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  1. Highlightzone
    ·
    2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Zur Karikatur gemacht, 28. November 2013
    Von 
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    (TOP 500 REZENSENT)
      

    Rezension bezieht sich auf: Alte Meister: Graphic Novel (Broschiert)
    Schon sehr lange wurde gemunkelt, dass der traditionsreiche Suhrkamp Verlag sich auch am Graphic-Novel-Boom beteiligen würde. Namhafte Zeichner sollten Titel aus dem regenbogenfarbenen Verlagsprogramm mit Autoren wie Hermann Hesse, James Joyce oder Martin Walser umsetzen. Lange hat es gedauert bis zu erfahren war, dass der eher spartanisch zeichnende Wiener Humorist Nicholas Mahler (“Flaschko“, “Engelmann“) sich an einer Adaption von “Alte Meister“, einem Roman seines Landmannes Thomas Bernhard, versuchen würde.

    In dem sich humorvoll mit der (bildenden) Kunst auseinandersetzenden Buch schreibt Bernhard: “Ein großes bedeutendes Bild halten wir nur dann aus, wenn wir es zur Karikatur gemacht haben.“ Dieser Satz könnte den Ausschlag dafür gegeben haben, Mahler auf Bernhard loszulassen. Die tragikomische Geschichte handelt vom Kunstkritiker Reger, der versucht den Tod seiner Frau dadurch zu verkraften, dass er sich die Meisterwerke im Wiener Kunsthistorischen Museum so lange anschaut bis er einen Makel findet. Nur Titoretto Gemälde “Der weißbärtige Mann“ hält seinem kritischen Blick stand, was auch daran liegen kann, dass Reger einst beim Betrachten dieses Bildes seine Frau kennengelernt hat.

    Mahler adaptiert den Roman in zumeist großformatigen Bildern und arbeitet dabei (für seine Verhältnisse) relativ detailreich. Mit wenigen Strichen bringt er gut erkennbare altmeisterliche Gemälde zu Papier und die stilvoll eingesetzte gelbgoldene Schmuckfarbe unterstreicht den musealen Schauplatz der Geschichte. Bernhards leicht absurder Humor scheint Mahler zu liegen, der auch die Tragik der Geschichte nicht ausspart. Trotz ernsthafter Themen ist “Alte Meister“ ein zugänglicher leichtfüßiger Comic, der neugierig macht auf den adaptierten Roman.

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  2. Daniel Büttrich
    ·
    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Witziger Saaldiener Irrsigler!, 2. März 2013
    Von 
    Daniel Büttrich – Alle meine Rezensionen ansehen

    Rezension bezieht sich auf: Alte Meister: Graphic Novel (Broschiert)
    Der Literaturcomic ist sehr witzig gezeichnet. Mahler hat gute Einfälle, um die Vorlage in einen kurzweiligen Comic umzusetzen. Die Figuren sind sehr eigenwillig, phantasievoll und mit einem Augenzwinkern gezeichnet. Besonders angetan hat es mir der kleine, dicke Saaldiener Irrsigler. Die anfängliche Passage zu Irrsigler ist herrlich: "Irrsigler ist, seit ich ihn kenne, immer gleich bleich, obwohl er nicht krank ist, und Reger bezeichnet ihn seit Jahrzehnten als einen Staatstoten, der seit fünfunddreißig Jahren im Kunsthistorischen Museum Dienst macht. Irrsigler hat gesagt, schon als kleines Kind sei sein höchster Wunsch gewesen, der Wiener Polizei beizutreten. Er habe nie einen anderen Berufswunsch gehabt. Die Polizei hat Irrsigler aber abgewiesen wegen physischer Schwäche. Auch zur Polizei hatte Irrsigler ja nur gehen wollen, weil ihm mit dem Beruf als Polizist das Kleiderproblem als gelöst erschien. Lebenslänglich in dasselbe Gewand zu schlüpfen und dieses lebenslängliche Gewand nicht einmal selber bezahlen zu müssen, weil es der Staat zur Verfügung stellt, sei ihm als ein Ideal erschienen, und es sei, dieses Ideal betreffend, ja auch kein Unterschied, ob er bei der Polizei oder im Kunsthistorischen Museum angestellt sei, ….".

    Sehr schön dargestellt ist auch der Monolog des Musikphilosophen Reger zur Fehlerhaftigkeit der Alten Meister. Letztlich gipfelt diese Abhandlung in jenem einzigartigen Satz, der mir in Bernhards gesamten Werk der sympathischste ist: "Aber alles das, die ganze Kunst, wie auch immer, ist nichts gegen den einzigen geliebten Menschen … Wir können uns noch so viele Große Geister und noch so viele Alte Meister als Gefährten genommen haben, sie ersetzen keinen Menschen."
    Reger hatte kurz vorher seine Frau verloren, die er im Bordone-Saal des Kunsthistorischen Museums zu Wien, auf der Bank vor dem Weißbärtigen Mann von Tintoretto, kennen gelernt hatte. Bernhard selbst hatte seinen Lebensmenschen, seine Tante" Hedwig Stavianicek verloren und verarbeitete diesen schweren Verlust in Alte Meister".

    Ich kann diesen Literaturcomic wärmstens empfehlen! Hervorragend!
    Es ist überhaupt eine gute Idee, Bernharderzählungen oder -bücher zu Comics zu verarbeiten, das ist ausbaufähig!

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  3. Anonymous
    ·
    5.0 von 5 Sternen
    Grandiose Ergänzung zum Roman, 31. Mai 2016
    Von 
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    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Rezension bezieht sich auf: Alte Meister: Graphic Novel (Broschiert)
    Ganz ehrlich: ich hasse Thomas Bernhard. Ich finde seine schwarz-weiße Sicht auf die Welt prätentiös und nervig. Die Grundmessage von "Alte Meister" hat mir schon zugesagt, aber ich komme mit den Wort- und Satzwiederholungen (ja, ich kenne die Nähe zur Musiktheorie) und den Charakteren einfach nicht klar.
    Der Comic von Mahler hat den Roman in meinen Augen absolut großartig umgesetzt. Es handelt sich aber nicht um einen puren Transfer des Romans in ein neues Medium; das wäre bei der Vorlage auch in meinen Augen nicht empfehlenswert. Vielmehr zerlegt Mahler die Grundthemen des Romans und fügt sie auf eine teils ernsthafte, teils parodistische Weise neu zusammen. Daher ist eine alleinige Lektüre des Comics auch halb so spaßig.
    Darüber hinaus lohnt sich ein Besuch des Kunsthistorischen Museum Wies, wo all die Kunstwerke hängen, die Mahler auf die Schippe nimmt (und die bei Bernhard gar nicht auftauchen). Ich habe mich vor einigen Bildern schlapp gelacht!
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