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  1. rollgardiniapfefferminzus
    ·
    118 von 125 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Systematisches Plädoyer für neuroprotektives Verhalten, 12. November 2014
    Von 
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    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Die Alzheimer-Lüge: Die Wahrheit über eine vermeidbare Krankheit (Broschiert)

    Etwas Mut braucht es schon dieses Buch zu lesen, weil sich keiner, davon ist auszugehen, gerne mit (einer) der größten Geißel(n) des modernen Menschseins auseinandersetzt. Dem eindringlichen Bild der Dementoren, das Michael Nehls aus Rowlings Harry Potter-Heptalogie bemüht, könnte in Abwandlung der Bezeichnung für Voldemort „Das, dessen Name nicht genannt werden möchte“ zur Seite gestellt werden.
    Lässt man sich auf die Darstellung des habilitierten Molekulargenetikers ein, dann begegnet man allerdings nur bedingt einem Horrorszenario des traurigen Alterns. Zunächst entlarvt Nehls die titelgebende „Alzheimer-Lüge“. Diese bestehe darin, dass uns die Pharmaindustrie glauben machen wolle, dass Alzheimer und andere demenzielle Erkrankungen eine Folge des höheren Lebensalters seien. So setze man auf die Erforschung von Medikamenten zur Prophylaxe und Therapie einer Krankheit, die aufgrund einer Änderung von Lebensgewohnheiten gar nicht zum Ausbruch kommen müsse. Die wahren Ursachen von Alzheimer sind laut Nehls eng an unser „technophiles, marktkonformes Verhalten und die daraus resultierende Lebensweise“ (S. 380) geknüpft. Eine „Verhaltenstheorie der Alzheimer-Entstehung“ und eine Identifikation der „ursächlichen Mängel, an denen unser Organismus leidet und die durch unsere moderne Lebensweise hervorgerufen werden“ (S. 380) kann dazu beitragen das Erkrankungsrisiko zu minimieren. Erst dann jedoch, wenn es gelingt, eingefahrene Verhaltensweisen möglichst schon im frühen oder spätestens im mittleren Lebensalter zu ändern, kann man, so wie z.B. die Alten auf der japanischen Insel Okinawa, bis ins hohe Alter geistig, seelisch und körperlich fit „wie ein hüpfender Gummiball“ sein (S. 171).
    Zwar ist diese, salopp gesagt, Lifestyle-Theorie an sich nicht neu, denn man trifft sie im Internet und in Printmedien gleichermaßen an. Während sich dort jedoch die Präsentation meistens auf allgemeine Tipps zur gesünderen Lebensführung reduziert, bietet Nehls eine systematische Aufarbeitung aktueller wissenschaftlicher Studien. Nach einem Blick auf die „Grundbausteine des Geistes“, Neuronen und Synapsen, und auf die „emotionale Selbstwerdung“ (hier unterstreicht er die immense Bedeutung des Riechens), des Weiteren nach einem ersten Schlenker (kommt im weiteren Gang des Buches immer wieder zur Sprache) zum „Alzheimer-Toxin“ skizziert der Autor seine „Verhaltenstheorie der Alzheimer-Entstehung“. Dabei illustriert er gut nachvollziehbar die Bedeutung des „Tractus perforans“ (Tor zum Gedächtnis, vor dem Hippocampus) und des „Gyrus dentatus“ (erste Verschaltungsstufe im Hippocampus, seine Dendriten bilden Synapsen mit den Axonen des „Tractus perforans“), die beide für die adulte Neurogenese verantwortlich sind. Bevor der Autor seine Theorie im Detail erläutert, verfolgt er die einzelnen Etappen der Alzheimer-Erkrankung.
    Dies ist nur schwer erträglich.
    Alzheimer ist laut Nehls, so die Hauptthese, eine Mangelerkrankung, die auftritt, wenn die menschlichen Grundbedürfnisse, die sehr anschaulich in einem Hexagramm notiert sind, nicht befriedigt werden. Mängel in jedem der Bereiche erhöhen das Risiko zu erkranken beträchtlich. In den Mittelpunkt des Hexagramms platziert Nehls den „Lebenszweck“, und um diese wesentliche Orientierung auf ein Ziel hin herum positioniert er das „Selbst“, das „Umfeld“, „Ernährung“ und „Bewegung“. Nicht zu vergessen ist als sechster Faktor die „Zeit“.
