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  1. Gabriele Mueller
    ·
    52 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Weltliteratur, 8. Juni 2002
    Von Ein Kunde
    Rezension bezieht sich auf: Die Erzählungen der Chassidim (Gebundene Ausgabe)
    In Martin Bubers "Erzählungen der Chassidim" tritt uns aus der Verborgenheit vergangener Jahrhunderte und osteuropäischer Länder in verschwenderischer Fülle eine Welt gelebter Weisheit und existentieller Religiosität entgegen, deren Mächtigkeit und Eigenart sich niemand wird entziehen können. Buber vermittelt durch die Sammlung dieser Erzählungen über jüdische Rabbis aus mehreren Jahrhunderten einen tief berührenden Einblick in die Welt des charismatischen Judentums, der man nächtelang nachsinnen kann. Welt- und Lebensdeutung, Lebenshilfe und die Zuversicht, dass sich gerade im banalsten Augenblick der göttliche Anruf verstecken kann; all dies macht dies Buch zu einer der ungewöhnlichen Kostbarkeiten der Weltliteratur.
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  2. Volker M.
    ·
    6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    kostbare Weisheiten, 18. Juni 2014
    Von 
    Gabriele Mueller – Alle meine Rezensionen ansehen
    (REAL NAME)
      

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Die Erzählungen der Chassidim (Gebundene Ausgabe)
    ein Reichtum an tiefgründiger Weisheit wird in diesem kleinen Büchlein geboten (98 S.) z.B. "Drei Dinge wirst du von einem Kind lernen: es ist fröhlich, ohne eines Antriebs zu bedürfen, keinen Augenblick verweilt es müßig und wonach es Mangel hat, weiß es kräftig zu begehren." oder: ein Rabbi antwortet auf Leute, die von einem Frommen schwärmen: "Ich weiß nicht, was das ist,ein Frommer, und auch von meinem Vater habe ich nichts darüber erfahren. Aber ich meine, es wird eine Art Kleid sein: derOberstoff ist aus Überhebung und das Futter aus Groll, und genäht ist es mit dem Faden der Schwermut."
    Nach- denkenswert!
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  3. Anonymous
    ·
    13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Literarisches Denkmal chassidischer Volksfrömmigkeit, 13. April 2015
    Von 
    Volker M. – Alle meine Rezensionen ansehen
    (HALL OF FAME REZENSENT)
      
    (TOP 50 REZENSENT)
      

    Rezension bezieht sich auf: Die Erzählungen der Chassidim (Gebundene Ausgabe)
    "Die Erzählungen der Chassidim" ist in vieler Hinsicht ein bedeutendes Stück Weltliteratur. Als das Buch 1949 erstmals erschien, war die Welt des Ostjudentums gerade untergegangen, vollständig zerrieben zwischen den Progromen der Nazis und Sowjets. Buber hatte zu diesem Zeitpunkt bereits über 40 Jahre lang Geschichten, Lehrstücke und Volkserzählungen des Chassidismus gesammelt und in kürzeren Kompilationen auch teilweise veröffentlicht. "Die Erzählungen der Chassidim" greift frühere Veröffentlichungen wieder auf, ergänzt sie und befreit die Texte von inhaltlichem "Ballast", was ihnen einerseits eine straffere, präzisere Sprache verlieh, andererseits aber auch die Ursache für anfängliche Kritik an der Sammlung ist. Buber wurde vorgeworfen, er habe zu sehr in die Inhalte eingegriffen. Da er seine Quellen nicht offenlegt, ist eine Überprüfung dieser Behauptung zwar schwierig, aber dort wo Quellen rekonstruierbar sind, hat sich der Vorwurf nicht bestätigt. Heute gilt "Die Erzählungen der Chassidim" als ein herausragendes Dokument der jüdischen Literaturforschung.

    Das Buch handelt von den bedeutenden Zaddik, den chassidischen Führern, die bis ins 18. Jahrhundert Lehrschulen mit eigenen Erzähl-, Lehr- und Deutungstraditionen begründeten. An diesen Schulen orientiert sich der Aufbau des Buches und belegt damit Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Für die Chassidim hat eine Erzählung die gleiche Wirkung wie die Taten der Zaddikim. Insofern erhält sich die Wundertätigkeit im Volksglauben auch über den Tod des Zaddik hinaus und begründet eine ganz eigene "Schule" von im Lauf der Jahrhunderte immer weiter ausgeschmückten und hinzuerfundenen Erzählungen.
    "Das göttliche Licht ist in die Zaddik eingeströmt und strömt in Form ihrer Worte wieder aus ihnen heraus", so berichtet die Überlieferung und diese gemeinsame Erzähltradition belegt auch, dass sich das Ostjudentum als ein ethnisch erstaunlich homogenes Gebilde verstand. Die Chassidim betrachteten sich als ein jüdisches Volk in der Diaspora, nicht als Polen, Russen oder Ukrainer. Buber ist der erste, der diese Gruppe als eigenes, in sich kohärentes Forschungsobjekt entdeckt hat.

    Das Zentrum chassidischer Kultur ist die Erzählung und nicht etwa die theologische oder kabbalistische Literatur, so Buber, und daher lässt sich der Chassidismus auch am besten über seine Erzählungen verstehen. Aus über 10 000 Texten hat Buber 1000 ausgewählt, die er sortiert und (vorsichtig) im chassidischen Geist bearbeitet hat. Sie sind stark durchzogen von chassidischer Denken, aber befreit von magischem, dämonischen oder kabbalistischem Ballast. Buber beseitigt in seiner Bearbeitung weitschweifige Passagen, Unklarheiten und Redundanzen, seine Texte sind auf den Punkt formuliert und bleiben (soweit man das nachvollziehen kann) trotzdem nah am Original. Bubers Kunst besteht darin, aus dem Formlosen eine Form gemacht zu haben, wie Michael Brocke im Nachwort feststellt.

    Im Anhang dieser schön ausgestatteten Neuauflage (übrigens seit 1949 konstant im Manesse Verlag herausgegeben) werden heute ungebräuchliche Begriffe und Formulierungen erklärt. So werden "Die Erzählungen der Chassidim" auch für die nächste Generation zum literarischen Denkmal einer einzigartigen Volksfrömmigkeit und zum Archiv einer Kultur, zu deren Überleben nach dem Zweiten Weltkrieg Martin Buber mit seinem Werk wesentlich beigetragen hat.

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