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  1. M. Ernst
    ·
    20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Atlas der unentdeckten Länder, 15. April 2016
    Von 
    M. Ernst – Alle meine Rezensionen ansehen
    (REAL NAME)
      

    Rezension bezieht sich auf: Atlas der unentdeckten Länder (Gebundene Ausgabe)

    Nach „Mit 80.000 Fragen um die Welt“, „Gang nach Canossa – ein Mann, ein Ziel, ein Abenteuer“, „Geschlossene Gesellschaft – ein Reichtumsbericht“ hat sich Dennis Gastmann auch für „Der Atlas der unentdeckten Länder“ wieder in ungewöhnliche Reiseabenteuer gestürzt. Der Adelstitel „Letzter Kaiser von Ladonien“ wird nur einer der besonderen Andenken sein.

    „Jeder, ob Russe, Inder, Dichter oder Seemann, Hundefrau oder Vogelfreund, wünschte sich nichts mehr, als frei zu sein. Von Herzen frei wie der erste Maat, der davon träumte, eines Tages mit seiner Liebe auf einer Segelyacht zu leben. Frei wie mein Kabinennachbar, der sich scheiden ließ, seinen Job kündigte, sein Haus verkaufte, um auf dem Rücken eines Wals zu reiten. Frei wie das Meer auf einer kreisenden blauen Kugel, die der liebe Gott zwischen all die Lampions dort oben im Nachthimmel gehängt hatte.“ 22 Frauen und Männer reisen mit dem kleinen Frachter Claymore in der Südsee, dabei ist der kleine Frachter nur für 12 Passagiere ausgelegt. Dennis Gastmanns Ziel im Südpazifik ist die Hauptinsel der Pitcairninseln Pitcairn, ca. 5000 Kilometer von Neuseeland und 5700 Kilometer von Südamerika entfernt. Hier leben die Nachfahren der Meuterei auf der Bounty. Nicht das einzige Land mit ungewöhnlicher Geschichte. Von Karalkalpakstan, über Ra’s al-Chaima bis nach Athos, die Weltkarte hat mehr zu bieten, als die Reisekataloge hergeben.

    Autor Dennis Gastmann setzt das Highlight an den Anfang des Buches. Die Nachfahren der Meuterei auf der Bounty haben Anziehungskraft. Das abgeschiedene, schwer erreichbare Fleckchen Erde unterstreicht den Mythos. Die Südsee ist für viele ein Traum. Um jedoch „unentdeckte“ Länder wie Pitcairn Island aufzuspüren, braucht es Recherche. Nicht weniger beeindruckend sind die Gambierinseln. Noch nie etwas davon gehört? Es wird Zeit. Welche Tücken ein Abenteuer haben kann, zeigt der Flug mit Air Maybe. Die Ich-Perspektive lässt den Leser hautnah an den Geschehnissen teilhaben. Es ist die ganz eigene Dennis Gastmann-Sprache, die für Unterhaltung sorgt. Der Vertreter des Gonzo-Journalismus berichtet über seine Reisen wie ihm der Schnabel gewachsen ist, subjektiv, Sarkasmus und Humor gehören dazu. „Ich möchte wissen, warum du Touristen hasst“, sagte ich, denn anscheinend war das hier ein konfrontatives Interview, und wie formulierte es mein journalistischer Spiritus Rector immer so schön? Gleich die erste Frage muss deinem Gegenüber in den Fuß schießen.“ Das Interview mit dem Besitzer der Pension Mario‘ auf Mangarevai ganz nach eingefleischten journalistischen Regeln hat einen hohen Schmunzelfaktor. Zwei Sturköpfe treffen aufeinander. Es sind die Begegnungen auf den ungewöhnlichen Reisen, die den Stoff für dieses Buch liefern. Geschichtliches und ein paar Mythen und Legenden sind die Würze. Der Übergang von der Südsee zu Usbekistan fabriziert einen kleinen Kulturschock. Hier die traumhafte Kulisse Strand, Meer, Buckelwal und Riesenschildkröte, Sehnsucht nach Freiheit und plötzlich Papierkrieg, Regeln und das Gefühl, unter ständiger Beobachtung zu stehen. Ein harter Kontrast. In jedem Land lässt sich Schönheit entdecken. Manchmal, wie beim ausgetrockneten Aralsee, ist der Wettlauf mit der Zeit verloren. Im „Atlas der unentdeckten Länder“ reiht sich so manch ungeschliffene Perle aneinander. Tücken und Pannen machen jede Station liebenswert. Im Gedächtnis bleiben der eigenwillige Taxifahrer Wasim und reiche Omar aus dem Kapitel „Ra‘s al-Chaima". Omars Dschinn-Geschichte lässt sich nicht so einfach ins Reich der Fabeln abtun. Als zweites Highlight des Buches erweist sich Akhziviland. Eli Avivi hat sich sein eigenes Königreich an einem Strand an der Küste Galiläas geschaffen. Wie wichtig es ist, frühzeitig interessante Lebensgeschichten aufzuspüren, zeigt sich an diesem Beispiel. Als Dennis Gastmann Akhiziviland ausfindig macht, ist der Zauber dabei zu Grunde zu gehen. Eli Avivis Mut und Sturheit berühren. Jedes Abenteuer hat seinen Reiz. Erfahrungen und Erlebnisse sind von unschätzbarem Wert. Dennis Gastmann teilt sie mit seinen Leser auf ganz eigene Weise, und das macht den Charme seiner Bücher aus.

