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  1. Tirana
    ·
    11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Gelungene Gesamt-Darstellung "unserer" Vorgeschichte – allerdings phasenweise "schwere Kost", 15. Februar 2016
    Von 
    Tirana (Norddeutschland) – Alle meine Rezensionen ansehen
    (VINE®-PRODUKTTESTER)
      

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Die Kinder des Prometheus: Eine Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift (Gebundene Ausgabe)

    Vor uns liegt eine aktuelle Gesamt-Übersicht über die Vorgeschichte, wie sie sich uns gegenwärtig – gestützt auf die zahllosen archäologischen (Be-)funde – darstellt. PARZINGER, gut bekannt auch durch die Dokumentationen im Fernsehen über zentralasiatische Kulturen, z. B. die Skythen, nimmt uns mit auf eine Reise rund um die Welt und stellt uns die verschiedenen Entwicklungsstränge vor aus einer Zeit, bevor der Mensch die Schrift erfand (also dem Zeitpunkt, an dem im allgemeinen Geschichte(n) ihren Anfang nahm.
    Will man einen Überblick über die Vorgeschichte erhalten, steht man praktisch einem ‚dreidimensionalen‘ Komplex gegenüber, bestehend aus dem
    WAS: um welchen Aspekt der Archäologie handelt es sich? Es fließen die Funde zur Keramik, Bestattungskultur, Kunst, Waffentechnologie, dem Siedlungsstil oder den Textilien zu einem Bild über die Lebenswirklichkeit unserer Vorfahren zusammen
    WO: die Entwicklungen haben an den verschiedensten Stellen der Welt oftmals zeitgleich und unabhängig voneinander stattgefunden; es gilt herauszuarbeiten, inwieweit kulturelle Innovationen andere Region beeinflusst haben könnten.
    WANN: die zeitliche Einordnung macht Entwicklungslinien deutlich und erlaubt die Einordnung in Bezug auf die Epochenzugehörigkeit verschiedener Kulturen; sie sind wichtig bei der Beantwortung der Fragen nach Migrationen und gegenseitiger Beeinflussung der Kulturen.

    Entsprechend ist dies Buch auch gegliedert. Es sollte daran erinnert sein, dass PARZINGER Archäologe ist und entsprechend ist dies Buch auch keine Quelle, will man sich genauer mit der Entwicklung des Menschen als ‚biologischem Wesen‘ beschäftigen. Nach einer kurzen Einführung in die Materie von 6 Seiten folgt in Kapitel I ein 37seitiger Abriss der menschlichen Evolution – sofern sie eben bekannt ist. Und schon nach dieser kurzen Übersicht landen wir am Ende der letzten Eiszeit und es folgt eine Übersicht über die Entstehungszentren des Jetzt-Menschen im Kapitel II (56 Seiten), bevor PARZINGER die Reise rund um die Welt beginnt, um uns die Besonderheiten kulturellen Tuns zu zeigen: beginnend im ‚Fruchtbaren Halbmond‘ (der ja immer wieder als ‚Wiege der Zivilisation‘, als Ausgangspunkt für Ackerbau und Viehzucht gelehrt wird, Kap. III), geht es zu den Zivilisationen Europas (Kap. IV und V), Ägyptens (Kap. VI), Afrikas (Kap. VII und VIII), Vorder-/Zentralasiens (Kap. IX und X), Ostasiens (Kap. XI) und letztlich Australiens und Ozeaniens (Kap. XII), bevor eine Zusammenstellung Nord- (Kap. XIII), Mittel- (Kap. XIV) und Südamerikas (Kap. XV) folgt. Dem Abschluss dieser 584 Seiten starken Weltreise folgt eine ‚Vergleichende Schlussbetrachtung‘ (Kap. XVI). Im Mittelpunkt steht dabei stets die kulturelle Weiterentwicklung vom Paläo- zum Mesolithikum und vom Meso- zum Neolithikum, teilweise mit Übergang auf die Kupfer- und Bronzezeit. Selbstverständlich verliefen diese Prozesse nicht zeitgleich, sondern zeigen deutliche Unterschiede im zeitlichen Verlauf, wodurch einige Kapitel weiter in der Zeit reichen und z. T. bis in historische Zeiten reichen, legt man die uns vertraute Entwicklung Europas zugrunde.
    Da es sich – wie oben angegeben – um ein sehr komplexes Thema mit verschiedenen Facetten handelt, setzt dies doch ein vertieftes Mitdenken voraus, zumal der Autor als Archäologe zwischen den Kulturen, Horizonten, Industrien und Siedlungskomplexen leicht Beziehungen sieht und uns diese auch darstellen möchte. Das macht den Lesestoff teilweise schwierig, stößt man auf Abschnitte wie dieses:

