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  1. M. Lehmann-Pape
    ·
    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Provozierende Analyse, 11. April 2013
    Von 
    M. Lehmann-Pape – Alle meine Rezensionen ansehen
    (REAL NAME)
      

    Rezension bezieht sich auf: Armutszeugnis: Warum heute mehr Menschen hungern als vor 20 Jahren (Broschiert)
    Obwohl prozentual die Relation zwischen „versorgten“ und „hungernden“ Menschen sich seit 1960 deutlich verringert hat (von 37% auf 14,6%) ist dies in keiner Weise ein Argument oder ein Anlass zur Entspannung auf Seiten der reichen und versorgen Gesellschaften. Denn in absoluten Zahlen stellt sich die Frage des Hungerns, wie Datta eindrücklich darlegt, sehr viel negativer dar. Fakt ist, dass in der Gegenwart deutlich mehr Menschen auf dieser Welt Hungern als noch vor 20 Jahren.

    „Jeden Tag stirbt (verhungert) eine Kleinstadt“.

    Zahlen, die verdeutlich, dass die hehren Ziele der UN-Vollversammlung offenkundig nicht erreicht werden können. Und das liegt nicht an der Hilfe der Geberländer. Sondern ist politisch-systemisch bedingt, wie Asit Datta fundiert und sehr lesenswert im Buch minutiös darlegt. So stellt sich dieses Buch im Kern als ein sachlich argumentiertes und durchaus drängendes Plädoyer für eine erkennbare Politikänderung dar, nicht unbedingt als ein Bettelbrief oder Hilferuf für mehr finanzielle Mittel.

    Nicht nur also in den Wellen der Finanzkrise an den Börsen, Arbeitsmärkten oder im Blick auf drängende Staatsverschuldungen im Westen, sondern auch ganz direkt, lebensgefährdend, zeigen sich die Auswirkungen der fast rahmen los gewordenen Liberalisierung der Wirtschaft mit ihren Auswirkungen auf das Auseinanderklaffen der Schere zwischen Reich und Arm im Blick auf die „unterste Milliarde“ Menschen auf der Welt.

    Wobei Datta in seiner breiten und sachlichen Vorgehensweise natürlich in keiner Weise die „hausgemachten“ Probleme, die Korruption, die Misswirtschaft, die bewaffneten Konflikte als Mitverursacher eines „einfach nicht besser werdenden“ Zustandes verschweigt.

    In seinem Kapitel „Wer hungert und warum“ liest sich seine Bestandsaufnahme durchaus aufrüttelnd, nennt er Ross und Reiter und führt an, das meistens „Nahrungsmittelmangel selten die Ursache für Hunger ist“. Sondern jene sich immer stärker ausprägenden Formen der Ungleichheit in Bezug auf die Geschlechterfrage, den Handel, die Nutzung von Ressourcen, den, wie Datta prägnant formuliert, „Klassenkampf von oben“, der die moderne Welt mehr und mehr sichtbar prägt. Zumeist ohne Skrupel oder Rücksicht. Mit den, auch dies hoch interessant zu lesen, „heimlichen Herrschern der Welt“, die Datta stellvertretend anhand der Weltbank, der WTO und des Internationalen Währungsfonds darstellt.

    Nicht nur nebenbei oder kurz, sondern ebenso sachlich und ausführlich wie seine Analyse bietet Datta in den letzten beiden Kapiteln des Buches Lösungsansätze an, Notwendigkeiten, wenn man den Hunger auf dieser Welt tatsächlich aktiv bekämpfen möchte.

    Wie eine Nachhaltigkeit sich strukturieren könnte ist dabei der eine Schwerpunkt („Green Economy“, wie dann auf den verschiedenen Stationen von der individuellen Ebene bis hin zur globalen Ebene Handlungen vollzogen werden können ist der zweite Schwerpunkt, den Datta dem Leser mit an die Hand gibt. Und damit auch den Leser selbst aufruft. Eine Verlagerung im Sinne eines „ich als einzelne Person kann ja doch nichts tun“ lässt Datta dabei nicht um sich greifen.

    Alles in allem ein sehr sachliches, klares und strukturiert argumentiertes Buch, dass den Zustand des Hungers auf der Welt, dessen Ursachen und die, für eine Bekämpfung notwendigen, Veränderungen verständlich und nachvollziehbar vor Augen führt.

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  2. F. Grossmann
    ·
    4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Entwicklungshilfe muss Prioritaet haben, 16. April 2013
    Von 
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    (TOP 1000 REZENSENT)
      

    Rezension bezieht sich auf: Armutszeugnis: Warum heute mehr Menschen hungern als vor 20 Jahren (Broschiert)

    Auf den ersten Blick scheint die Welt im Kampf gegen die Armut signifikante Fortschritte zu machen. In den letzten 50 Jahren hat sich der prozentuale Anteil der an Hunger oder Unterernährung leidenden Weltbevölkerung in etwa halbiert – von gut einem Drittel auf etwa ein Sechstel. Ebenso die Sterblichkeit bei Kindern. Die Beschulungsrate liegt nun bei 80%. Die Lebenserwartung in Entwicklungsländern hat sich von 44 auf 65 erhöht. Solche statistischen Zahlen, so der Autor, seien allerdings mit Vorsicht zu genießen. In absoluten Zahlen sieht das Ganze anders aus. In den letzten 20 Jahren stieg die Zahl der Hungernden um 25%, von 815 Mio. Menschen im Jahr 1990auf eine Mrd. Jahr 2011. Täglich sterben 25 000 Menschen an den Folgen von Hunger bzw. Unterernährung, darunter 11 000 Kinder.

