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  1. Roland R. Ropers
    ·
    6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Der Scherbenhaufen der deutschen Türkei-Politik: "Der moralische Bankrott der Bundeskanzlerin", 16. Oktober 2016
    Von 
    Roland R. Ropers – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Der Fall Erdogan: Wie uns Merkel an einen Autokraten verkauft (Taschenbuch)
    Ein mutiges, aufrüttelndes Buch für die deutsche Bevölkerung, die in der Nachrichten- und Meinungsnarkose der Medienmächtigen paralysiert wird. Die Türken-Kennerin Sevim Dagdelen schreibt von der Unterwerfung der deutschen Bundesregierung aus Christ- und Sozialdemokraten unter die düsteren Prämissen der Politik Erdogans. "Es ist dieser moralische Bankrott der Bundeskanzlerin und der Regierung, der sie vorsteht, der nach einer radikalen Wende in der Türkei-Politik schreit. Und dabei geht es nicht nur um die Menschen in der Türkei, sondern um uns alle. Ein geistig-moralischer Beitritt zur Türkei muss verhindert werden…"
    Eine faktenreiche Analyse und Diagnose einer kaum noch demokratisch zu bezeichnenden deutschen Außenpolitik.
    Auf den Seiten 206 – 219 schreibt Sevim Dagdelen:
    „…Wer die Predigten der Islamisten liest oder hört, sollte sich nicht wundern, dass Erdogan es schafft, über die Instrumentalisierung
    der Religion viele Menschen auch in Deutschland für sich zu gewinnen. Indem die Bundesregierung dieses System der institutionellen
    Einflussnahme auf die Moscheegemeinden in Deutschland protegiert, fördert sie regelrecht das Anwachsen der Erdogan-Fans
    auch hierzulande. Sie lässt Erdogan hier frei agieren, seine Staatsbeamten dürfen die Menschen aufhetzen und indoktrinieren.
    Das vorgetäuschte Nicht-wissen-Wollen der Bundesregierung geht so weit, dass selbst eine Antwort auf die Frage, inwieweit
    die aus Ankara entsandten Imame Einfluss auf die in Deutschland lebenden Türken bei den türkischen Parlamentswahlen
    im November 2015 genommen haben, verweigert wird… Während sich die Bundesregierung weiter in den Mantel der Untätigkeit hüllt, sind inzwischen, nicht zuletzt aufgrund des öffentlichen Drucks, in den Bundesländern einige Politiker aufgewacht…Man steht fassungslos vor einem Scherbenhaufen der deutschen Türkei-Politik…"

    Das Buch gehört auf die Bestsellerlisten. Dazu ist der Mut einflussreicher deutscher Journalisten notwendig.

    Roland R. Ropers
    Kultur- und Sprachphilosoph

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  2. Happyx
    ·
    5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    "Die deutsche Außenpolitik unter Merkel jedenfalls kommt Erdogan gegenüber einer moralischen Bankrotterklärung gleich." (SD), 12. Oktober 2016
    Von 
    Happyx (Sei Du selbst, alle anderen sind schon vergeben. (Oscar Wilde)) – Alle meine Rezensionen ansehen
    (TOP 500 REZENSENT)
      

    Rezension bezieht sich auf: Der Fall Erdogan: Wie uns Merkel an einen Autokraten verkauft (Taschenbuch)

    Politik sollte allein dem türkischen Führer vorbehalten bleiben: Das sagte Yigit Bulut am 14. Juni 16 im türkischen Fernsehen Haber. Alles in der Türkei läuft weg vom Staatsgründer Atatürk hin zu einem islamischen Staat mit jenem Kalifen, der heute wie damals von Macht und Expansion träumt. Sevim Dagdelen (SD) zeichnet ein Bild der neuen AKP-Türkei, das Seite für Seite schlicht schockiert.

