Amerika vor Kolumbus: Die Geschichte eines unentdeckten Kontinents

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Amerika

Charles C. Mann schreibt die Geschichte des vorkolumbischen Amerikas. Er macht deutlich, dass die indianischen Kulturen oftmals weiter entwickelt waren als die europäische. Ihre Boote waren schneller und wendiger als die der Europäer, ihre Städte größer als das damalige Paris. Kolumbus‘ Ankunft in Amerika veränderte den Kontinent fundamental. Zwei Zivilisationen trafen aufeinander, deren Historie und Kultur unterschiedlicher nicht hätten sein können, und für die Ureinwohner war die Begegnung folgenschwer: Die Masern-, Pocken- und die Grippeviren, welche die Europäer einschleppten, rafften einen Großteil von ihnen dahin, Kriege entmachteten sie. Mann lässt das vorkolumbische Amerika aufleben. Er gewährt uns überraschende Einblicke in die Lebensweise der Ureinwohner und zeigt, wie noch heute ihre Mais-, Kürbis- und Kartoffelanbauflächen weite Teile des Kontinents prägen.
«Amerika vor Kolumbus» ist ein wichtiges, mitreißend erzähltes Buch.

«Die Indianer waren keine nomadischen, ökologisch vorbildlichen Menschen, die zu Pferde Büffel jagten. Sie erbauten und bevölkerten einige der größten und reichsten Städte der Welt. Keineswegs abhängig von der Großwildjagd, lebten die meisten Indianer auf Farmen. Amerika war unermesslich geschäftiger, mannigfaltiger und dichter bevölkert, als es sich die Forscher früher vorgestellt hatten. Und älter war es auch.»

Das Buch wurde von der National Academy of Sciences als bestes Buch des Jahres ausgezeichnet.


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2 Replies to “Amerika vor Kolumbus: Die Geschichte eines unentdeckten Kontinents”

  1. 6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Naturvölker am Amazonas oder Pauperisierte Migranten in der Brache, 26. Oktober 2016
    Von 
    Bernd Sauerwein – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Amerika vor Kolumbus: Die Geschichte eines unentdeckten Kontinents (Gebundene Ausgabe)

    Ich bin hocherfreut, daß es das Buch auf deutsch gibt. Zur engl. Fassung schreib ich in den Notizbüchern der Kasseler Schule 2006

    Das europäische Bild indianischer Kulturen und der vorkolumbianischen Landschaft Amerikas ist von Karl May und James F. Cooper geprägt: Heroische Naturvölker, die sich vor allem in Nordamerika gegen die europäischen Eindringlinge, besonders ge-gen die Bösen unter ihnen, wehrten. Die Ankunft der Europäer reißt sie aus einem genügsamen Dasein als Jäger und Sammler. Hollywoodfilme zeigen die Weite der Prärie; eine Naturlandschaft, in der riesige Herden wilder Büffel lebten, die die India-ner jagten. Und von denen sich auch die Siedler auf den Trecks nach Westen ernähr-ten, bevor Buffalo Bill die wilden Tiere abschoß. Von den Maisfeldern der seßhaften Pueblo-Indianer wird in den Romanen und Hollywoodfilmen allenfalls am Rande be-richtet. Bis auf diese wenig beachtete Ausnahme scheint die Landschaft Nordameri-kas vor Kolumbus vom Menschen völlig unbeeinflußt.
    In Mittel- und Südamerika hingegen sind die mächtigen Bauten der mesoamerikani-schen Indianerhochkultuen nicht zu übersehen. Deren Bewässerungskulturen und die zur Landbewirtschaftung großflächig terrassierten Bergzüge werden jedoch allen-falls als regionales Phänomen wahrgenommen. Wesentlicher und charakteristischer für die indianische Bevölkerung scheinen die nackten Urwaldindianer am Amazonas. Als Jäger und Sammler der Früchte des Urwaldes gelten sie als Überlebende steinzeit-licher Kultur im Urwald. Das Klischee der indianischen Naturvölker, einer Naturland-schaft der Romane und Filme basiert auf frühen Reiseberichten der Eroberer und 'Entdecker'. Der Urwald Süd- und die Prärien Nordamerikas erschienen ihnen gleich-ermaßen wenig vom Menschen beeinflußt.