    Schutzfaktoren sind Bildung, lebenslanges Lernen, Neugier, Stressmanagement (wenig Distress, angemessener Eustress), ausreichend Schlaf und ein guter sozialer Konnex. Man erfährt, dass Alzheimer nur in den seltensten Fällen genetisch bedingt ist, dass jedoch die epigenetische Prägung und die Frage, ob damit eine erhöhte synaptische Plastizität einhergeht oder nicht, von entscheidender Bedeutung sind.
    Für alle Kohlenhydrat- und Schokoladenjunkies hält das ausführlichste Kapitel des Buches („Nahrung für den Geist“) Düsteres bereit. Gerade die sogenannte „Kohlenhydratmast“, obwohl sie, so wie viele tagtäglich bemerken, dem Gehirn kurzfristig Gutes tut, bedingt auf Dauer eine Beeinträchtigung des Denk- und Lernvermögens. Für alle, deren Schulzeit etwas weiter zurückliegt (oder für die, deren Aufmerksamkeit suboptimal war), erklärt Nehls den Unterschied zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren. Letztere sind nicht grundsätzlich besser. Schlechter als beide sind allemal die sogenannten…

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  2. HerbstInes
    ·
    5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Sehr interessant und aufschlussreich!, 18. Mai 2015
    Von 
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    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Die Alzheimer-Lüge: Die Wahrheit über eine vermeidbare Krankheit (Broschiert)
    Durch dieses Buch wird anschaulich und nachvollziehbar dargestellt, dass es in den meisten Fällen kein unausweichliches Schicksal ist Alzheimer zu bekommen. Es ist erschreckend wie durch gezielte Fehlinformationen der Pharmaindustrie, mangelndes Interesse bei den Ärzten und auch Unwissenheit bei den Menschen diese Krankheit immer mehr zunimmt. Es ist beängstigend zu sehen wie viele Menschen Alzheimer bekommen und doch werden solche Ansätze wie in dem Buch beschrieben viel zu wenig genutzt. Klar, die Pharmaindustrie und die Ärzte brauchen keine gesunden Patienten, aber fast jeder Mensch könnte selbst beeinflussen ob er diese furchtbare Krankheit bekommt oder nicht (es ist bei den wenigsten Menschen ein Gendefekt). Natürlich muss man selbst die Initiative ergreifen, man muss sich informieren und handeln und das ist für die meisten Menschen das größte Problem. Es ist ja doch viel einfacher ein paar Pillen zu schlucken als seinen Lebensstil zu beleuchten und ihn umzukrempeln. Aber für die Menschen, die bereit sind zu handeln um gesund zu bleiben, ist dieses Buch dringendst zu empfehlen! Ich werde es jedenfalls überall weiterempfehlen!
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  3. Hermann Scherl
    ·
    59 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Ein lehrreiches Buch, das viel menschliches Leid ersparen könnte., 22. Januar 2015
    Von 
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    Rezension bezieht sich auf: Die Alzheimer-Lüge: Die Wahrheit über eine vermeidbare Krankheit (Broschiert)

    Vorweg: der reißerische Titel dieses Buches, der vermutlich Leute mit paranoidem Hang zu Verschwörungsphantasien besonders ansprechen dürfte, sollte einen nicht von der Lektüre abhalten. Denn anders als es der Titel suggeriert, handelt es sich um ein seriöses, reichhaltig wissenschaftlich fundiertes, aber dennoch leicht lesbar geschriebenes Sachbuch über die Alzheimerdemenz – und vor allem über die Möglichkeiten, sie zu vermeiden. Letzteres ist die frohe Botschaft dieses Buches: Gegen die von manchen medizinischen Experten verbreitete Ansicht, dass die Alzheimerdemenz letztlich jeden heimsucht, wenn er nur lange genug lebt, – die Nehls polemisch als interessengeleitete „Lüge“ darstellt – setzt Nehls seine evolutionsmedizinisch inspirierte und auf eine Vielzahl von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen gestützte These: Alzheimer ist keine unvermeidliche Begleiterscheinung des Alterns, sondern resultiert ähnlich wie beim so genannten Altersdiabetes meistens aus einer nicht artgerechten Lebensführung, u.a. mit falscher Ernährung, zu wenig Bewegung, zu wenig Schlaf und zu viel Stress.
