Wie uns Bungie (& Activision) mit Destiny 2 alle schön verarscht hat

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"DER BEGINN EINER NEUEN LEGENDE!"…so steht’s großspurig in der Produktbeschreibung von Destiny 2 und ich sage euch dass dies nichts weiter als ein leeres Versprechen ist. Wir wurden nämlich alle nur verarscht!

Destiny 2 player countvstats, d2 spielestatistikIch habe jetzt über 300 Stunden in D2 verbracht und fühle mich alles andere als wie eine Legende. Eher wie jemand der auf geniales Marketing herein gefallen ist. Und meinen Freunden geht’s wohl nicht anders, denn kaum einer spielt noch Destiny 2 obgleich der Release erst anderthalb Monate her ist. Dies ist noch verblüffender wenn man bedenkt, dass ich nur für Destiny auf die Xbox gewechselt bin und sämtliche Freunde über Destiny kennen gelernt habe. Diese Situation ist also völlig neu für mich und ich werde euch auch verraten woran das liegt.

Wir haben alle jahrelang Destiny 1 gespielt, gesuchtet und gefeiert, unsere Hüter wurden sogar irgendwann ein Teil von uns und wir wurden wiederum Teil von der Legende die Destiny 1 war. Alles fühlte sich so episch an, wir hinterließen Fußspuren im Spiel egal was wir auch anstellten, wir konnten das Wachsen, die Entwicklung unserer Hüter täglich mitverfolgen. Wir bekamen Grimoire-Punkte mit denen wir zeigen konnten dass wir schon lange dabei sind, wir waren auch reich an Seltsamen Münzen und unsere Tresore waren gefüllt mit raren Kostbarkeiten die wir durch regelmäßiges Grinden und mit viel Glück unser Eigen nennen durften. Wir kannten jede Ecke und jeden Winkel in Destiny, hatten alle toten Geister, Kalzifizierten Fragmente und Siva-Bündel eingesammelt. Es gab einfach Verknüpfungspunkte im Spiel die uns mit dem Destiny-Universum verbanden. War ich auf der Venus unterwegs erinnerte mich das Autowrack unten am Ufer beispielsweise immer daran dass ich dort mal einen toten Geist wieder belebt hatte, gezeigt hatte ihn mir damals ein Freund der Beta-Spieler war und jetzt nach nur 250 Spielstunden auch kein Spaß mehr an Destiny 2 hat. Jedenfalls loggt er sich kaum noch ein, warum sollte er auch? Es macht ohnehin keinen Unterschied ob ich täglich spiele oder mir nur einmal pro Woche den Clan-Loot abhole. Man erkennt nicht mehr ob jemand viel oder wenig spielt, denn Destiny 2 ist zum Casual-Game verkommen. Und das war so beabsichtigt…

Es betrübt mich als ehemaliger Destiny-Fan sehr dies so offen sagen zu müssen, aber Bungie hat uns offensichtlich alle herein gelegt. Sie wollen uns nicht zur Legende werden lassen so wie sie es uns versprochen haben. Zugegeben: Mit Destiny 1 haben sie sich selbst ein Denkmal gebaut, ein Rpg-Shooter der noch zu fesseln wusste und wir glaubten schließlich daran dass Bungie aus Leidenschaft heraus Destiny entwickelt weil dort Visionäre ihr Werk verrichten, für die Destiny mehr ist als nur ein Videospiel – doch mit D2 verkaufen sie uns nun mehr eine casualisierte Cashcow par exellence in der alle unsere Aktivitäten belanglos sind. Selbst der Level-Aufstieg hat nichts legendäres an sich, stattdessen erhält man ein Glanzengramm nach dem anderen und wird jedesmal zum Cashshop geführt. Eine angebliche Legende die als Glanzengramm-Kurrier für das Everversum arbeitet? Wie unglaubwürdig!

Aber das setzt dieser traurigen & geldgeilen Entwicklung eigentlich auch nur die Krone auf, viel schlimmer ist doch dass uns in D2 jegliche Chance genommen wird uns besonders und einzigartig zu fühlen. Auf der einen Seite bauen sie über die Hauptstory recht interessante NPCs auf, wie z.B. die beiden Scharfschützen Suraya Hawthorne oder Devrim Kay, doch nach der Kampagne entpuppen sie sich dann nur als lahme Kiosk-Besitzer, die deine Token wie eine Lottoannahmestelle behandeln um dir Casual-Shit in die Hand zu drücken, Waffen mit denen jeder rumläuft und Rüstungssets die alle tragen. Gähn!