    Mit diesem Mythos passiver Naturvölker in ursprünglicher Natur, der nicht nur in Euro-pa sondern auch auf den amerikanischen Kontinent gegenwärtig ist, räumt Charles C. Mann in seinem Buch "Ancient Americans. Rewriting the History of the New Word" auf. Der Wissenschaftsjournalist faßt die Debatte amerikanischer Archäologen zur Be-siedlung des Kontinentes zusammen. Für Landschaftsplaner interessant ist sein Buch, weil er sowohl den Einfluß der neolithischen und – in Übertragung europäi-scher Terminologie – der metallzeitlichen Kulturen auf die Vegetation und Landschaft darlegt, als auch das falsche Bild einer in weiten Teilen vom Menschen unbeeinfluß-ten 'Natur'landschaft Amerikas wiederlegt, die das europäische, westliche Verständnis von Natur und Landschaft prägte.

    Ch. C. Mann beginnt chronologisch mit der Einwanderungs- und Kulturgeschichte der indianischen Völker. Nicht erst im 11. Jhd. v. Ch. und auch nicht allein über die Be-ringstraße wurde der Kontinent besiedelt, sondern wesentlich früher und in mehreren Etappen. Die neolithische Revolution war unabhängig von Asien und Europa. Die ersten 'metallzeitlichen' Kulturen (Beni) brachen in katastrophalen Trockenperioden im 11. Jhd. zusammen. Neue Hochkulturen entstanden, so daß der Kontinent zum Zeit-punkt der 'Entdeckung' von Nord bis Süd durchgängig und vor allem dicht besiedelt war. Krankheiten (insb. Windpocken, Masern), von den Europäern eingeschleppt, ver-nichteten annährend 80-90 % der Bevölkerung . Die Bevölkerungszahl von Zentral-mexiko sank in ca. 100 Jahren zwischen 1451 und 1545 von ca. 25 Millionen auf ca. 3 Millionen noch bevor die Eroberer in das Innere des Landes vordrangen. Daher war die Landnahme so einfach und problemlos: Die Eroberer trafen auf ein entvölkertes Land, auf eine scheinbar naturbelassene Landschaft.

    Tatsächlich war die vorkolumbianische Landschaft vom Menschen hergestellt: nahezu durchgängig von den Prärien Nordamerikas bis hin zu den Urwäldern des Amazonas. Die Weite der nordamerikanischen Prärie war nur zum Teil Weide für die Büffelher-den. Die Büffeljagd war für die meisten Völker notwendig, nicht zum Fleischerwerb (das aßen sie freilich auch) sondern vor allem, um die Herden von ihren Äckern fern zu halten. Maisäcker, brachgefallen nachdem die indianischen Bauern an europäi-schen Seuchen gestorben waren: Das war in weiten Teilen die "Prärie", die die Euro-päer vorfanden. Frühe Reisebeschreibungen der ersten europäischen Siedler (Briten, sic!), die begeistert von herrlichen, aufgelockerten natürlichen Parklandschaften be-richten, dechiffriert Ch. C. Mann als Beschreibungen von brachem, verbuschendem Acker- und Weideland. Ebenso verbracht ist der Terrassen- und Bewässerungsland-bau der…

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  2. 5.0 von 5 Sternen
    Amerika als Neuland, 15. November 2016
    Von 
    Lieber Leser – Alle meine Rezensionen ansehen
    (TOP 1000 REZENSENT)
      

    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Amerika vor Kolumbus: Die Geschichte eines unentdeckten Kontinents (Kindle Edition)

    Es gibt Sachbücher über historische Zusammenhänge die Fakten darstellen, Zeitabläufe aufzeigen und uns mit der beruhigenden Erkenntnis zurücklassen einen klaren, unzweideutigen Blick auf die historische Wirklichkeit erlangt zu haben. Es gibt aber auch Bücher wie das Vorliegende, das für sicher gehaltenes Wissen grundlegend in Frage stellt. Das tut es auf eine derart überzeugende Weise, dass man am Ende tatsächlich viel Neues gelernt hat und im besten Fall auch in Zukunft skeptischer auf das blickt was allzu leicht als völlig geklärt dargestellt wird.
    Charles C. Mann hat bereits mit seinem Buch “Kolumbus Erbe“ einen Blick auf die neue Welt geworfen und aufgezeigt wie drastisch sich sowohl die neue als auch die alte Welt durch die Durchdringung der beiden Hemisphären seit Kolumbus verändert hat. Der Austausch von Pflanzen und Tieren hat beide Welten dauerhaft verändert.