    ‚Der Osthügel von Sing-i Chakmaq ist hingegen jünger.[‚] Wesensmerkmal der Ablagerungen des Osthügels ist bemalte Keramik, die sich [‚] sehr gut mit der Tonware der südturkmenischen Džejtun-Kultur vergleichen lässt. Doch die Kulturbezüge sind noch weit vielfältiger: So ist ähnliches Material auch schon weiter südlich zum Vorschein gekommen, zum Beispiel in einem Tell bei Qomrud sowie in Sialk I3 ‚ 5 in der Region Kashan im westlichen Zentraliran. Das Fundmaterial aus den obersten Schichten des Osthügels von Sang-i Chakmaq erlaubt es, Verbindungen herzustellen mit der zentraliranischen Cheshmeh-Ali-Phase; diese entspricht im Gebiet von Kashan wiederum Sialk II und kann weiter nördlich in Südturkmenistan zeitlich mit der Kulturstufe des späten Džejtun gleichgesetzt werden.

    Ich hätte mir gern – angelehnt an den ‚Geschichtsklassiker‘ PLOETZ – Abbildungen zu den Zeitschienen gewünscht, die einen Überblick über die zeitliche Abfolge (oder auch Parallelität) verschiedener Kulturen geben, zu denen man als ‚Not-Anker‘ zurückgreifen kann, wenn man den ‚roten Faden‘ droht zu verlieren. Derartige Diagramme sind zu spärlich (p 20 eine Übersicht…

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  2. austromir
    ·
    9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Interessant – aber nicht für jeden, 9. September 2015
    Von 
    austromir (Stuttgart) – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Die Kinder des Prometheus: Eine Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift (Gebundene Ausgabe)
    Dieses Buch habe ich gekauft auf der Suche nach interessanter Sommerlektüre. Das Thema interessiert mich und dass Parzinger Wissenschaftler ist gab mir die Gewissheit, keine esoterisch mythische Vorgeschichte der menschheit serviert zu bekommen.

    Das Buch entpuppt sich dann als ein sehr gut geschriebenes Kompendium vorgeschichtlicher Kulturen und ihrer Entwicklung. Besonders positiv ist zu vermerken, dass alle Gegenden der Welt in den Blick genommen werden und eine eurozentrische Sichtweise vermieden wird. Dadurch erfährt der Leser auch Dinge die in der üblichen öffentlichen Wissenschaftsdiskussion meist als irrelevant ignoriert werden. Als Nachschlagewerk und als Einführung in das Thema auf hohem Niveau ist dieses Buch aus meiner Sicht als interessierter Laie ein voller Erfolg.

    Der Untertitel verspricht aber ein wenig mehr indem er von der "Geschichte" der Menschheit spricht. Eine solche lässt sich in diesem Buch nicht auch noch unterbringen. Parzinger hat, meiner Ansicht nach, entschieden, die Vollständigkeit in der Vordergrund zu stellen und hat sich den Versuch versagt, aus seiner wissenschaftlichen Expertise heraus eine Art "Gesamtschau" der Menschheitsgeschichte vor der Entstehung der "Hochkulturen" zu entwickeln. Wissenchaftlich gesehen ist das nur zu begrüßen. Unser Wissen ist in diesem Bereich so bruchstückhaft, dass jeder Versuch, die Vielfalt in ein "einfältiges" Weltbild zu integrieren hoch spekulativ und damit unseriös ist. Es mag populärwissenschaftlichen Zeitschriften vorbehalten bleiben, sich derartigen Spekulationen hinzugeben und definitiv müssen Museen sich diesem Trend zur Mythenbildung beugen wenn sie ein großes Publikum haben wollen.

