, hallen nach. Nicht nur im Leser, gerade Marie wird durch ihre Zeit in der Mongolei, im ein Stück weit Leben mit den Menschen dort, sich entwickeln, einen wichtigen Teil von sich erst finden und damit für den Rest ihres Lebens geprägt werden.

    „Die meisten geben als Erwachsene zu früh auf. Selbst wenn sie etwas wollen, probieren sie es nicht. Ich denk‘ da anders. Wenn Du etwas willst, mach es einfach, probiere es mit aller Kraft. Vielleicht klappt’s, vielleicht nicht, aber man muss es doch wenigstens versucht haben“.

    So denkt es Jens, so lebt er es, so macht es Marie im gleich. Ob im Zelt in wilder Natur oder mit einem Rucksack voller Filmrollen direkt neben einem sowjetisch-militärischen Stützpunkt versteckt im Wald, diese innere Haltung ist die treibende Kraft, mit der den beiden in der damaligen Zeit und im damaligen System unmöglich scheinendes gelingt.

    Erlebnisse, die durchaus auch heute noch den Leser animieren und die mit Staunen zu lesen sind.

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  3. demeter
    ·
    7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    3.0 von 5 Sternen
    Hintergründe der Flucht?, 28. April 2014
    Von 
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    Rezension bezieht sich auf: Die verbotene Reise: Die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht – Ein SPIEGEL-Buch (Gebundene Ausgabe)
    Im Buch wird ein interessanter Spannungsbogen aus Stasi-Bespitzelung und einstigem Leben in der DDR aufgebaut, der sich jedoch nach der Hälfte im Nichts verliert. Das Paar Jens und Marie beantragt schließlich ein Visum für die Mongolei, woraufhin ihnen ein Reisepass ausgestellt wurde. Damit bekommen sie in Ulan Bator ganz legal ein Visum für China. War es denn überhaupt möglich in den Besitz eines Passes zu gelangen, wenn man sich derart im Netz der Stasi-Ueberwachung befand ??????? Es hatte doch quasi niemand die Chance, einen Reisepass zu bekommen.
    Die Punkte vergebe ich für die detailreiche teils "ostalgisch"-liebevolle Beschreibung der späten DDR-Zeit.
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