    Noch vor wenigen Jahren wurde man von der EU für verrückt erklärt, wenn man die Programme der AKP als islamistisch kennzeichnete. Die zunehmende Islamisierung des Landes wurde unter demokratisch subsummiert und eine der größten Fans war Claudia Roth, deren euphorische Parteinahme für Erdogan heute verschwiegen werden soll.

    Es sind die Kleinigkeiten, mit denen SD die Lage erhellt. Bereits 2008 hat die Partei Erdogans, die AKP, jegliche Schweinefleischproduktion behindert, u.a. mit kreativen Auslegungen der EU-Hygienestandards. Aus einem persönlichen Gespräch mit einem Griechen weiß ich, dass heute türkische Wirte an der Grenze zu Griechenland verzweifelt Schweinefleisch einkaufen. Der Kampf gegen Schweine geht in der Türkei so weit, dass die US Zeichentrickserie Winnie Puuh gestrichen wurde, weil dort ein Schwein auftritt. Will man Front machen gegen einen Politiker in der Türkei, dann streut man das Gerücht, dass er bei Besuch in Deutschland Schweinespeck gegessen hat etc. Seit Start der AKP stieg die Biersteuer auf über 60%, der Konsum von Alkohol wird behindert wo immer möglich. Die Partystadt Istanbul wird trockengelegt.

    Christliche Kirchen werden verstaatlicht, geschlossen und behindert wo immer möglich. Schlägertrupps gehen nachts in Alevitenviertel und schüchtern ein, alle Nicht-Muslimischen-Religionen werden massivst behindert – und niemand im Westen möchte etwas davon wissen. Es geht für Erdogan darum, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und ein verlorenes Reich wiederzuerrichten, dieses mal auf islamischer Grundlage. Alle Hindernisse werden aus dem Weg geräumt, ohne Rücksichtnahme auf irgend etwas. „Atatürk selbst ist durch Erdogans Putsch nichts mehr als nur noch der Grüß-August der islamischen Diktatur im Westen“, schreibt SD. Die Bilder Atatürks grüßen wie aus ferner, säkularer Zeit – sie werden wohl als Letztes aus dem Amtsstuben entfernt und durch die von Erdogan ersetzt.

    SD erhellt die Verbindung Gülen-Erdogan und erklärt, dass beide insbesondere die Kurden „unterwandern“ wollten, um sie gefügig zu machen, jegliche Autonomieforderungen sollten erstickt werden. Gülen war ebenso wie Erdogan gegen jegliche laizistischen Forderungen bzw. die Ideen Atatürks. Der Muslimbruder Erdogan nutzte die Gülenbewegung, um selbst nach oben zu kommen bzw. sie bei Gelegenheit zu eliminieren. Er wollte unter allen Umständen die Situation vermeiden, in der Mursi in Ägypten aufgeben musste. Dazu dienten die Anhänger Gülens, zu sonst nichts. Zwei Brüder im Geiste, die keine Macht teilen wollten. Erdogan aber traute dem Westen nicht, nachdem er sah, dass Mursi vom Westen abserviert wurde. Also erfand Erdogan den Agenten Gülen, um seine eigene Macht zu zementieren und ein Eingreifen des Westens zu verhindern.

    Dass Erdogan die Islamisten unterstützte, war im Westen eine Informationstabu, bis vor kurzem. Es war Schluss damit, als aufgrund einer SD Anfrage das deutsche Innenministerium zugeben musste, dass die Türkei eine zentrale Aktionsplattform für islamistische Gruppierungen darstellt. SD benennt die klägliche Rolle der SPD (u.a. Rolf Mützenich) bei der Formulierung von offiziellen Verlautbarungen des Auswärtigen Ausschusses zu dieser Anfrage. Das duckmäuserische Verhalten von Merkel und Steinmeier wird bald zum Megaproblem, meint SD und keiner wollte ihr hier widersprechen. Ein Muslimbruder an der Macht und die Regierungspolitiker sprechen von einem islamisch-konservativen Partner, sozusagen ein CDU-Bruder im Geiste.