Die Token, die unsere Tresore gleichschalten und uns jeglichen Lootkick nehmen, sind auch kein versehentlicher Fail von Bungie gewesen, sie waren akribisch geplant und das schon seit längerer Zeit. Die Token stellen nämlich gar keine wirkliche Neuerung dar, sie sind nur die konsequente Weiterführung der Vercasualisierungsversuche seitens Bungie, die sich schon gegen Ende von Destiny 1 mit den "Godroll-Reset-Days" der Turmhändler abzeichneten. Der wöchentliche Reset der Turmwaffen hat nicht für mehr Abwechslung gesorgt, so wie er uns angepriesen wurde, er sollte nur den Grind-Loot entwerten damit das Spiel casual-freundlicher und damit profitabler wird. In Destiny 2 wurde der Grind-Loot jedoch nicht entwertet, er wurde ganz entfernt – aus Profitgier. Jetzt gibt es nur noch öden Händler-Loot, und die Token mit ihrer Zufalls-Komponente sollen das lediglich übertünchen indem sie uns ein "Grind-Loot-Erlebnis" vorgaukeln. Doch Händler-Loot bleibt Händler-Loot. Ob ich da nun am Glücksrad drehe oder ihn einfach kaufe, die Reaktion bleibt doch immer dieselbe:"Ja gut, dann habe ich jetzt eben diese Waffe." Und wie sah es damals aus als wir noch geilen GRIND-LOOT bekamen?

So fantastisch und aufregend war Destiny in Jahr 1, ein tief-kalter Ozean wo Du nie wusstest was dich erwartet. Destiny 2 dagegen ist nur noch ein lauwarmes Nichtschwimmerbecken ohne Überraschungseffekt.

Der Hauptgrund weshalb D2 so vercasualisiert wurde ist reine Profitgier gewesen. Denn damit schlägt Bungie 2 Fliegen mit einer Klappe:
1. Casuals machen den größeren Teil der Spieler aus, was die Verkaufszahlen enorm anschwillen läßt.
2. Casuals haben keine Zeit zu grinden, sind also eher gewillt in Silber zu investieren um den Loot einfach im Cashshop zu kaufen statt ihn mühsam farmen zu müssen.

Die Spielerzahlen gehen damit zwar kontinuierlich zurück, da kaum jemand noch Anreize findet D2 regelmäßig und dauerhaft zu spielen, doch die Verkaufszahlen und Silberkäufe steigen rasant an. Die Rechnung der Mathematik-Genies und Finanzexperten bei Activision geht also doch auf, das Potential von Destiny als einzigartiges Grind-Erlebnis voll von Hoffnung und Emotion wurde wegrationalisiert und das Game geht im Casual-Einheitsbrei unter, da es nun kaum weniger belanglos ist als jeder andere Casual-Titel; doch solange bei Bungie u. Activision die Kasse klingelt, läßt sich das verschmerzen. Ist ja auch nicht so schlimm, es platzen ja weltweit nur die Träume von sämtlichen Fans die wirklich dran geglaubt hatten in Destiny könnte man zur Legende werden…

OK. Destiny 2 ist schlecht. Aber in Destiny 3 wird dann doch wieder alles gut werden, oder nicht? Sicher wird es das, für die Casuals auf jeden Fall: D3 wird als CROTA’S ZOMBIE REVENGE VS. THE VEX ARMY MYTHOCLAST RELOADED* die Charts stürmen – Warum? Casuals liiieben Zombies. Doch halt, ein winziger Hoffnungsschimmer bleibt uns ja vielleicht doch: der 3. Teil könnte in der Tat nämlich so dermaßen kitschig werden dass es selbst Carl Casual zu trashy wird und er darauf empört die Koffer packt, und dann bekämen wir unser verloren geglaubtes Destiny überraschend zurück…Neeeh!