    Das Cover verzichtet gänzlich auf Kitsch, sondern setzt auf die Abenteuer unserer Zeit im Stil der alten Entdeckerzeiten. Dank Frank Ortmann wird die Neugierde auf das Buch gelenkt. Der Titel hat ebenfalls seinen Reiz. Was fehlt sind ein Vor- und Nachwort. Infos zur Recherche und Reisezielauswahl wären toll gewesen. Ein schöner Ein- und Ausklang sind die…

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  2. TanyBee
    ·
    5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Amüsanter Reisebericht, 11. Mai 2016
    Von 
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    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Atlas der unentdeckten Länder (Gebundene Ausgabe)
    Schon mal von Transnistrien gehört? Oder Karakalpakstan? Nein?? Ich hatte auch noch nie davon gehört, bevor ich dieses Buch gelesen habe. Da denkt man, man kennt die meisten Länder der Erde und kann sie zu mindestens grob einordnen und dann das: gleich 8 Länder, von denen ich größtenteils noch nie gehört habe!

    Los geht‘s mit Pitcairn, eine Insel mitten im Nichts, die nicht mit dem Flugzeug und nicht mit dem Hubschrauber zu erreichen ist sondern nur mit einem Schiff und das auch nur alle drei Monate. Dort wohnen die Nachfolger der Überlebenden der Meuterei auf der Bounty und zwar insgesamt nur knapp 50 Personen. Wie in jedem Kapitel erfährt der Leser viel über die Hintergründe und die Geschichte des Landes bzw. der Insel. Aber vor allem macht der Leser eines: herzhaft lachen.

    Der Autor Dennis Gastmann hat einen sehr lustigen Schreibstil. Trotzdem werden auch ernste Themen angeschnitten und viel über die Kultur und Geschichte der Reiseziele erzählt. In meinem Augen hat Gastmann genau die richtige Mischung gefunden: er stellt sich selbst als Reisender und Erzähler nicht zu sehr in den Mittelpunkt, aber erst durch seine persönlichen Erlebnisse und Anekdoten wird ein Land wie Transnistrien überhaupt interessant für mich. Hier eine Liste der Länder für alle, die jetzt neugierig geworden sind: Pitcairn, Karakalpakstan, Ladonien, R’as al-Chaima, Akhzivland, Transnistrien, Palau, Athos. (Den Begriff „Land“ darf man dabei nicht zu genau nehmen.)