    Dieses Buch ist ein Schock, das ich allen empfehle, die hinter die offiziellen Informationen der deutschen Presse blicken wollen. Es schockiert umso mehr, wenn man bedenkt, dass neun von zehn Deutschen die Demokratie in der Türkei gefährdet sehen, ohne diese Details wirklich zu kennen. Die deutsche Bundesregierung schert sich aber nicht um die zunehmende Skepsis deutscher Bürger, sie kooperiert aufs Engste mit der Türkei, sie unterstützt sogar Projekte in Regionen, die vom IS kontrolliert werden, über die türkische Abwicklung (S. 214).

    SD benennt zentrale Punkte bzw. Ziele einer neuen, selbstbewussten Politik Deutschlands gegenüber Erdogan am Ende des Buches. Alleine diese Punkte…

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  3. Anonymous
    ·
    5.0 von 5 Sternen
    "Wer Kritik an Erdogan und der AKP übt, ist ein Volksverräter", 20. November 2016
    Von 
    wolfgang neubacher (A Р5203 K̦stendorf) РAlle meine Rezensionen ansehen
    (TOP 1000 REZENSENT)
      

    Rezension bezieht sich auf: Der Fall Erdogan: Wie uns Merkel an einen Autokraten verkauft (Taschenbuch)
    Wer in den letzten Wochen die diversen Medien "konsumierte", hörte immer wieder den Namen "Erdogan". Erdogan greift nach dem gescheiterten (dilettantisch durchgeführten – wer steckt überhaupt dahinter?) Putsch im wahrsten Sinne des Wortes durch: Massenentlassungen, Massenverhaftungen, Schließung von Medien usw.
    Diese Thematik spielt im Buch von Sevin Dagdelen eine wichtige Rolle – aber nicht nur. Im Mittelpunkt des Buches der Autorin, die Abgeordnete der Linken im deutschen Bundestag ist, steht das aktuelle deutsch-türkische Verhältnis. Ihr Befund ist katastrophal – sie beklagt zB die "Unterwürfigkeit von Merkel und Steinmeier" gegenüber dem türkischen Präsidenten.
    In der deutschen Politik gegenüber der Türkei erkennt sie eine dreifache Fixierung: 1) Flüchtlingsabwehr; 2) Die Türkei in der NATO; 3) Deutscher Kapitalexport und Anlagemöglichkeiten. "Erdogan ist kein Partner, erst recht nicht für Verhandlungen" – so der Schriftsteller Orhan Pamuk..
    Dass Erdogan im syrischen Bürgerkrieg eine äußerst zwielichtige Rolle spielt(e), werde von der deutschen Regierung geflissentlich übersehen; dabei setze Merkel "nicht weniger als die Grundrechte der Deutschen aufs Spiel…"
    Einige "Sünden" Erdogans, aufgezählt von der Autorin: Syrische Flüchtlinge werden in kurdischen und alevitischen Gebieten in der Südosttürkei angesiedelt (sie sollen gleichzeitig die türkische Staatsbürgerschaft erhalten und "brave" AKP-Wähler werden); die Suspendierung von 21 000 Lehrerinnen und Lehrern auf bloßen Verdacht hin; der zunehmende Druck auf Aleviten und andere Minderheiten in der Türkei…
    Besonders schlimm findet die Autorin die faktische Distanzierung von Merkel&Co von der Bundestagsresolution über den Völkermord an den Armeniern im Jahre 1915.
    Summa summarum: Man könnte noch viele weitere Zitate anführen; es würde den Rahmen einer Besprechung sprengen. "Der Fall Erdogan" ist ein sehr, sehr erhellendes Buch, bei dem es einem manchmal kalt über den Rücken läuft – man denke nur an die Idee Erdogans von einem "Großosmanischen Reich"
    Und an alle, die für einen Beitritt der Türkei zur EU sind: Die EU hätte dann Außengrenzen zu Armenien, Georgien, zum Iran und Irak – und zu Syrien. Will das in Europa wirklich jemand?
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