    Wie aber sah der amerikanische Kontinent vor Kolumbus aus? So wie wir ihn durch Lederstrumpf, Karl May und Western kennen? War er bevölkert von edlen Wilden die im Einklang mit der Natur lebten und von ihr nur das nahmen was sie bereitwillig hergab? Waren seine Völker Steinzeitmenschen, Jäger und Sammler ohne Kultur? Maya und Inka als Erbauer großer Bauwerke bloße Ausnahmen und der Kontinent im Grunde kaum besiedelt und eine prächtige Urlandschaft?

    Natürlich würde ich all diese Fragen nicht auflisten wenn die Antwort nicht: „Nein, so war es ganz und gar nicht“ wäre.
    Der Autor widmet sich zunächst der Frage der Besiedlungsdichte. Charles C.Mann wirft dem Leser allerdings nicht einfach ein: es war ganz anders als gedacht, und zwar so und so, an den Kopf. Vielmehr stellt er dar wie sich über viele Jahrzehnte, teils Jahrhunderte das immer noch vorherrschende Bild eines im Grunde kaum besiedelten Kontinents gebildet hat. Archäologen und Historiker werden mit ihren Theorien vorgestellt. Es werden historische Quellen zitiert und der Autor nimmt den Leser mit durch ein Stück Wissenschaftsgeschichte angereichert mit persönlichen Eindrücken und vor Ort Erfahrungen. Im laufe dieser Schilderungen erläutert der Autor warum jüngere Forschungen althergebrachte Ansichten in Zweifel ziehen und welche Kontroversen derzeit zwischen den Wissenschaftlern noch bestehen.So ergibt sich ein komplettes und komplexes Bild über den tatsächlichen Stand des Wissens. Diese Darstellungsweise, welche Theorien und Sichtweisen gibt es, was spricht für und was gegen sie, ist erfrischend undogmatisch und fordert zum Mitdenken heraus.

    Diese Methodik wendet der Autor auch auf die anderen Themen seines Buches an: welche Kulturen gab es und wie entwickelt waren sie, was waren ihre kulturellen Leistungen, wie groß war der ökologische Einfluss der Indianer auf die Umwelt (sehr, sehr groß!), wie und wann wurde der Kontinent besiedelt, warum konnten die Europäer in relativ kurzer Zeit diesen Kontinent für sich vereinnahmen usw.
    So ergibt sich ein ganz anderes Bild von Nord-, Süd- und Mesoamerika als das das uns in der Schule, in Filmen oder Büchern vermittelt wurde. Die Amerikas waren die Heimat von Abermillionen Menschen unterschiedlichster Kulturen. Es gab Städte die es mit jeder europäischen Stadt ihrer Zeit in Hinblick auf Bevölkerungszahl und Infrastruktur aufnehmen konnten, die Landschaften waren in höchstem Maß von menschlichem Einfluss geprägt, was offenbar selbst für da Amazonasgebiet gilt, dem vermeintlich ursprünglichsten Biotop. Überall wurde eine hochentwickelte Landwirtschaft betrieben, die die Landschaft dauerhaft veränderte. Die Lebensbedingungen dieser Völker waren zum Teil deutlich besser als die ihrer europäischen Entdecker.
    Natürlich haben diese hochstehenden Kulturen auch eine eigene Politik betrieben. Wie in Europa gab es Konflikte und kulturellen Austausch. Diese eigene Agenda war zum Teil ursächlich für die spätere europäische Dominanz, da sie ihnen ungewollt in die Hände spielte
    Das von Europäern eingeschleppte Krankheiten, besonders Masern und Pocken, die indianische Bevölkerung dezimierten dürfte bekannt sein. Das ganze Ausmaß dieser Katastrophe war aber weit größer als viele meinen und was die genauen Ursachen dafür sind stellt Mann ausgezeichnet dar.
    Am Ende ist man verblüfft, wie viel vermeintlich gesichertes Wissen über die Geschichte des amerikanischen Kontinents und seiner Menschen revidiert werden muss. Klar wird aber auch, dass noch sehr vieles zu entdecken bleibt und der heutige Wissensstand nur ein vorläufiger sein kann.

    Der Autor wirft zum Schluß einen Blick auf das was der Welt durch die…

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