    Ich reise gerne gemütlich, mit Hotelbuchung im Voraus und so weiter und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie man noch reisen kann. Man kann auch im Supermarkt übernachten, zum Frühstück transnistrische Eier essen, die in einer dick verkrusteten Pfanne gebraten wurden oder drei Tage lang brechen bei der Anreise, zusammen mit allen anderen Mitreisenden (für nur 5000 neuseeländische Dollar!).

    Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen. Mich kriegen keine zehn Pferde nach Transnistrien (vom Namen her mein Lieblingsland, wie man merkt), aber es war schön, wenigstens als Leser dorthin reisen zu können. Diese Länder wären ohne den „Atlas der unentdeckten Länder“ für mich größtenteils wirklich unentdeckt geblieben. Danke an den Autor, dass er uns als Leser mitgenommen hat!

    Übrigens eignet sich das Buch gut als Geschenk, es sieht
    sehr hochwertig aus und macht einen edlen Eindruck (tolle Papierqualität!).
    Vielleicht für jemanden, der denkt er war schon überall 😉

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  3. Michele Schmidt
    ·
    2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Reiseberichte vom Ende der Welt, 17. Mai 2016
    Von 
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    Rezension bezieht sich auf: Atlas der unentdeckten Länder (Gebundene Ausgabe)
    Dennis Gastmann erkundet die letzten unentdeckten Länder dieser Welt: Akhzivland, Karakalpakstan, R’as al-Chaima – unbekannte Orte, fern, exotisch oder vergessen. Er begibt sich auf eine Reise zu den Ausläufern unserer Zivilisation. Wie sieht es dort aus? Wie lebt man dort? Und was sagt das über den Rest unserer durchorganisierten Erde?

    Dieses Buch berichtet von Orten, von denen wohl sehr sehr wenige vorher schon gehört hatten und die man in keinem Reiseführer findet.
    Dabei präsentiert der Autor hier keinen klassischen Reiseführer, sondern Erlebnisberichte aus eigener Erfahrung. Und genau so lesen sich die verschiedenen Abschnitte; subjektiv, humorvoll, sarkastisch und wie dem Autor der Schnabel gewachsen ist. Er lässt den Leser an seinen Gedanken und Gefühlen teil haben.
    Der Sprachstil des Buches ist leicht verständlich, sehr anschaulich und hat einen hohen Schmunzelfaktor.
    Die ungewöhnlichen Begegnungen des Autors bringen dem Leser jedes Land mit seinen Eigenheiten und Merkwürdigkeiten näher.
    Ebenso die faszinierenden Kulturen und die traumhafte Kulissen aus Strand, Meer, Bergen, Dschungel uvm.
    Im Gedächtnis bleiben liebenswürdige und eigenwillige Einwohner, komplizierte und merkwürdige Gesetze und Regeln und tragische Schicksale unbekannter Staaten.

    Die Coverillustration verbindet moderne Elemente wie Flugzeug und Motorboot mit dem Stil von historischen Seekarten.
    Und auch im Buch finden sich zwei dieser tollen Kunstwerke.
    Auf Fotos von den einzelnen Stationen verzichtet der Autor leider gänzlich. Aber allein durch die bildhaften Erzählungen gewinnt der Leser trotzdem einen guten Einblick in jedes Land.
    Warum der Autor ausgerechnet diese Länder ausgesucht hat, oder wie er sie überhaupt entdeckt hat, verrät er dem Leser allerdings nicht.
    Auch ein Vor- und Nachwort wären eine gute Idee gewesen. So fehlt dem Buch ein bisschen der abschließende Rahmen und die Berichte enden recht abrupt.

    So hat das Buch hier und dort ein paar kleine Ecken und Kanten. Insgesamt erhält man aber eine kurzweilige und interessante Lektüre über Orte und Menschen, die man sonst nie kennen gelernt hätte.

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