    In diesem Sinn dürfte Parzinger viele enttäuscht haben die hier auf der Suche nach mythischer Verklärung (Arier, Indianer, Germanen, …) im Kielwasser esoterisch druidischer neo-romantischer Bewegungen sind.

    Was Parzinger aber tatsächlich anzukreiden ist, ist das Lavieren zwischen Nachschlagewerk und Erzählung. Ob das der Verlagspolitik geschuldet ist, ist unklar. Jedenfall fehlt für das Nachschlagewerk die klare Struktur und für die Erzählung der rote Faden.

    In Summe ist Parzinger zu danken für die Mühe, Spezialwissen in Form eines lesbaren Buches auch für den interessierten Laien zugänglich zu machen. Er gehört zu den wenigen, die den Mut haben, so in die Öffentlichkeit zu treten und sich damit auch der Kritik auszusetzen. Herzlichen Dank dafür.

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  3. karin1910
    ·
    14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Detailreiche Darstellung der Frühzeit des Menschen, 17. Februar 2015
    Von 
    karin1910 – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Die Kinder des Prometheus: Eine Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift (Gebundene Ausgabe)
    Hermann Parzinger gibt hier eine weitgefasste Zusammenschau der Frühgeschichte des Menschen.
    Nach einem Überblick über die wichtigsten Evolutionsschritte von den frühsten Hominiden bis zum Homo sapiens steht dann vor allem das Holozän, der Zeitraum seit dem Ende der letzten Eiszeit, im Mittelpunkt.
    Der Autor betrachtet einen Erdteil nach dem anderen und beschreibt alle wichtigen Fundstellen, durch welche Einblicke in die Vergangenheit gewonnen werden konnten. Erste Hinweise auf sesshaftes Leben, Keramikherstellung, Pflanzenzucht und Domestikation von Nutztieren – dies sind die Entwicklungsschritte, die dabei immer wieder angesprochen werden und die in den verschiedenen Gegenden jeweils zu unterschiedlichen Zeiten und unter andersartigen Umständen erstmals aufgetreten sind.
    So kann man gut nachvollziehen, welche Vielfalt an Kulturen die Menschheit bereits vor dem Einsetzen der "offiziellen" Geschichtsschreibung hervorgebracht hatte, und es ist interessant, wie viele erhellende Funde diesbezüglich (auch außerhalb Europas) bereits gemacht wurden und welche Zusammenhänge die Forscher daraus ableiten können.

    Die Ausführungen sind eher sachlich und mit einer Reihe von Fachbegriffen durchsetzt, die aber großteils erklärt werden, sodass die Lektüre allgemein verständlich ist.
    Dennoch ist eine gewisse Kondition von Nöten, um die ganzen über 700 Text-Seiten durchzulesen. Man wird mit eine Fülle an Informationen überhäuft, immer neue (und sich letztlich doch immer wieder gleichende) Details über diverse Fundstücke werden ausgebreitet, sodass es oft schwer ist, den Wald vor lauter Bäumen nicht aus den Augen zu verlieren.
    Zwar gibt es auch einige zusammenfassend Betrachtungen, diese hätten aber ausführlicher ausfallen und vielleicht auch mehr orts- und zeitraumübergreifende Zusammenhänge zwischen den diversen Einzelbeobachtungen herstellen können.

    Hervorzuheben ist aber jedenfalls der umfangreiche Anhang, der neben einem ausführlichen Literaturverzeichnis auch Register geographischer Begriffe sowie archäologischer Kulturen enthält.
    Vielleicht ist dieses Buch ja weniger zum Auf-einmal-Durchlesen sondern besser als Nachschlagewerk geeignet.

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