Der Teufel von Mailand (detebe)

Tourismus

Sonias Sinne spielen verrückt: Sie sieht auf einmal Geräusche, schmeckt Formen oder fühlt Farben. Ein Aufenthalt in den Bergen soll ihr Gemüt beruhigen, doch das Gegenteil tritt ein: Im Spannungsfeld von archaischer Bergwelt und urbaner Wellness, bedrohlichem Jahrhundertregen und moderner Telekommunikation beginnt ihre überreizte Wahrnehmung erst recht zu blühen – oder gerät die Wirklichkeit aus den Fugen?Der Teufel von Mailand ist geduldig. Weit oben im Schweizer Val Solitaria schenkt er dem Hirtenkind Ursina auf der Alp Dscheta einen fruchtbaren Sommer und damit gut genährte Ziegen. In einer staubigen Kutsche ist er ins Dorf gekommen und hat Ursina „unvergleichliche Schönheit, ewige Jugend, Reichtum, Glück und ein Schloss mit hundert Fenstern und dreißig Türmen“ versprochen — im Austausch gegen ihre Seele, versteht sich. Ursina willigt trotzdem ein, denn das Kleingedruckte klingt dem pragmatischen Mädchen allzu verführerisch. Er wolle sie erst holen, sagt der Teufel, wenn es im Sommer Herbst werde, Glut im Wasser brenne, es beim zwölften Schlag der Turmuhr tage, der Vogel zum Fisch und das Tier zum Menschen werde. Da kann, glaubt Ursina, nichts passieren.

Und trotzdem, so unwahrscheinlich es auch klingen mag: Irgendwann treten all diese Ereignisse tatsächlich ein und Ursina muss in die Hölle. Wie sich die Rätsel auflösen, weiß die Physiotherapeutin Sonia lange Zeit nicht. Denn zwei Seiten der Sage, die sie zu Schmökern aus dem Bücherschrank für Gäste an ihrem neuen Arbeitsplatz, einem Hotel im Unterengadin, geholt hat, sind herausgerissen.

Aus diesen fehlenden zwei Seiten hat Martin Suter einen ganzen, spannenden Roman gemacht. Denn in Der Teufel von Mailand spielt irgend jemand aus Sonias Umfeld die alte Sage nach. Eigentlich ist die junge Frau hierher gekommen, um die gescheiterte Ehe mit dem reichen Banker Frédéric Forster zu vergessen — jetzt beginnt ein Alptraum, der schlimmer als die Scheidung ist. Nach einer Vergiftung verliert ein Baum im Sommer seine Blätter, Leuchtstäbe glühen im Hotelpool, jemand manipuliert die Kirchenuhr und Sonias Wellensittich Pavarotti landet im Aquarium. Sind es die mürrischen Dorfbewohner, die ihre Gegend touristenfrei halten und die Physiotherapeutin samt ihrer schönen Chefin vertreiben wollen? Oder hat ganz jemand anders ein Motiv? Und wer ist der geheimnisvolle Fremde, auf dessen dreckigen Wagen im Staub „der Teufel von Mailand“ geschrieben steht? Das alles wird bis zum fulminanten, wahrhaft diabolischen Finale nicht ganz klar. So hält Der Teufel von Mailand bis zum Schluss die Spannung. Vielleicht sogar Suters bestes Buch. –Stefan KellererSonias Sinne spielen verrückt: Sie sieht auf einmal Geräusche, schmeckt Formen oder fühlt Farben. Ein Aufenthalt in den Bergen soll ihr Gemüt beruhigen, doch das Gegenteil tritt ein: Im Spannungsfeld von archaischer Bergwelt und urbaner Wellness, bedrohlichem Jahrhundertregen und moderner Telekommunikation beginnt ihre überreizte Wahrnehmung erst recht zu blühen – oder gerät die Wirklichkeit aus den Fugen?


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