    Datta schließt sich der Analyse des Oxford-Prof. Paul Collier an. Es gibt durchaus in vielen Ländern deutlicher Entwicklungsforstschritte – siehe die Ländergruppe BRICS – Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika. Nicht voran geht es jedoch für die unterste Milliarde, zu der die meisten Länder in Schwarzafrika gehören, aber auch bspw. der Jemen, Haiti und Bolivien in Lateinamerika, Laos, Kambodscha, Birma, Nordkorea in Ostasien – insgesamt 58 zumeist kleine Länder. Ausschlaggebend seien kriegerische Dauer-Konflikte, das fatale Gerangel um Ressourcen bzw. die fehlende Nutzung für den Aufbau einer volkswirtschaftlichen Basis, der fehlende Zugang zum Meer , die Umgebung feindlich gesonnener Nachbarn, und insgesamt eine schlechte Regierungsführung.

    Bei allem Fortschritt der beiden asiatischen Giganten und einer wachsenden Zahl von Super-Reichen (inzwischen gibt es über 1 Mio. chines. Millionäre), dürfe allerdings nicht vergessen werden, dass es auch dort noch eine große Zahl hungernder Menschen gäbe – 220 Mio. in Indien, in China 130 Mio.

    Für das Auseinanderklaffen der Arm-Reich-Schere in diesen Ländern trage die Liberalisierung der Wirtschaft die Hauptschuld. IWF, WTO und in geringerem Maße die Weltbank erzwingen mit ihrem überzogenen Druck zur Konsolidierung der Staatshaushalte den Abbau notwendiger Verwaltungskapazitäten, sowie eine Privatisierung in Bereichen wie Bildung, Gesundheitsfürsorge, Wasserversorgung, was dann zu einem Ausschluss der armen Bevölkerungsschichten führen würde. Die Durchsetzung der Freihandelsdoktrin – Abbau von Subventionen, Privatisierung staatlicher Produktionsbetriebe, Abbau von Zöllen – führe dazu, dass die zarten Pflänzchen einheimischer Industrialisierung unter dem internationalen Konkurrenzdruck zerstört würden.
    Besonders fatal: Im Rahmen der Strukturanpassungsprogramme (SAPs) des IWF wurden Entwicklungsländer gezwungen, sämtliche Landwirtschaft-Subventionen einzustellen. EU und USA, so der Autor, unterstützten ihre Landwirte hingegen mit täglich einer Milliarde Dollar in Form von Ausgleichszahlungen und Exportsubventionen.Dies führt zu Wettbewerbsbedingungen, die alles andere als fair sind.

    Die kritischen Stimmen zu den herkömmlichen Formen der Entwicklungshilfe werden mit Recht zunehmend lauter. Dass bedingungslose Finanztransfers an Regierungen armer Länder häufig eher schaden als nutzen, da diese Mittel häufig zweckentfremdet verwendet werden, erkennt und diskutiert man schon seit Längerem. In wachsendem Maße gerät auch die Rolle der NGOs in die Kritik, die ebenfalls – wenn auch indirekt – mit halbkriminellen Politikern, kriegstreibenden Regionalfürsten etc. kooperieren, teils in der guten Absicht, so zumindest denen, die wirklich Hilfe benötigen überhaupt in gewissem Umfang helfen zu können, teils aber auch, um ihre Marktposition" zu sichern. Auch gibt es hinreichend viele Untersuchungen über den lähmenden Effekt einer Entwicklungshilfe, die flächendeckend – etwa mit Getreide – versorgt, und damit einheimischen Produzenten das Wasser abgräbt.

    Conditional Cash Transfer Programme (CCT), wie bspw. PROGRESA bzw. OPRTUNIDADIS in Mexico, PETI bzw. BOLSA FAMILIA in Brasilen oder ATENCION A CRISIS in Nicaragua hält Datta hingegen für sinnvoll. Im Rahmen von Bolsa Familia, so der Autor, erhielten Familien mit Kindern unter 14 Jahren zunächst 60, dann 80 USD monatlich – unter der Bedingung, dass die Eltern die Kinder Impfen lassen, Entwicklungsberatung in Anspruch nehmen und für den Schulbesuch sorgen. Der Anteil unterernährter Kinder (unter zwei Jahren) wurde bereits bis 2006 von 12,7 % auf 3,5 % gesenkt, die Kindersterblichkeit fiel um 47 %. Im besonders armen Nordosten Brasiliens, fiel die Unterernährung in der Bevölkerung von 17,9 % auf 6,6 %.

    Natürlich gibt es auch Kritik an diesem Programm. Diese bezieht…

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