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  1. derte
    ·
    3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    3.0 von 5 Sternen
    Spaßverderber, 19. Oktober 2010
    Von 
    derte – Alle meine Rezensionen ansehen

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Die Musikwissenschaft in Forschung und Lehre: Kritik einer bürgerlichen Wissenschaft (Taschenbuch)
    Das Buch hat bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Einerseits -und das ist für mich das Positive- zeigen Sauters Textanalysen verschiedener Autoren (Hanslick, Adorno, Dahlhaus, Eggebrecht, usw.) wie oft sich diese schwer tun, wenn sie über Musik reden (besser gesagt, wie leichtfertig sie über Musik schreiben). Sauters Betrachtungen führen deutlich vor Augen, dass beim Reden über Musik viele hohle Phrasen gedroschen werden, ohne dass man als Leser dabei klüger wird. Ein gutes Beispiel ist etwa ein Text von Eggebrecht ("Die Musik und das Schöne"), an dem Sauter amüsant die Hohlheit der Argumentation herausstellt. Liest man dies noch vor dem Hintergrund von Eggebrechts Nazivergangenheit, dann kann man über solche Texte, die leider immer noch Studenten lesen müssen, nur schmunzelnd den Kopf schütteln. Insofern erinnert mich Sauters Buch auch an Sokals "Eleganten Unsinn", in dem schon vor Jahren die häufig absurde und falsche Argumentation der Geisterwissenschaftler angeklagt wurde.
    Andererseits, und das wäre jetzt meine Kritik an Sauter, geht einem sein ständiges Herausstellen des "Ästhetischen der tonale Musik" auf die Nerven. Es ist natürlich sehr einfach, vor dem Hintergrund der Leitidee "tonale Musik" alle historischen Erscheinungen zu beurteilen oder, im Sinne Sauters, zu verurteilen. Gezwungenermaßen ist dann die modale ("eintöniger Singsang der Psalmodie", S.79), ethnische ("entwicklungsgeschichtlich unfertige Musik", S.181) oder neue Musik ("ungenießbare Kompositionen der Moderne", S.214) immer die schlechtere und unterentwickeltere Kunst, wohingegen die tonale Musik, wie Sauter in Eggebrechtscher Emphase schreibt, "eine ganz aus dem Interesse am Klangraum heraus geborene, durch und durch ästhetische Schöpfung [ist], deren Prinzipien als Formen klanglichen Zusammenpassens entwickelt sind" (S.271).
    Warum aber ausgerechnet die tonale Musik das Maß aller Dinge sein soll, steht wahrscheinlich in Sauters erstem Buch über – "Die tonale Musik" (das ich allerdings nicht gelesen habe). Und wenn dem so wäre, dass also die tonale Musik von Natur aus gegeben ist, kann man dies nicht als unumstößliches Kunstkriterium ansehen. Nur weil der Mensch zwei Beine hat, muss er nicht unbedingt vorwärts laufen: Soll er doch, wenn’s ihm Spaß macht, auch rückwärts oder auf Händen gehen. Aber da hört für Sauter eben der Spaß auf. Also, nur 3 Punkte …
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  2. Antonius
    ·
    2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Kritische Wissenschaft, 18. Dezember 2011
    Von 
    Antonius – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Die Musikwissenschaft in Forschung und Lehre: Kritik einer bürgerlichen Wissenschaft (Taschenbuch)
    Nachdem ich das erste Buch des Autors (Die tonale Musik) gelesen hatte, hat mich auch dieses neue Buch über die Musikwissenschaft interessiert. Auch hier fand ich es sehr erfrischend, wie der Gegenstand abgehandelt wird: Die sachlich sehr sorgfältige Analyse der Logik in den musikwissenschaftlichen Schriften entblößt eine Unmenge von Denkfehlern und ideologischen Vorurteilen, die den frechen Tonfall des Autors rechtfertigen. Es ist sicherlich ein Glücksfall, dass das Buch sich ein Stück weit der Polemik von Hanslick (19. Jahrhundert) anschließen kann, um von da aus die Kritik an den musikwissenschaftlichen Disziplinen aufzurollen. Denn die Kritik an der Subjektivierung des Ästhetischen und Hanslicks Insistieren auf der Objektivität des musikalisch Schönen sind ein guter Ausgangspunkt für die Darlegung einer wissenschaftlichen Entwicklung, die sich immer mehr von diesem Ausgangspunkt entfernt hat, indem sie immer neue Disziplinen kreiert hat, in denen vom ästhetischen Charakter ihres Gegenstand abstrahiert wird. Man kann sich nur wünschen, dass dieses Buch unter Musikstudenten diskutiert wird!
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  3. lovegoodbooks
    ·
    3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Gute Einführung in die Musikwissenschaft, 17. September 2011
    Von 
    lovegoodbooks – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Die Musikwissenschaft in Forschung und Lehre: Kritik einer bürgerlichen Wissenschaft (Taschenbuch)
    Dieses Buch bietet einen Überblick über die verschiedenen Wissenschaftsbereiche, die sich mit Musik beschäftigen. Eine vergleichbar gute Übersicht über die verschiedenen Teildisziplinen habe ich bisher nirgendwo gefunden. Bemerkenswert ist die erfrischend kritische Darstellung dessen, was Musiksoziologen, -psychologen, -ethnologen usw. in ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit hervorbringen: Die verschiedenen Theorien werden nicht als ein reichhaltiges Angebot von "Prämissen", "Ansätzen" und "Herangehensweisen" aufgelistet, in dem "für jeden etwas dabei" ist, sondern ihre Gedanken werden ernstgenommen, d.h. auch kritisch überprüft. Man gewinnt einerseits schnell einen guten Überblick über die verschiedenen Teilbereiche der Musikwissenschaft, ohne von Fachvokabular und angeblich komplizierten Zusammenhängen erschlagen zu werden. Andererseits bekommt man die vielfach überzeugende Einschätzung des Autors mitgeliefert, der es versteht, den Kern der zuweilen verdrechselten Wissenschaftssprache auf gut lesbare Weise herauszufiltern und ihren Gehalt kritisch zu beleuchten.
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