* sorry für den Spoiler! 😀

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Autor: Martin Osman Hamann »

Martin Osman Hamann bloggt hier schon seit 2009 und es ist immer noch so aufregend wie am Ersten Tag. Was wahrscheinlich daher rührt weil er bisher nur 1 Artikel oder so veröffentlicht hat :)

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6 Kommentare

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  1. Es ist kurios, ich habe keine Sekunde Destiny gespielt, aber deinen gesamten Artikel mit Spannung gelesen… Deine Beschreibung vom legendären grinden erinnert an glorreiche MMORPG Zeiten mit meiner Frau in Perfect World (Damals so nen geiler kostenloser Shit bei dem man auch fliegen konnte und Haustiere hatte xD). Schade, dass die Fortsetzung von deinem Liebling so verhunzt wurde 🙁 Hattest du nicht sogar Pappaufsteller? Irgendwas habe ich da mal bei Facebook gestalked… Martin, mach dir nen schönen Abend, und danke für den Einblick in die Destiny Welt. Einen feuchten Knutscha auf die Wange drück :-*

  2. Sehr guter Beitrag. Das Problem ist das es 90% der Spieler nicht interessiert. Die DLC Politik macht das ganze noch schlimmer. Kauft mehr Casual Content damit wir noch mehr Kohle machen. Aber leider werden wir nicht davon weg kommen. Früher gab es ein Addon, damit konnte man die Kampagne locker nochmal füllen und neu spielen. Heute bekommst du nur noch das Gerüst und der Inhalt wird per DLC geliefert. Lehnt euch auf, kauft keine DLCs!

    Gruss Edd

  3. Leider alles wahr was du da schreibst. Es ist so dermaßen langweilig das wir die HUD- Opazität einfach aus gemacht haben und verstecken im Turm spielen. Der endcontent vom Game existiert nicht! Strikes die zu nichts führen, keine Sachen zu entdecken, lvl-Bereich ist zu klein gestaltet (man Brauch gefühlt keine 10std um auf max lvl zu kommen), die Rüstungen sind unkombinierbar, alles basiert wieder nur auf Luckdrop der npc’s… ach die Liste ist ewig lang… du sprichst mir mit deinem Beitrag direkt aus der Seele… BUNGIE & ACTIVISION- IHR HABT ES VERSAUT !

  4. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll …
    Vielleicht sollte man zu Beginn erwähnen, dass die Sache mit den Lootboxen neuerdings kritisch beäugt wird und in diversen gaming bezogenden Subreddits oft thematisiert wird wie zum Beispiel hier : https://www.reddit.com/r/pcgaming/comments/757lbc/holy_shit_the_loot_boxes_are_out_of_control/
    Es hat dazu geführt, dass eine Debatte über Glücksspiel entstanden ist, denn was anderes sind diese Boxen ja nicht und ich finde es sehr gut, dass es zumindest danach aussieht, als würde es schlecht um die Kistchen stehen.
    Die eigentliche Frage ist ja was sich die Entwickler dabei denken, vorallem ob sie an ein Projekt glauben und versuchen auszuloten wie sie am besten Geld machen, oder ob Sie das Projekt fallen lassen wenn die Pläne weitere Kohle zu verdienen nicht aufgehen.
    Ich persönlich habe Destiny 2 gar nicht erst angespielt, weil ich Vollpreistitel mit Elementen der Finanzierung aus dem f2p Bereich einfach nicht fair finde, gleichzeitig reizen solche Spiele gar nicht, denn der Grind des passionierten Spielers wird durch Shortcuts mit einem ganz konkreten Wert bemessen und meistens wäre es einfacher 10 € zu zahlen anstatt Tage lang irgendwelchen Ruf, Boss, oder ein Item zu farmen. Aber sobald das möglich ist, erfordert es keinen Aufwand, Skill, oder Passion – denn diese Leistung ist ein Kernelement eines jeden RPG.
    Wer ein Spiel spielt bei dem wirkliche Shortcuts für Echtgeld möglich sind, der spielt irgendwas mit Rollenspielelementen, vielleicht sogar etwas sehr geiles, jedoch verlieren die Leute die bereit sind Zeit statt Geld zu investieren ihre Lust und das ist ja was die Publisher nicht verstehen, man kann nicht beide Wege gehen, entweder es gibt einen Grind für alle, oder ein schlechtes Spiel für die jenigen die nicht immer wieder Geld bezahlen wollen.

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