    Anknüpfend an die evolutionsbiologische „Großmutterhypothese“ legt Nehls dar, dass bei der Evolution des homo sapiens eine weit über das Fortpflanzungsalter hinausgehende demenzfreie Langlebigkeit der Großeltern für Kinder und Enkelkinder in den steinzeitlichen Familienverbänden einen wichtigen Überlebens- und Fortpflanzungsvorteil darstellte und sich gerade deshalb genetisch entwickelte. Langlebigkeit nützte in schriftlosen Kulturen vor allem durch Anwendung und Weitergabe von langjährig gesammeltem Erfahrungswissen zum Vorteil der eigenen Familie, aber eben nur, wenn die Alten als Träger des Wissens auch ihr Gedächtnis und ihren Verstand behielten. Dass geistesklare Langlebigkeit möglich ist, sieht Nehls auch durch Befunde aus der ursprünglichen Bevölkerung Okinawas bestätigt, in der es bis in jüngste Zeit bemerkenswert viele über hundertjährige Alte ohne Altersdemenz gab. Allerdings, nach Einrichtung eines großen US-Militärstützpunktes und Ausbreitung des „american way of life“ bei der jüngeren Inselbevölkerung treten nun auch dort zunehmend die üblichen Zivilisationskrankheiten wie Altersdiabetes und Altersdemenz häufiger auf. Mit dem Altern allein haben beide Krankheiten eigentlich wenig zu tun
    Leitgedanke des Buches von Nehls ist das evolutionsmedizinsche Paradigma, dass die modernen Menschen genetisch immer noch an die Lebensbedingungen und die über hundertausende von Jahren gepflegte Lebensweise ihrer Steinzeitvorfahren angepasst sind, aber eben nicht an viele Lebensbedingungen unserer modernen Zivilisation. Denn erstens ist die Zeitspanne seit dem Aufkommen der modernen Zivilisation im Gefolge der Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht für eine umfassende neue genetische Anpassung viel zu kurz, und zweitens wurde seitdem auch die biologische Selektion über Fortpflanzungserfolg kulturbedingt weitgehend außer Kraft gesetzt. Als Mensch „artgerecht“ leben, bedeutet nach Nehls, den weiterhin steinzeitlich geprägten körperlichen und psychischen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, und sie unter den Bedingungen unserer modernen Zivilisation bestmöglich zu befriedigen. Dafür gibt er in der zweiten Hälfte seines Buches viele wissenschaftlich fundierte Hinweise und Empfehlungen für eine demenzpräventive gesunde Lebensführung.
    Der ersten 10 Kapitel des Buches sind vorwiegend der Erläuterung der Alzheimerdemenz und der einschlägigen medizinischen Wissensentwicklung gewidmet. Hier wird medizinischen Laien eine gut verständliche Einführung in grundlegende Kenntnisse über die für Alzheimerdemenz bedeutsamen Hirnregionen und Hirnfunktionen sowie deren pathologische Veränderungen geboten. Oft lässt Nehls dabei auch Erkenntnisse aus der neuesten einschlägigen Forschung einfließen, so dass man als Leser den Eindruck erhält, auf dem aktuellen Wissensstand gut informiert zu werden. In Kenntnis des beruflichen Hintergrund des Autors als in Molekulargenetik habilitierter Mediziner und langjährig in der Pharmaforschung tätiger Wissenschaftler darf man wohl darauf vertrauen, dass er die einschlägige wissenschaftliche Literatur kompetent ausgewertet und für Laien richtig „übersetzt“ hat.
    Die von Nehls selbst entwickelte und im 7. Kapitel des Buches dargelegte „Verhaltenstheorie der Alzheimerentstehung“ weicht indes erheblich von den derzeit herrschenden Sichtweisen in der Alzheimerforschung ab. Dieser Theorie zufolge beginnt die Alzheimerkrankheit mit Störungen bei einer oder zugleich mehreren von vier von Nehls…

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